Ein Unbekannter soll Mitte April drei Pferde in Tamm (Kreis Ludwigsburg) misshandelt haben. "Die Stuten waren morgens im Genitalbereich ganz blutig", erinnert sich ihre Besitzerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Zunächst habe sie auf eine seltene Infektionskrankheit gehofft und gar nicht an einen Missbraucht gedacht.
Stuten in Tamm: 20 bis 30 Zentimeter tiefe Hämatome
Doch eine Untersuchung durch einen Tierarzt habe ergeben, dass ihre Stuten 20 bis 30 Zentimeter tiefe Verletzungen hätten, die nur durch äußerliches Einwirken herbeigeführt werden konnten. "Ich habe mit so was nicht gerechnet", erzählt die Pferdebesitzerin, die nach dem Vorfall in der Nacht vom 14. auf den 15. April die Polizei informierte und Anzeige erstattete. "Ich war geschockt, hatte einen Kloß im Magen und habe drei Tage nichts gegessen."
Die Befunde der Tiere würden sowohl auf entzündliche als auch auf traumatische Veränderungen im Bereich des Genitaltraktes hindeuten, teilte das Veterinäramt des Landkreises Ludwigsburg mit. "Es kann weder aus Sicht des praktizierenden Tierarztes noch aus Sicht des Amtstierarztes eindeutig festgestellt werden, welche Ursache die traumatischen Veränderungen haben", hieß es auf SWR-Anfrage am Montag.
Überwachungskamera zeigt unbekannten Mann
Der nächste Schock für die Pferdebesitzerin folgte am Samstag (9. Mai): Gegen 4:40 Uhr verschaffte sich erneut ein Unbekannter Zutritt zu dem Stall. Da dieser inzwischen videoüberwacht ist, gibt es davon Aufnahmen. "Mein Herz ist schier raus gesprungen als ich das gesehen habe", erzählt die Besitzerin der drei Stuten. Sie erstattete erneut Anzeige.
Auf den Aufnahmen ist ein Mann zu erkennen, der über das Gelände läuft. Keines der Pferde wurde von ihm verletzt, sagt ihre Halterin. Ob es sich dabei um dieselbe Person handelt, die schon Mitte April unbefugt in den Stall gelangte, ist laut Polizei bislang nicht geklärt.
Immer wieder Missbrauch von Pferden
In den sozialen Medien wurden die Videoaufnahmen der Überwachungskamera und Fotos des Unbekannten veröffentlicht. Das sei nicht mit der Polizei abgestimmt und auch nicht zulässig, so ein Sprecher. Für eine Öffentlichkeitsfahndung brauche es einen Gerichtsbeschluss. Trotzdem sind die Fotos und das Video noch immer online auffindbar, weil sie bereits hundertfach geteilt wurden.
Warum die Pferde Mitte April im Genitalbereich misshandelt wurden, ist bislang unklar. Sollte das Motiv des Täters ein sexuelles sein, spricht man von Zoophilie oder auch von Sodomie. Darunter "fallen alle sexuell motivierten Handlungen eines Menschen an einem lebenden Tier", erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Erst im März hatte ein Fall in Lübeck für Aufsehen gesorgt. Ein Mann hatte eine Ponystute missbraucht und sie dadurch im Genitalbereich verletzt.