Notarzteinsatz am Dienstagabend

Nach Sperrung des Stuttgarter Hauptbahnhofs: Darum war laut Bahn ein Chaos unvermeidbar

Viele Pendler saßen am Dienstag in Stuttgart fest. Wegen eines Notarzteinsatzes auf dem Hauptbahnhof fuhren weder Züge noch S-Bahnen. Hätte das vermieden werden können?

Teilen

Stand

Weil am Stuttgarter Hauptbahnhof am Dienstagabend weder S-Bahnen noch Züge fuhren, meldet sich die Bahn zu Wort. Für viele Reisende war es nämlich unverständlich, warum die Züge nicht einfach gewendet haben und zurück gefahren sind. Die Gleise für Fern- und Regionalzüge waren wegen eines Notarzteinsatzes für etwa zwei Stunden gesperrt. Viele Menschen kamen aber auch am Nordbahnhof, in Bad Cannstatt oder beispielsweise in Waiblingen erst einmal nicht weiter.

Bahn: Bei Sperrung sind Nachteile für Fahrgäste nicht zu vermeiden

Die Bundespolizei hatte den Hauptbahnhof wegen des Notarzteinsatzes gesperrt. In einem solchen Fall seien Nachteile für Fahrgäste nicht zu vermeiden, sagte ein Bahnsprecher auf SWR-Anfrage. Zunächst habe man sich um Züge gekümmert, die auf freier Strecke zum Stehen gekommen waren. Diese wurden erst einmal an Bahnsteige gefahren. Zudem wurden Züge des Fernverkehrs großräumig an Stuttgart vorbeigeleitet und haben ersatzweise in Esslingen gehalten.

Der Bahnsprecher erklärt weiter: Im Notfallmanagement der DB war dann abzusehen, dass die S-Bahn-Gleise im Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs als erstes wieder genutzt werden können. Deshalb habe man beim dichten S-Bahn-Takt darauf verzichtet, ein Notfallprogramm einzusetzen.

Stuttgart

S-Bahn und Züge fielen wegen Sperrung aus Notarzteinsatz am Stuttgarter Hauptbahnhof: 83-Jähriger stirbt

Der Stuttgarter Hauptbahnhof ist am Dienstagabend zeitweise komplett gesperrt gewesen. Grund war ein Rettungseinsatz im Gleis. Wie die Polizei mitteilte, ist ein Mann gestorben.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Pendelverkehr bringt laut Bahn oft längerfristige Probleme

Da der Hauptbahnhof gesperrt war, hatten Fahrgäste beispielsweise die Stadtbahn genommen, um zum Nordbahnhof zu fahren. Dort hatten sie gehofft, in die S-Bahn einsteigen zu können. Doch dort fuhren die Bahnen weder in die eine noch in die andere Richtung.

Um eine Art Pendelverkehr - zum Beispiel zwischen dem Stuttgarter Nordbahnhof und Ludwigsburg oder zwischen Waiblingen und Schorndorf - einzurichten, müssen Züge einen längeren Abschnitt im Gleis der Gegenrichtung fahren. Dadurch würden die Streckenkapazitäten weiter eingeschränkt werden. Bis dann wieder ein regulärer Verkehr aufgenommen werden könnte, hätte es noch länger gedauert, so der Sprecher weiter. So sei die S-Bahn-Stammstrecke nach 55 Minuten wieder frei gewesen.

Region Stuttgart

Wochenrückblick Stuttgart Bahnfahren in der Region: Der Zug ist noch nicht abgefahren!

Stuttgart21, nicht gelieferte Züge und Fahrplanänderungen: In der Region Stuttgart versteht man kurz vor Weihnachten nur noch Bahnhof. Gut, dass andere Dampf machen.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Immer wieder stecken Reisende in der Region Stuttgart fest

Allerdings sorgen immer wieder Vorfälle auf den Gleisen in der Region Stuttgart dafür, dass Reisende teilweise stundenlang auch in Zügen selbst festsitzen. So mussten etwa im November 2023 viele Menschen im Feierabendverkehr über zwei Stunden in einer S-Bahn ausharren, die in der Haltestelle Schwabstraße liegen geblieben war. 300 Meter vor der Haltestelle wurde der Zug nicht evakuiert. Denn für eine Evakuierung muss sowohl die Oberleitung abgestellt werden sowie ein Notfallmanager der Bahn vor Ort sein.

Kurz zuvor saßen rund 100 Fahrgäste bei Ludwigsburg über zweieinhalb Stunden in einer S-Bahn fest, nachdem diese ein E-Bike erfasst hatte. Dann wurden sie in einen Ersatzzug evakuiert. Dafür waren damals Notfallmanager der Bahn erst nach 50 Minuten vor Ort. Im Leitfaden der Deutschen Bahn steht, dass das maximal 30 Minuten dauern sollte.

Wie ein Zug etwa bei einem medizinischen Notfall evakuiert wird, zeigen Werner Trefz und Violetta Hagen:

Problemfall: S-Bahn Stuttgart

Seit Jahren kämpft die S-Bahn Stuttgart gegen ihre Störanfälligkeit. Im Jahr 2023 ist laut Verband Region Stuttgart jede vierte S-Bahn nicht gefahren. Experten erklärten in den vergangenen Jahren dem SWR immer wieder, dass man am Beispiel der S-Bahn die Probleme der Bahn in ganz Deutschland sehen könnte. Kaputte Fahrzeuge, ein überaltertes und marodes Streckennnetz, das dazu noch seit Jahren überlastet ist. Dennoch möchte der Verband Region Stuttgart den S-Bahn-Verkehr in den nächsten Jahren ausbauen und ausweiten.

Stuttgart

Wegen Bauarbeiten im Februar und März S-Bahn Stuttgart: Diese Sperrungen und Zugausfälle kommen auf Fahrgäste zu

Am S-Bahn-Netz Stuttgart wird gebaut. Die Deutsche Bahn sperrt zeitweise mehrere Strecken. Los geht es mit der Sperrung der Stammstrecke zwischen dem Hauptbahnhof und der Schwabstraße.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Region Stuttgart

Besserer Anschluss von Filstal und Vaihingen/Enz S-Bahn-Verlängerungen in der Region Stuttgart geplant

Der Verband Region Stuttgart möchte den S-Bahn-Verkehr in den kommenden Jahren ausweiten. Im Fokus stehen dabei das Filstal und der Anschluss von Vaihingen an der Enz.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Stuttgart

Erste Testfahrten in Planung Stuttgart 21: So geht es 2025 weiter

Im kommenden Jahr sind Meilensteine für das Großprojekt Stuttgart 21 geplant. Doch zugleich sind noch Fragen zur weiteren Finanzierung offen.

SWR4 am Nachmittag SWR4