Nach tragischem Unfall in Herrenberger Kita

Dreijähriges Mädchen verschluckt sich und stirbt: Ermittlungen eingestellt

Ein schrecklicher Vorfall hat sich in einer Kita in Herrenberg ereignet: Ein dreijähriges Kind verschluckte sich und starb. Ein Notarzt erzählt, wie man in einem solchen Fall handelt.

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Stand

Nach dem Tod einer Dreijährigen aus einer Kita in Herrenberg (Kreis Böblingen) sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Das Personal hat sich demnach nicht strafbar gemacht. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Aufsichtspflichtverletzung oder sonstige strafrechtlich relevante Handlungen, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Bereits Ende Januar hatte sich ein dreijähriges Mädchen beim Essen verschluckt. Laut Staatsanwaltschaft sind sofort Ersthelfermaßnahmen eingeleitet worden. Auch Rettungskräfte waren laut Polizei schnell vor Ort. Dennoch starb die Dreijährige einige Tage später an irreparablen Schäden am Gehirn.

Die Betroffenheit in Herrenberg ist groß

Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) zeigt sich nach dem Vorfall tief betroffen: "Der schmerzliche Verlust lässt sich nicht in Worte fassen." Der betroffenen Familie sprach er im Namen der Stadt seine aufrichtige Anteilnahme aus.

Nach dem Unfall war die betroffene Kita für zwei Tage geschlossen. Das Personal sei emotional stark betroffen, sagte eine Sprecherin der Stadt dem SWR. Das angebotene Seelsorgeangebot sei in Anspruch genommen worden. Das Kita-Personal arbeite weiterhin mit größter Achtsamkeit und Wachsamkeit, um die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Kinder zu gewährleisten, so die Sprecherin.

Die betroffene Kita verwies auf den Träger. Die Stadtverwaltung will weitere Einzelheiten aus Rücksicht auf die Familie nicht nennen.

Ein Kind verschluckt sich: Was tun?

Doch was tun, wenn ein Kind sich verschluckt? Drei Dinge seien wichtig zu beachten, sagt Friedrich Reichert, ärztlicher Leiter der Kindernotaufnahme im Olgahospital des Klinikums Stuttgart.

  1. Erstens sollte man ein Husten unterstützen. In den meisten Fällen finde der Fremdkörper dann selbst aus den Atemwegen heraus.
  2. Wenn das Kind nur noch schwach husten kann, würden Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter helfen. Bei kleinen Kindern sollte dabei der Kopf tief gelagert sein. Dann mache man das bekannte Heimlich-Manöver, so Reichert: ein relativ kräftiger Druck auf den Oberbauch. Hustet das Kind weiterhin schwach, sollte man abwechseln: fünf Schläge zwischen die Schulterblätter und fünfmal auf den Bauch drücken.
  3. Ist das Kind bewusstlos, gilt wie immer bei einer Reanimation: "Man fängt an mit Mund-zu-Mund-Beatmung und drückt dann im Rhythmus 30 Mal", sagt Reichert.

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Bei Kleinkindern unter zwölf Monaten gelte nur ein Unterschied, so Reichert. Man drückt nicht auf den Bauch, sondern auf die Brust. Das liege daran, dass die Bauchorgane verletzlicher sind.

Kinderarzt: Handeln immer besser als nichts zu tun

Wichtig sei, dass man handelt, wenn sich ein Kind verschluckt. "Sobald man merkt, dem Kind geht es schlecht", so Reichert, "schickt man jemanden zum Hilfeholen und legt selbst los - ohne die Sorge, etwas kaputt zu machen."

Das einzig Falsche, was man machen kann, ist nichts zu tun.

Reichert ist eines sehr wichtig: Alle Menschen, die regelmäßig mit Kindern zu tun haben, sollten immer wieder einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Es gebe auch spezielle Kurse für Erste Hilfe am Kind. Da gehe es neben den Methoden primär darum, die Angst vor dem Agieren im ersten Moment zu nehmen.

Elternbeirat hat Spendensammlung gestartet

Der Elternbeirat der Herrenberger Kita hat nach dem tragischen Unfall eine Spendensammlung gestartet. Auf der Website heißt es: "Der Verlust eines Kindes ist das Unvorstellbarste, das eine Familie erleben kann. [...] Wir möchten auf diese Weise zeigen, dass wir in Gedanken bei ihnen sind und sie zumindest finanziell ein bisschen unterstützen." Bislang sind rund 22.000 Euro zusammengekommen.

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