Teil 1: Können die Stuttgarter Mineralquellen bei der Wetterlage versiegen? Ist die Wilhelma safe?
Können bei größerer Hitze die Mineral- und Heilquellen in Stuttgart versiegen? Und wie sieht es dann mit der Versorgung der Wilhelma, des Biologisch-Zoologischen Gartens in der Landeshauptstadt, aus? Das fragen sich gerade viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter. Die Stuttgarter Heil- und Mineralquellen können nicht versiegen, so ein Pressesprecher der Stadt. Aktuell müsse sich auch niemand Sorgen machen, dass es zu Engpässen kommen könnte. Auch für die Tiere in der Wilhelma bestehe keine Gefahr. Denn der Zoo verfügt über eine eigene Mineralquelle und hat Zugriff auf die Auquelle. Außerdem kann der Zoologisch-Botanische Garten bei Engpässen auf das städtische Leitungsnetz wechseln.
Das Bad Cannstatter Mineralwasser tritt an 13 Mineralbrunnen „frei“ aus. Hier darf auch für den unmittelbaren privaten Gebrauch abgefüllt werden. Laut der Stadt Stuttgart haben Entnahmen – auch in größeren Mengen –keinen Einfluss auf die Schüttung der Mineralquelle. Wieviel Wasser austritt, sei Schwankungen unterworfen, hänge jedoch aufgrund der Tiefe und des Einzugsgebiets der Quellen nicht direkt mit aktuellen Wetterlagen zusammen, sondern mit langfristigen Entwicklungen. Vom Niederschlag bis zum Austritt als Mineralwasser in Bad Cannstatt vergehen Jahrzehnte. Allerdings wird langfristig aufgrund des Klimawandels nicht mehr so schnell mit Grundwasserneubildung zu rechnen sein, und es wird perspektivisch weniger neues Grundwasser geben. Das sagen unter anderem Prognosen aufgrund von Modellen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Einige Modelle zeigten, dass die Grundwasserneubildung bis 2050 im Mittel nur noch 75 Prozent der Werte des bisherigen langjährigen Mittels erreiche, heißt es. Konkret für Stuttgart hat das eine weitere Folge: Veränderungen im Grundwasserhaushalt haben Auswirkungen auf das Mineralwassersystem, vor allem wie viel Quellwasser es gibt und wie die Mineralisierung sich verändert. Deswegen wurde bereits 2023 ein Konzept zum Heilquellenschutz mit Handlungsempfehlungen erarbeitet, die in das allgemeine Wassermanagement einfließen.
Teil 2: Stellt die Stadt Stuttgart bei größerer Hitze Trinkwasserbrunnen ab?
Aktuell sind nach Angaben der Stadt Stuttgart rund 160 Brunnen und Wasserspiele in Stuttgart in Betrieb. Etwa15 Prozent der Anlagen sind aus technischen Gründen ausgeschaltet. 117 Brunnen sind Trunkwasserbrunnen. Alle funktionsfähigen Trinkbrunnen seien in Betrieb. Es gebe jedoch darunter ältere und technisch anfällige Anlagen, die ebenfalls an verschärfte Hygienestandards angepasst werden müssten, heißt es auf SWR-Nachfrage. Rund zehn städtische Trinkbrunnen sind daher technisch bedingt nicht in Betrieb. Die Lage sei aufgrund der Hitze und der notwendigen Hygienekontrollen jedoch dynamisch. Die Anlagen werden ständig kontrolliert. Die Mitarbeitenden im Brunnenteam des Tiefbauamts und die unterstützend beauftragten externen Firmen arbeiteten derzeit unter hoher Arbeitsbelastung mit großem Einsatz.
Teil 3: Kann Trinkwasser in Stuttgart knapp werden?
Das Stuttgarter Stadtgebiet erhält sein Trinkwasser aus zwei Quellen: von der Landeswasserversorgung und von der Bodensee-Wasserversorgung. Daher hängt die Menge des in Stuttgart verfügbaren Trinkwassers nicht von Trockenperioden oder Niederschlagsmengen in Stuttgart selbst oder dem direkten Umland ab. Beide Wasserversorger teilten auf SWR-Nachfrage mit, dass die Versorgung mit Trinkwasser nicht gefährdet sei. "Die Landeswasserversorgung hat sich in den vergangenen Jahren auf solche Spitzenverbrauchszeiten, wie sie bereits dieses Jahr waren und voraussichtlich wieder kommen werden, sehr gut vorbereitet, beispielsweise durch Erschließung neuer Ressourcen in Heidenheim", teilte eine Sprecherin der Landeswasserversorgung mit. Auch aus dem Bodensee sei die Wasserversorgung gleichbleibend. Pro Tag könnten 670.000 Kubikmeter Rohwasser aus dem Bodensee entnommen werden. Die Versorger appellieren aber an Bürgerinnen und Bürger, bewusst und achtsam mit der kostbaren Ressource Trinkwasser umzugehen und das System zu schonen, also nicht etwa Gärten und Rasenflächen zu besprengen und Pools nur äußerst sparsam zu befüllen.