Ein 19-Jähriger aus dem Kreis Esslingen soll zusammen mit anderen Männern als selbsternannter "Pedo-Hunter" im Raum Stuttgart Straftaten begangen haben. Am Mittwoch wurde er nach einer Wohnungsdurchsuchung festgenommen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei Stuttgart mitteilten. Der Begriff "Pedo-Hunter" (wörtlich übersetzt "Pädophilen-Jäger") bedeutet, dass Menschen auf eigene Faust Männer in eine Falle locken und bestrafen wollen, weil sie diese für Pädophile halten.
Aussicht auf Sex sollte Männer wohl anlocken
Wie eine Polizeisprecherin dem SWR am Mittwochnachmittag erklärte, wird dem 19-Jährigen vorgeworfen, mit einer Gruppe anderer Tatverdächtigen sich online als junge, meist volljährige Frauen ausgegeben zu haben. So hätten sie Männer angeschrieben und diese zu Treffpunkten gelockt. Dort seien sie mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt worden.
Polizei vereinbarte Scheintreffen
Die Polizei ermittelt zu diesen Fällen nach eigenen Angaben seit Ende 2023. Damals seien in Stuttgart vereinzelt solche Taten angezeigt worden. Seit diesem Juni habe sich dann eine auffällige Häufung abgezeichnet, sodass das Polizeipräsidium Stuttgart eine Ermittlungsgruppe einrichtete. Diese habe dann mit der Zeit eine Gruppe von mutmaßlichen Tätern und Täterinnen identifizieren können.
Schon im Juni ertappte die Polizei zwei 18 Jahre alte Männer in Stuttgart-Süd bei einem Scheintreffen auf frischer Tat und nahm sie fest. Ein weiterer 18-Jähriger ging der Polizei später bei Hausdurchsuchungen ins Netz. Die jungen Tatverdächtigen sollen in wechselnden Besetzungen für rund 30 Taten verantwortlich sein.
Ermittlungsgruppe deckte Netzwerk auf
Wie die Polizei dem SWR auf Nachfrage mitteilte, geht es um eine Kerngruppe von vier Tatverdächtigen. Drei von ihnen seien bereits seit Juni in Haft. Gegen sie wird unter anderem wegen des versuchten Mordes, versuchten Totschlags und schweren Raubes ermittelt. Es gibt laut Polizei außerdem 18 weitere Tatverdächtige, darunter 15 Männer und drei Frauen aus Stuttgart, dem Kreis Esslingen und dem Rems-Murr-Kreis. Auch bei ihnen wurden Wohnungen durchsucht, und es wird gegen sie ermittelt.
Dunkelziffer sehr hoch: Polizei sucht weitere Betroffene
Die Betroffenen würden sich aus Scham oft nicht bei der Polizei melden und die Vorfälle anzeigen, so der Leiter der Ermittlungsgruppe, Mario Teufel. "Es ist wichtig zu betonen, dass die angegriffenen Männer in den meisten Fällen nichts falsch gemacht haben, weshalb der Begriff 'Pedo-Hunter' auch nicht passt. Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben." Um mögliche weitere Fälle aufzuklären, bittet die Kriminalpolizei mögliche weitere Geschädigte und Zeugen, sich unter der Telefonnummer 0711-8990 5778 zu melden.