In Filderstadt-Bonlanden (Kreis Esslingen) ist am Donnerstagmittag eine Leiche in einem Koffer entdeckt worden. Der Fundort lag in der Nähe eines Spielplatzes in einem Wohngebiet.
Nach Obduktion: Todesursache bleibt vorerst unklar
Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass es sich um eine Frau handele, teilte die Polizei mit. Die Todesursache konnte bislang jedoch nicht festgestellt werden. Die Leiche sei schon sehr verwest und zum Teil skelettiert gewesen, so die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Polizeipräsidium Reutlingen am Freitagmorgen.
"Möglicherweise liegt der Ablegezeitraum schon einige Wochen zurück", sagte Polizei-Sprecher Michael Schaal. Eine Sonderkommission mit 44 Ermittlerinnen und Ermittlern wurde für den Fall eingerichtet.
Anwohnerin und ihre Hunde fanden den Koffer mit der Leiche
Den Koffer hatte eine Anwohnerin schon vor einiger Zeit an einem Bachlauf in der Nähe der Dietrich-Bonhoeffer-Straße entdeckt, genauer gesagt ihre beiden Hunde, wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt. Es handele sich um ein Wohngebiet mit Mehrfamilienhäusern im nördlichen Bereich von Bonlanden, zwischen der Bonlander Hauptstraße und der vierspurigen B27, wie die Polizei mitteilte. Weil in und um den Bach so viel Müll und Sperrmüll liegt, hat die Hundebesitzerin offenbar direkt den Bauhof und nicht die Polizei informiert.
"Als Mitarbeiter des Bauhofes starken Geruch feststellten, öffneten sie den Koffer und entdeckten die Leiche", teilten die Behörden mit. Die Kriminalpolizei habe noch am Fundort mit den Ermittlungen begonnen. Dazu gehöre beispielsweise, nach möglichen Kameras in der Gegend zu suchen.
Anwohner und Anwohnerinnen zeigen sich sehr betroffen
Erstaunlich ist, dass offenbar niemand sonst den Koffer wahrnahm, weil laut Polizei viele Fußgängerinnen und Fußgänger an einer kleinen Brücke in der Nähe eines Spielplatzes vorbeikommen.
Über den Koffer selbst und den genauen Ablageort will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen erst einmal keine Angaben machen. Am Freitagnachmittag durchkämmten Polizeikräfte nochmals das Gelände und sammelten weitere Gegenstände ein. Laut Polizei sind im Gebiet momentan keine Vermisstenfälle bekannt, man stehe bei den Ermittlungen ganz am Anfang.
Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Wohngebiet zeigten sich schockiert. Eine Anwohnerin schilderte, dass sie kurz vor dem Fund noch über die Brücke gegangen sei, unter der der Koffer lag. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas hier in der Gegend passiert!", sagte ein Nachbar sichtlich betroffen. Er fahre mit seiner Familie dort oft mit dem Fahrrad lang, aber er habe nichts mitbekommen, auch nicht von verdächtigen Fahrzeugen oder Menschen, die sich unter der Brücke aufgehalten hätten.
Anwohnerin: Gelände ist voll mit Sperrmüll
Eine andere Anwohnerin sagte, es wundere sie nicht, dass da niemand vorher etwas bemerkt habe, denn da liege ja alles voll mit Sperrmüll, "vom Kühlschrank bis zu den unmöglichsten Dingen". "Da konnten Sie alles finden, es wurde jeden Tag mehr." Dass was Gravierendes passiert sein müsse, habe sie sich erst gedacht, als so viel Polizei da war. "Die Polizei kommt ja nicht wegen des Sperrmülls", so die Frau. Und jetzt mache ihr der Fall schon Angst.
Wer hat verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen?
Erste Hinweise seien bereits bei der Kriminalpolizei eingegangen. Die Sonderkommision bittet weiterhin dringend um Hinweise aus der Bevölkerung. Sie fragt,
- wer in Bonlanden, in dem Wohngebiet am nördlichen Ortsrand, in den vergangenen Wochen verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat,
- wem eine Person aufgefallen ist, die in letzter Zeit in diesem Bereich mit einem Koffer unterwegs war und
- wem in den vergangenen Wochen verdächtige Fahrzeuge in dem Wohngebiet zwischen der Bonländer Hauptstraße und der Ringstraße aufgefallen sind.
Hinweise nimmt die Polizei rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0711-3990 660 entgegen. Die Sonderkommission ist auch per E-Mail unter esslingen.kd.soko-hinweis@polizei.bwl.de zu erreichen.
2014 schon einmal zwei Leichen in Koffern gefunden
Der Fall erinnert an einen Leichenfund im Stuttgarter Schlossgarten 2014. Ermittlungen führten ins Obdachlosenmilieu und zu einem damals 48-Jährigen, der schließlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er im Mai 2014 in seiner Stuttgarter Wohnung zwei Menschen umgebracht. Dann habe er ihre Leichen zerstückelt und in Koffern verpackt im Schlossgarten abgestellt.