In Stuttgart ist am Donnerstagnachmittag die erste Litfaßsäule mit einem 5G-Sender für besseren Mobilfunk in Betrieb gegangen. Insgesamt rund hundert Säulen dieser Art sollen landesweit folgen, sagte Michael Jungwirth vom Mobilfunkanbieter Vodafone bei der Einweihung. "Wir haben natürlich in der Landeshauptstadt begonnen, weil es dort von der Netznutzung her aktuell am wichtigsten ist." Die mit dem Sender und Stromversorgung ausgerüstete Litfaßsäule steht in Stuttgart-West in der Nähe des Feuersees.
Vodafone: Mobilfunk aus Litfaßsäulen bietet Vorteile
Vodafone hat rund um den Unternehmenssitz in Düsseldorf schon 2021 die ersten Litfaßsäulen mit 5G-Sender aufgestellt. "Wir sind die ersten, die solche Litfaßsäulen ausbauen", sagt Firmensprecher Helge Buchheister. Litfaßsäulen stehen zentral, können leicht mit Strom versorgt werden und problemlos das Gewicht einer Sendeanlage tragen. Und: Es gebe keine Probleme mit zögernden Hausbesitzern oder störrischen Mietern, denen man die Sender aufs Dach bauen will.
Allerdings können die bestehenden Litfaßsäulen nicht einfach nur mit der 5G-Technik ausgerüstet werden. Sie bestehen schließlich nur aus simplen Betonringen. Die Mobilfunk-Säulen brauchen eine Türe zu Wartungszwecken. Deswegen werden neue Litfaßsäulen an bisherigen Standorten gebaut - inklusive Glasfaseranschluss.
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Die Konkurrenz ist längst auch dran an den Standorten in den Litfaßsäulen, zumal diese per se zentral stehen und einfach auszubauen sind, etwa was Stromversorgung und Traglast angeht. Die Deutsche Telekom hatte in Berlin quasi zeitgleich zu Vodafone begonnen, Litfaßssäulen auszubauen - allerdings zunächst noch mit dem Vorgänger-Mobilfunk-Standard LTE (4G). Telefónica, der Konzern hinter dem Mobilfunk-Anbieter O2, setzt derweil auf Straßenlaternen als Sender. Auch Vodafone ist in diesem Bereich aktiv - und zwar in Stuttgart mit insgesamt sieben Laternen auf dem Cannstatter Wasen.
Anbieter wollen mehr Bandbreite in den Städten
Generell wollen die Anbieter gerade in größeren Städten das Netz abdecken: Dort sind viele Nutzerinnen und Nutzer unterwegs und es besteht ein hoher Bedarf an viel Datentransfer (Bandbreite). In Stuttgart hat Vodafone nach eigenen Angaben derzeit 235 Mobilfunk-Stationen in Betrieb, 150 davon mit 5G.
Die Deutsche Telekom betreibt einer Mitteilung von Mittwoch zufolge 279 Standorte - bei 209 davon plant der Anbieter, die Kapazität zu erweitern. Zudem sollen 81 weitere Standorte in Planung. Der Konzern hatte im Mai zudem Werbung plakatieren lassen für die Suche nach weiteren Mobilfunk-Standorten in der Landeshauptstadt. "Die Kessellage von Stuttgart bringt funktechnische Herausforderungen mit sich", hatten die Telekom in diesem Zusammenhang erklärt.
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Generell versprechen die Mobilfunk-Anbieter aber auch, in der Fläche das Angebot zu verbessern. "Wir jagen jedes Funkloch - jedes Funkloch, dass wir finden, ist eines zu viel", sagt Michael Jungwirth von Vodafone und fügt hinzu: "Klar ist aber auch, dass in Baden-Württemberg die Topographie - Stichwort Schwarzwald - wirklich herausfordernd ist."
Die Bundesnetzagentur zeigt auch in einer interaktiven Karte, wie gut insgesamt die Netzabdeckung ist - auch für jeden einzelnen Anbieter. Die Karte zeigt: Erwartbar gibt es noch durchaus größere weiße Flecken etwa im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb. Aber auch um die Ballungsräume ringsum gibt es Fehlstellen: Während in Stuttgart selbst die Abdeckung mit 5G-Netz bei nahezu hundert Prozent liegt, ist die Mobilfunkversorgung im Schurwald, Schönbuch und Heckengäu deutlich schwächer.