Wenn die Ludwigsburgerinnen und Ludwigsburger nach der Toilettenpapierrolle gefragt werden, wissen die meisten sofort Bescheid: "Klar, die ist ja im Museum bei uns ausgestellt. Sie ist weltbekannt. Ohne Ludwigsburg würde es kein Toilettenpapier geben", sagt ein Mann auf dem Marktplatz in Ludwigsburg. Denn die Klopapierrolle, so wie wir sie heute kennen, hat ihren Ursprung in Ludwigsburg.
Von der Zeitung zum Klopapier
Über viele Jahrhunderte hinweg behalfen sich die Menschen beim Toilettengang mit dem, was zur Verfügung stand: von Stroh bis Laub. Die Römer entwickelten eine Bürste aus einem Stock mit einem festgebundenen Schwamm. Bei den Chinesen erkannte man schon früh, dass Papier als Hilfsmittel auf dem Klo dienen könnte - allerdings war dieses Privileg lange der chinesischen Oberschicht vorenthalten.
In Deutschland benutzte man zum Poabwischen lange Zeitungspapier, vor allem als die Zeitungen günstiger wurden. Die erste Klopapierrolle kam aus den USA: Dort wurde Toilettenpapier erstmal auf Rollen verkauft. Allerdings war das Produkt eher schambehaftet, weshalb die 'Scott Paper Company' die Toilettenpapierrolle nicht unter ihrem Namen verkaufte.
Hans Klenk wird zu Hakle
Hans Klenk machte das Toilettenpapier in den 1920er Jahren dann zu einem Markenartikel. In seiner Heimatstadt Ludwigsburg gründete er bereits mit 22 Jahren das Unternehmen 'Klenk + Co.' Später wurde daraus dann die bekannte Marke 'Hakle'.
Die Idee des Erfinders: Eine WC-Rolle mit garantierter Blattzahl. Mit dieser Innovation wollte er die Verbraucher an das Unternehmen binden und erfand den Slogan: "Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen." Seither war das Klopapierkaufen kein Tabu mehr. Später wurde das Papier dann noch von Krepp auf Tissue-Qualität umgestellt und machte das Klopapier endgültig zum Premiumprodukt.
Historische Rolle im Stadtmuseum
Das Ludwigsburger Museum erinnert mit einer historischen Klopapierrolle in ihrer Ausstellung an das besondere Ludwigsburger Unternehmen. 444 Blatt steht auf der eingewickelten Klopapierrolle.
Wir zeigen hier ein sehr schönes Exemplar aus der früheren Zeit mit Perforierung und genauer Blattzahl.
Elisabeth Meier, Pressesprecherin des Museums Ludwigsburg, erklärt, wie diese Rollen vermutlich zu Beginn produziert wurden: "Erst hat die Familie Klenk per Hand das Papier geschnitten und aufgewickelt. Später dann mit einer Maschine, die eigentlich aus dem Krankenhaus kam und für das Aufwickeln von Mullbinden gedacht war. Man erzählt auch, dass er am Anfang mit einer Schubkarre durch die Stadt gegangen ist, wo er seine Toilettenpapierrollen transportiert hat und sie so in der Stadt verkauft hat."
Hans Klenk als Ehrenbürger der Stadt Ludwigsburg
Obwohl die Firma Hakle im Jahr 1938 nach Mainz umzog, blieb Hans Klenk immer ein besonderer Bürger für die Stadt Ludwigsburg. In Anerkennung seiner wirtschaftlichen Leistungen wurde Hans Klenk später sogar die Bürgermedaille der Stadt Ludwigsburg verliehen.
Der Internationale Tag des Klopapiers
Am Internationalen Tag des Klopapiers, der immer am 26. August gefeiert wird, erinnern sich die Ludwigsburger noch einmal daran, dass jeder Klogang, so wie wir ihn heute kennen, eigentlich Hans Klenk zu verdanken ist. Auch wenn die genaue Gestaltung jeder und jedem selbst überlassen ist. "Ich zähle das nicht ab, aber ich nehme mindestens 4-5 Blätter - je nachdem", sagt eine Frau und lacht dabei. Einer Untersuchung zufolge, die die Firma Hakle auf ihrer Webseite teilt, liegt der weltweite durchschnittliche Bedarf an Klopapier pro Toilettengang übrigens bei 8,6 Stück.