"Ob das Rot- oder Weißwein war" konnte Johannes Fischbach bei seiner rasanten Fahrt durch die Weinberge im Remstal nicht erkennen, wie er selbst schreibt. Denn er sei mit fast 60 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. So hat der mehrfache deutsche Downhill-Meister sein Video beschrieben, das derzeit auf Instagram für wütende Kommentare und hitzige Diskussionen sorgt.
In den Kommentaren wird Fischbach teils gefeiert, mehrheitlich aber für seine wilde Fahrt verurteilt. Bald 800 Menschen äußerten sich seit Publikation des Videos, darunter Anwohnerinnen und Anwohner, andere Mountainbiker und Winzer und Winzerinnen. Solche Diskussionen kennt man in der Region sonst nur von (Freizeit-)Trail-Fahrerinnen und -Fahrern im Wald, wenn sie abseits der Mountainbike-Trails Spaziergänger gefährden.
Instagram-Kommentare: Massive Kritik, aber auch Zuspruch
Mehrere Userinnen und User fragen Fischbach, was er mache, wenn ein Auto oder der Winzer mit dem Trecker komme. Ein privater Account motorradfahrender Polizisten formuliert diese Sorge noch spitzer: "und in dem Moment macht eine Familie mit Kindern eine Radtour". Eine Userin fragt ihn, ob er es gutheißen würden, wenn jemand so durch seinen Garten rase. Viele appellieren an seine Vorbildfunktion. Einer fragt, ob Fischbach nicht auch noch Rampen wie beim Skispringen mit in die Weinberge stellen wolle.
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Andere feiern die Aktion und fragen sich eher, ob die kritischen Kommentare von Spielverderbern geschrieben worden seien. Ein Winzer aus Franken meldete sich zu Wort und sagt, er wäre zu 100 Prozent damit einverstanden, wenn der Mountain-Bike-Star durch seine Weinberge "ballert". Und viele Fans sind sich zudem sicher, Fischbach habe die Strecke für die Fahrt bestimmt abgesperrt und alles mit der Polizei und den örtlichen Winzern abgestimmt.
Alles nur Werbung für Downhill-Event in Stuttgart?
Das Problem: Dass er für Sicherheit gesorgt habe und alles abgesprochen war, hat Fischbach nur in einer Story nach Veröffentlichen des Videos erklärt. Da zeigte er sich geschockt über die vielen negativen Kommentare. Selbstverständlich habe er auch die Wege vorher kontrolliert. Selbstverständlich sollte niemand seine Aktion einfach so nachmachen. Aber die Story mit der Erklärung war nach 24 Stunden wieder verschwunden.
Das Video hingegen hat inzwischen auf Instagram mehr als 400 Reposts und wurde mehr als 18.000 Mal weiterverschickt. Auf einzelne Kommentare darunter antwortete Fischbach nicht, auch die Caption zu dem Stunt-Video hat er nicht geändert oder ergänzt, um für Transparenz und weniger Entsetzen zu sorgen. Auch auf eine SWR-Anfrage antwortete der Downhill-Profi nicht. Und Red Bull, das österreichische Unternehmen, für das Fischbach im Sattel sitzt, beantwortete eine Anfrage ebenfalls nicht. Also werden die negativen Kommentare und der Hass unter dem Video weitergehen.
War es also wichtiger, mit der Aktion indirekt Werbung für das große Downhill-Event "Cerro Abajo" in Stuttgart Anfang September zu machen? Vor zwei Tagen folgte ein Video einer Fahrt am Teehaus, in dem das Event explizit erwähnt wird.
Was ist das "Cerro Abajo"?
Das "Cerro Abajo" ist ein Event von Red Bull. Dabei geht es darum, im urbanen Kontext Downhill zu fahren. Stuttgart hat sich die Deutschland-Premiere gesichert. Am 5. und 6. September geht es vom Teehaus zum Wilhelmsplatz - hohes Tempo, enge Kurven und schwierige Hindernisse mit spektakulären Sprüngen garantiert. Sportbürgermeister Clemens Maier (Freie Wähler) sagte, die Stadt sei mit der besonderen Topografie, also der Kessel-Form, die ideale Bühne dafür.
"Cerro Abajo" hat einst in steilen Gassen in Südamerika - und zwar in Valparaíso (Chile) begonnen. Dort hat es auch in diesem Jahr wieder ein Rennen gegeben, sowie zwei Events im italienischen Genua. Stuttgart bildet nun das Finale. Der Weltmeister wird hier ermittelt. Johannes Fischbach ist dabei die deutsche Hoffnung auf einen Erfolg. Zuschauerinnen und Zuschauer können das Event an der Strecke verfolgen, der Eintritt ist frei.