Er hat Amerika von Nord nach Süd und Eurasien von West nach Ost durchquert: Nun will der 1987 in Stuttgart geborene Jonas Deichmann in 30 Tagen und mit Marathon-Läufen Baden-Württemberg durchlaufen. Der Extremsportler will dabei mit vielen weiteren Menschen die Laufstrecken bewältigen - und dabei für das Ehrenamt trommeln. Am Dienstag hat er seine Pläne in Stuttgart vorgestellt. Ende September soll es losgehen. Mit SWR Aktuell hat er über sein Projekt, seine Abenteuerlust und sein Verhältnis zum Ländle gesprochen.
Bewegungsinitiative Marathon-Aktion in BW: Jonas Deichmann läuft sich in Stuttgart warm
Extremsportler Jonas Deichmann plant, Baden-Württemberg in 30 Tagen und 30 Marathons zu durchqueren - gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern. In Stuttgart stellt er das Projekt vor.
SWR Aktuell: Herr Deichmann, Sie sind selbst viel in Bewegung, Sie wollen in Bewegung bringen - warum ist das so wichtig?
Jonas Deichmann: Bewegung ist mein Leben. Ich mache von klein auf Sport, jeden Tag, bewege mich 365 Tage im Jahr. Das ist, woraus ich meine Energie herausziehe. Das ist etwas, bei dem ich der festen Überzeugung bin, was jeder machen sollte. Einfach bewegen, was machen und rauskommen an die frische Luft. Das gibt Energie - und das tut uns gut.
SWR Aktuell: Sie bewegen sich nicht nur ein bisschen, sondern gerne extrem. Diesen Hang zum Extremen, woher kommt das?
Deichmann: Ich bin auch so aufgewachsen. Mein Opa zum Beispiel war Schlangenfänger in Westafrika. Ich bin dann früh Radrennen gefahren, habe eine Weltumrundung gemacht auf dem Fahrrad und bin dann Profisportler, Profiabenteurer geworden. Ich habe Fahrradweltrekorde aufgestellt, ein Triathlon rund um die Welt, dann 120 Ironmans hintereinander. Mit jedem Projekt, das man erfolgreich absolviert, verschieben sich Grenzen. Während einem Projekt habe ich so eine Klarheit. Da stehe ich jeden Morgen auf, um die beste Version von mir zu sein. Das ist unglaublich schön.
SWR Aktuell: Jetzt planen Sie für den Herbst 30 Marathons in 30 Tagen quer durch Baden-Württemberg. Wie kamen Sie auf diese Idee - und was ist dabei die Herausforderung?
Deichmann: Die große Herausforderung für mich wird die Menge von 30 Marathons sein und dass ich keine große Adaptationszeit habe, weil ich vorher einmal rund um Europa radele. Die Idee mit den 30 Marathons in 30 Tagen kam mir, weil ich unbedingt noch ein Laufprojekt machen wollte dieses Jahr. Baden-Württemberg ist meine Heimat, ich komme aus Stuttgart, bin im Schwarzwald aufgewachsen. Baden-Württemberg hat so viel zu bieten. Dann kam der Gewinnsparverein Baden-Württemberg auf mich zu und wir haben auch hier ein 25-jähriges Jubiläumsjahr und gemeinsam wollen wir Baden-Württemberg bewegen.
Bewegungsinitiative Marathon-Aktion in BW: Jonas Deichmann läuft sich in Stuttgart warm
Extremsportler Jonas Deichmann plant, Baden-Württemberg in 30 Tagen und 30 Marathons zu durchqueren - gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern. In Stuttgart stellt er das Projekt vor.
SWR Aktuell: Was ist dabei der Kerngedanke?
Deichmann: Ich laufe 30 Marathons in 30 Tagen und jeden Abend wird ein Community-Event entstehen, dass Leute mitlaufen können. Ziel ist, dass wir die Leute dazu bewegen, Sport zu machen und eigene Grenzen zu verschieben. Das Ganze geht zugunsten des Ehrenamts, wir sammeln Spenden und machen auf das Engagement aufmerksam. In vielen Städten mache ich abends noch einen Vortrag. Es wird ein sehr rundes Konzept, bei dem mein Marathon der Aufhänger ist, aber viel mehr drumherum passiert.
SWR Aktuell: Ein weiteres Ziel ist wahrscheinlich auch, Baden-Württemberg kennenzulernen. Gibt es so eine Strecke, auf die Sie besonders große Lust haben?
Deichmann: Ich kenne Baden-Württemberg schon sehr gut. Aber laufend lerne ich das Land natürlich noch intensiver kennen, gerade auf den kleinen Wegen. Ganz besonders freue ich mich auf den Schwarzwald und die Höhenmeter dort. Ich liebe die Berge! Und da einmal über den Schwarzwald rennen nach Freiburg wird ein großes Highlight. Und dann ist da natürlich der letzte Tag mit dem Einlauf in Stuttgart, das wird ein Riesen-Highlight.
SWR Aktuell: Wie verläuft Ihre Tour?
Deichmann: Ich starte in Tauberbischofsheim und laufe erst Richtung Stuttgart, aber dann nach Osten über Göppingen, Esslingen nach Ulm weiter. Dann geht es an den Bodensee und über den Schwarzwald nach Freiburg. Und dann in einer Schleife wieder zurück nach Stuttgart.
SWR Aktuell: Wenn man sich so 30 Tage lang bewegt, will man natürlich auch ein paar schöne Ecken sehen. Wie plant man denn so eine Route?
Deichmann: Beim Laufen gibt es ja unglaublich viele, auch kleine Wege. Wir planen die Route mit einer App am PC und das ist gerade in ländlichen Gegenden super einfach. In der Stadt muss man natürlich ein bisschen aufpassen, dass man jetzt nicht auf einer vielbefahrenen Straße gerät, aber dafür gibt es mittlerweile relativ gute Technik.
SWR Aktuell: Soll die Aktion den Leuten im Land auch Lust machen, tatsächlich die Marathon-Distanz auf sich zu nehmen?
Deichmann: Mein Ziel ist eine Serie von schönen Community-Events. Da entsteht eine tolle Stimmung, man kommt gemeinsam ins Ziel. Ich kenne das schon von vorherigen Projekten. Ich bin in Mexiko als "deutscher Forrest Gump" bekannt geworden. Und dann bei den 120 Ironmans hintereinander, das war oft eine Volksfest-Stimmung. Das ist das, was wir erreichen wollen: gemeinsam Sport machen, nicht verbissen, sondern mit Leichtigkeit.
SWR Aktuell: Nach dem "Deutschen Forrest Gump" nun der "Baden-Württembergische Forrest Gump"?
Deichmann: Ganz genau. [lacht]
SWR Aktuell: Das Projekt "30 Marathons in 30 Tagen" soll noch kein Endpunkt sein, sondern eine Etappe von vielen. Was sind die großen Projekte, die Sie im Moment vor der Brust haben?
Deichmann: In zwei Wochen geht mein nächstes richtig großes Projekt los, die Europaurundung auf dem Fahrrad. 24.000 Kilometer einmal rund um Europa. Dann habe ich zwei Wochen Pause, um danach eben diese 30 Tage in Baden-Württemberg zu laufen. Nächstes Jahr im Sommer kommt dann ein Projekt, wo ich zweieinhalb Jahre unterwegs bin. Wird ein riesiges Abenteuer und ist noch streng geheim.
SWR Aktuell: Dann kann man ja gespannt sein. Im Herbst jedenfalls kommen sie zum Abschluss des Projekts "30 Marathons in 30 Tagen" nach Stuttgart. Was für eine Bedeutung haben Stadt und Region für Sie?
Deichmann: Dort liegen meine Wurzeln. Ich bin in der Gegend aufgewachsen, habe auch nach wie vor sehr viele Freunde und auch Familie in der Gegend, bin auch mit meinen Vorträgen regelmäßig dort. Auch wenn ich dort nicht dauerhaft wohne, ist es eine Stadt und eine Gegend, wo ich mich auskenne. Es ist ein Stückchen nach Hause kommen.
SWR Aktuell: Und wenn Sie dann in Stuttgart angekommen sind nach den Marathons, worauf freuen Sie sich dann am meisten?
Deichmann: Maultaschen und Kässpätzle! Das sind die beiden Dinge, die ich immer extrem vermisse, wenn ich auf Weltreisen bin. Ich war in über 100 Ländern und es gibt überall viel gutes Essen. Aber Kässpätzle und Maultaschen, die sind nirgendwo so gut wie hier.