Nachdem ein Mann mutmaßlich einen Brand in einem Haus in Ingersheim (Kreis Ludwigsburg) gelegt hat, hat die Polizei am Donnerstag Näheres über die Hintergründe bekannt gegeben. Grund für die Tat waren demnach wohl Streitigkeiten in der Familie über die Verteilung der Besitzverhältnisse des Hauses. Bei dem Großeinsatz waren mehr als 150 Polizistinnen und Polizisten plus Rettungsdienst und Feuerwehr im Einsatz.
Polizei: Brandsatz vom Balkon geworfen
Bei dem Verdächtigen handelt es sich laut Polizei um einen 61 Jahre alten Mann. Er soll am Mittwochmittag einen Brandsatz von einem Balkon des Mehrfamilienhauses geworfen haben. Unter dem Balkon habe eine 42-jährige Verwandte des Mannes zusammen mit einem Begleiter gestanden. Die beiden sollen von dem Brandsatz leicht verletzt worden sein.
Abschließend soll der Verdächtige laut Polizei den Dachstuhl des Gebäudes in Brand gesetzt haben. Es kam mutmaßlich zu einer Verpuffung im Haus: Dachziegel lösten sich und fielen auf die Straße. Zuvor soll der Mann noch Knallkörper aus dem Gebäude geworfen haben. Zum Löschen des Brandes musste die Feuerwehr später das komplette Dach öffnen.
Spezialeinsatzkommando und Bombenentschärfer in Ingersheim
Für die Polizei blieb in der aktuellen Lage am Mittwoch vieles unklar. Offen war auch die Frage, ob sich explosive Stoffe im Haus befinden. Daher rückte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) mit schwerer Ausrüstung an, außerdem ein Entschärferteam des Landeskriminalamts (LKA). Rund um das Gebäude hatte die Polizei nach eigenen Angaben alle Bewohnerinnen und Bewohner in einem Umkreis von 150 Metern evakuiert. Es sollen rund 70 Personen betroffen gewesen sein.
Vorwurf: Versuchter Mord und schwere Brandstiftung
Der Verdächtige blieb laut Polizei bis zum Nachmittag im Haus. Das SEK habe zu ihm Kontakt aufgenommen und ihn dazu gebracht, das Gebäude gegen 16:20 Uhr zu verlassen. Er wurde vorläufig festgenommen und kam wegen Brandverletzungen zunächst ins Krankenhaus. Eine Haftrichterin erließ am Donnerstag Haftbefehl, so Staatsanwaltschaft und Polizei. Noch sei der Verdächtige im Krankenhaus. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des versuchten Mordes sowie wegen schwerer Brandstiftung ermittelt.
Möglicherweise explosive Substanzen in der Garage gefunden
In der Garage des vom Brand betroffenen Gebäudes fand die Polizei Substanzen, die möglicherweise entflammbar oder explosiv sein könnten. Die Beseitigung dieser Stoffe werde von einem Entschärferteam des LKA vorbereitet, hieß es von der Polizei am Donnerstagnachmittag. Das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr seien zum Schutz der angrenzenden Gebäude vor Ort.
Haus in Ingersheim möglicherweise einsturzgefährdet
Nach dem Dachstuhlbrand sollen Statiker am Donnerstag den Zustand des Hauses prüfen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, ist das Gebäude in der Hauptstraße von Kleiningersheim möglicherweise einsturzgefährdet. Auch einige angrenzende Gebäude seien durch Hitze und Rauch beschädigt worden. Eine erste Schätzung geht von einem Schaden im hohen sechsstelligen Bereich aus.
Kleiningersheim ist neben Großingersheim der zweite Ortsteil der 6.400-Einwohner-Gemeinde Ingersheim. Die beiden Ortsteile liegen knapp drei Kilometer voneinander entfernt. In Kleiningersheim leben rund 1.500 Menschen.