In den Medien macht zur Zeit ein Kater namens Garfield aus Esslingen Schlagzeilen. Zuerst hat das Ordnungsamt nach ihm geschaut, weil es Beschwerden gab, dass der Kater nicht kastriert sei. Nun mahnt das Amt die Besitzerin, weil der Kater zu laut miauen würde. Die Katzenhalterin Patrizia Capreoli kann das nicht nachvollziehen und sieht hinter den Beschwerden ein anderes Problem.
Zuerst Beschwerde wegen Kastration, dann wegen Lärmbelästigung
Als sich das Ordnungsamt Esslingen vor einigen Monaten bei Capreoli meldete, musste sie nachweisen, dass ihr Kater kastriert sei. Es habe nämlich einen Hinweis gegeben, der Kater sei es nicht, während es in Esslingen seit 2024 die Kastrationspflicht für Freigängerkatzen gibt.
Das geht zu weit und ist schon eine Form der Schikane.
Dann kam im Dezember der nächste Brief. Der Anlass: Es habe erneut Beschwerden gegeben. Diesmal wegen Lärmbelästigung. Mehrmals täglich falle Garfield demnach auf, wie er für längere Zeit intensiv und lautstark vor der Wohnung miaue. "Zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und gegen umweltschädliches Verhalten" wurde Capreoli von der Stadt aufgefordert, gegen das Miauen ihres Katers vorzugehen. Das ging der Katzenhalterin zu weit. "Das ist wirklich Schwachsinn und schon irgendwie eine Form der Schikane", sagte Capreoli dem SWR. Für sie gebe es wichtigere Dinge, um die sich eine Stadt kümmern sollte. Ihre Entrüstung darüber veröffentlichte sie in einer Story auf Instagram.
Andere Nachbarn fühlen sich nicht vom Kater gestört
Laut Ordnungsamt hat sich eine Person zweimal schriftlich über den Kater beklagt. Capreoli vermutet, dass hinter den Beschwerden ein bestimmter Mensch aus der Nachbarschaft steckt, der auch mit anderen Bewohnern Probleme habe. "Was kommt als nächstes? Geht man dann soweit, dass man einen Köder aussetzt?"
Die anderen Nachbarn hätten kein Problem mit dem Tier. "Der Kater macht sich bemerkbar, wenn er rein will, das machen Katzen nun mal", sagte Nachbarin Silwana Rahman dem SWR. "Aber ich finde es überhaupt nicht störend." Auch andere Nachbarn äußerten auf Nachfrage, dass sie keine Ruhestörung durch den Kater wahrnehmen würden.
Für das Ordnungsamt ist der Fall abgeschlossen
Für das Ordnungsamt ist das nach eigener Aussage ein Standardfall. Beschwerden wie diese habe man dort täglich und gehe jeder nach. "Es kommt immer wieder vor, dass sich die Nachbarschaft durch Tierlaute gestört fühlt: bei Hühnern, Papageien, Hunden aber auch Eseln", sagt die Leiterin des Esslinger Ordnungsamtes, Brigitte Länge.
Mit dem Brief an die Katzenhalterin habe sich der Fall für das Ordnungamt erstmal erledigt. Wenn keine weitere Beschwerde von anderen Nachbarn kommt, müsse man der Sache nicht mehr nachgehen. Sollte sich sich dieselbe Person erneut beschweren, werde man zunächst den Kontakt mit ihr suchen. Capreoli müsse erstmal keine weiteren Schritte unternehmen.
Ordnungsamt: Lieber mit der Nachbarschaft gut klarkommen
In größeren Fällen, wie bei massiven Lärmstörungen, gebe es noch die Möglichkeit, Bußgeldverfahren einzuleiten oder die Polizeiverordnung oder die Katzenschutzverordnung ins Spiel zu bringen. "Aber das sind Fälle in einem ganz anderen Umfang als das hier“, so die Leiterin des Ordnungsamtes.
Grundsätzlich betont Länge, dass man sich in der Verwaltung immer freue, wenn die Nachbarn selbst einen Kompromiss finden könnten und das Amt außen vor bleibe. "Man muss einfach gucken, dass man mit seiner Nachbarschaft gut klarkommt und die Dinge nicht über das Ordnungsamt lösen muss."