Die italienische Justiz hat am Freitag in Italien 4,6 Millionen Euro Vermögen des Mafia-Mitglieds Mario L. beschlagnahmt. Das haben SWR-Recherchen ergeben. Mario L. war ein Stuttgarter Gastwirt. Er soll unter anderem bei der Erpressung von etlichen Gastwirten mitgewirkt haben. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte zuerst berichtet.
Behörde: "Missverhältnis" zwischen angegebenen Einnahmen und Vermögen
2019 ist Mario L. unter anderem wegen der Mitgliedschaft in der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. 2024 wurde die Strafe von acht Jahren und acht Monaten Gefängnis rechtskräftig. In der Pressemitteilung vom Freitag wird Mario L. nicht namentlich erwähnt, es wird lediglich von einem Unternehmer aus Mandatoriccio (Provinz Cosenza in Kalabrien) gesprochen. Auf SWR-Nachfrage bestätigte die DIA dem SWR allerdings, dass es sich bei dem Unternehmer um den früheren Stuttgarter Gastwirt Mario L. handelt.
Grund für den jetzigen Einsatz und die Beschlagnahmung ist laut Anti-Mafia-Behörde ein "Missverhältnis" zwischen den von Mario L. angegebenen Einkünften und seinem Vermögen. Den Ermittlungen zufolge soll er eine "Rolle bei der Unterstützung von Erpressungsaktivitäten" gespielt haben, außerdem habe er über Immobilien Gelder gewaschen.
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Konten, Immobilien und Unternehmen beschlagnahmt
Die italienischen Behörden haben nach eigenen Angaben ein Unternehmen, Anteile von zwei Unternehmen, vier Immobilien und sechs Konten beschlagnahmt. Außerdem wurden fünf "bewegliche Vermögenswerte" sichergestellt. Dabei soll es sich um Fahrzeuge oder andere Wertgegenstände handeln.
Auch ein Campingplatz ähnliches Freizeit-Ressort in Mandatoriccio, in dem laut SWR-Recherchen auch Stuttgarter Touristen gern Urlaub gemacht haben, wurde beschlagnahmt. Dort sollen sich nach Medienberichten auch wichtige Mafia-Größen getroffen haben. Dabei dürfte es sich um das beschlagnahmte Unternehmen handeln. Vermögenswerte in Deutschland sind den Angaben nach von der Beschlagnahmung nicht betroffen.
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Früherer Promi-Gastwirt im Visier der Ermittlungen
Mario L. hatte schon in den Neunzigerjahren für Schlagzeilen in Baden-Württemberg gesorgt, denn zu den Stammgästen in seiner Pizzeria in Stuttgart-Weilimdorf gehörte der damalige CDU-Fraktionschef und spätere Ministerpräsident Günter Oettinger. Auch weitere Politikerinnen und Politiker bewegten sich im Dunstkreis von Mario L. Er stand schon damals im Verdacht, für die 'Ndrangheta tätig zu sein. Die Ermittlungen liefen allerdings ins Leere, außer einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung.
Erst 20 Jahre später ließ sich der Verdacht durch deutsch-italienische Ermittlungen so erhärten, dass Mario L. Anfang des Jahres 2018 im Zuge einer Großrazzia in Italien und Deutschland mit Dutzenden weiterer Tatverdächtiger festgenommen wurde. Es ging um Geldwäsche und eine besondere Form der Schutzgelderpressung: Gastwirte wurden gezwungen, bestimmte Produkte zu überhöhten Preisen abzunehmen.
Mario L.: Haftstrafe teilweise im Hausarrest
Der heute 70-Jährige saß einen Teil der Strafe im Gefängnis ab. Aus familiären Gründen wurde ihm zugestanden, einen Teil seiner Haftstrafe im Hausarrest zu verbüßen. Mario L. wurde über seinen Rechtsanwalt um eine Stellungnahme gebeten. Darauf ging bis jetzt keine Antwort ein.