Rund ein Jahr nach dem Fund von mehr als 100 Pferdeskeletten auf einer Großbaustelle in Stuttgart-Bad Cannstatt haben Fachleute erste Erkenntnisse über die auf dem Pferdefriedhof bestatteten Tiere präsentiert.
Römer-Zeit: Die meisten Pferde wurden definitiv nicht geschont
Bei ungefähr der Hälfte der Pferde aus einer Stichprobe seien Anzeichen von Veränderungen an Knochen festgestellt worden, sagt Sarah Roth vom Landesamt für Denkmalpflege dem SWR. Es handle sich um Spuren, die sich im Skelett bilden, wenn die Tiere sehr lange und intensiv geritten werden. "Dann wachsen die Wirbelknochen zusammen", erklärte Roth. "Das zeigt, die Tiere hier wurden definitiv nicht geschont."
Die Tiere wurden definitiv nicht geschont.
Teils hatten die Pferde Grabbeigaben anbei
Der Fund vor einem Jahr war ein Sensationsfund, der einzigartige Einblicke in die Geschichte gibt. Dass die Pferde-Skelette so gut erhalten sind, liegt nach Angaben der Grabungsleiterin Carmen Liebermann von ArchaeoBW an der Bodenbeschaffenheit. Die Skelette liegen in Lösslehm, unmittelbar darunter kommt der Cannstatter Travertinstein, so Liebermann. Für die Archäologie ein Glücksfall, weil Knochen in kalkhaltigen Böden gut erhalten bleiben.
Dass die Pferde-Skelette so gut erhalten sind, liegt nach Angaben der Grabungsleiterin Carmen Liebermann von ArchaeoBW an der Bodenbeschaffenheit. Die Skelette liegen in Lösslehm, unmittelbar darunter kommt der Cannstatter Travertinstein, so Liebermann. Für die Archäologie ein Glücksfall, weil Knochen in kalkhaltigen Böden gut erhalten bleiben.
Römer haben ihre Pferde geschmückt
Der riesige Pferdefriedhof habe damals wohl zu einer dort stationierten Reitereinheit gehört, so die Fachleute. Diese hielt sich im 2. Jahrhundert am Hallschlag auf. Die Pferde waren damals kleiner, als es dem heutigen Bild der stolzen Römer entspricht: Das Stockmaß der Tiere, deren Skelette ausgegraben wurden, beträgt durchschnittlich 1,40 Meter. Das entspricht eher einem Pony.
Bei den Ausgrabungen wurde auch bei einem Pferde-Skelett ein kleiner Metallbeschlag gefunden. Dieser sei wohl in der Römer-Zeit am Zaumzeug befestigt gewesen, so Sarah Roth vom Landesamt für Denkmalpflege. Wo genau, könne man aber nicht mehr feststellen. "Aber es war einfach ein nettes - und wie man sieht - aufwendig gearbeitetes Zierelement", sagt Roth.
In einem Fall gab es wertvolle Grabbeigaben, was die Forscherinnen und Forscher überraschte, deutet es doch auf eine eher innige Beziehung zum Pferd hin, so Roth. "Die waren dem Pferd regelrecht in die Kniebeuge gelegt." Das sei sehr ungewöhnlich, weil das normalerweise in römischer Zeit bei Tieren nicht vorgekommen sei.
Emotionale Momente für Archäologinnen und Archäologen
Selbst mehr als 1.000 Jahre nach der Bestattung seien die Emotionen noch spürbar gewesen, die die Römer durch diese Grabbeigaben ihren Pferden gegenüber zum Ausdruck gebracht hatten, so Roth, "als könnte man den Schmerz über den Verlust noch immer spüren".
Bei der Freilegung dieser Objekte hat man den Schmerz über diesen Verlust auch nach all den Hundert Jahren noch gespürt. Und das war dann auch für die Ausgräber ein bisschen anrührend.
Die Forschung gehe jetzt aber noch weiter. Die Fachleute erhoffen sich durch die Ausgrabungen weitere Informationen über die Pferde aus der Zeit des Römischen Reiches, beispielsweise zu Krankheiten oder der Herkunft der Pferde. Doch ihnen bleiben nur noch wenige Wochen, um alle Skelette auszugraben. Denn dann soll an dieser Stelle in Stuttgart-Bad Cannstatt gebaut werden.