Wütend auf Vorgesetzten

Mafia-Kontakte? Polizist sagt zu bestelltem Angriff: "So etwas nicht gewollt"

Am Landgericht Stuttgart hat der Prozess gegen einen Polizisten aus dem Rems-Murr-Kreis begonnen. Beim Auftakt werden beinah filmreife Telefonate vorgespielt.

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Stand

Von Autor/in Werner Trefz

Ein 47-jähriger Polizist hat am Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht über seinen Anwalt zugegeben, bei einem italienischen Freund eine "Abreibung" für seinen Vorgesetzten bestellt zu haben. Der Mann war noch bis April im Rems-Murr-Kreis eingesetzt. Angeklagt ist er wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag. Zu der Tat ist es laut Landgericht allerdings nie gekommen. Festgenommen wurde der Polizist Anfang April - im Rahmen einer gemeinsamen Polizeiaktion in Deutschland und Italien.

Prozessauftakt: Telefonate mit italienischem Freund werden angehört

Konkret wirft ihm die Staatsanwaltschaft Stuttgart vor, 2022 eine Attacke auf einen ihm verhassten Vorgesetzten beauftragt zu haben - bei einem 49-jährigen Mann, der einer italienischen Mafia-Organisation angehört oder diese unterstützt haben soll. Beim Prozessauftakt am Donnerstagmorgen wurden zwei Telefonate angehört, in denen der Polizist mit seinem italienischen Freund spricht. Darin fallen etwa Begriffe wie "Abreibung" oder "zusammenschlagen" - der Gesprächspartner erwiderte, er habe Leute, die sich auf so etwas freuen würden.

In der Erklärung des Angeklagten heißt es, er habe sich nach 25 Jahren Dienst auf eine Beförderung gefreut, etwa zur Kriminalpolizei. Die blieb allerdings aus. Deshalb sei er immer wütender geworden und habe seinem Ärger im Gespräch mit seinem Freund Luft gemacht. Jetzt zeigt sich der Angeklagte fassungslos über seine Äußerungen: "Gewollt habe ich so etwas nie." Er schäme sich dafür.

Gutachter: Angeklagter womöglich in manischer Phase

Ein psychiatrischer Gutachter geht davon aus, dass der Angeklagte sich zum Zeitpunkt des Auftrags vermutlich in einer manischen Phase befand. Der Gutachter empfiehlt eine sofortige Behandlung. Der Angeklagte ließ in der Verhandlung über seinen Verteidiger erklären, dass er dem zustimmen würde. Damit geht es im weiteren Prozess auch darum, ob der Angeklagte womöglich vermindert oder überhaupt nicht schuldfähig war.

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Polizist steht zweimal vor Gericht

Der Angeklagte muss sich noch in einem weiteren Prozess verantworten. Er soll in Polizeisystemen zweimal interne Informationen abgerufen haben - und diese an seinen italienischen Freund weitergegeben haben. Dem Polizisten wird deshalb auch vorgeworfen, das Dienstgeheimnis und eine besondere Geheimhaltungspflicht verletzt sowie eine kriminelle Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben.

Dieses zweite Verfahren beginnt Anfang Januar am Landgericht Stuttgart. Ein Verdacht gegen den Polizisten bestand offenbar seit 2021. Er sei danach intern versetzt worden. "So konnten wir sicherstellen, dass keine weiteren Informationen weitergegeben werden", hieß es nach der Festnahme von Seiten der Ermittler. In diesem zweiten Prozess ist auch sein italienischer Bekannter angeklagt. Unter anderem wegen Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses in Tateinheit mit der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung im Ausland.

Region Stuttgart: Weitere Prozesse mit Mafia-Verdacht

Anfang Januar beginnen am Landgericht Stuttgart zwei weitere Prozesse mit möglichem Mafia-Bezug. Das hat einen Grund: Die Mafia sei schon jahrzehntelang in der Region Stuttgart präsent, sagt SWR-Mafia-Experte Stefan Orner. Im Zuge der Gastarbeiterbewegung seien viele Menschen etwa aus Kalabrien in den Rems-Murr-Kreis gekommen. "Und im Gefolge dieser Bewegung hat sich dann auch die Mafia hier niedergelassen", so Orner. In der Region Stuttgart sei es die 'Ndrangheta, die als größte Mafia-Organisation weltweit gelte.

Die Mafia versucht, die Wirtschaft und auch die Gesellschaft zu unterhöhlen.

Die "Arbeitsweise" der Mafia habe sich dabei verändert. "Früher war das die klassische Schutzgelderpressung: Du gibst mir monatlich Geld, dann passiert dir nichts. Heute läuft das anders ab", so Orner. Es würden etwa Lebensmittel importiert, die aus Mafia-Betrieben in Kalabrien stammten. Die würden dann hier an Gastronomen weiterverkauft. Unter Zwang und zu überhöhten Preisen.

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Erstmals publiziert am
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Onlinefassung
Christoph Schöneberger
Fotoshooting SWR Studio Stuttgart Juli 2025
Autor/in
Werner Trefz
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