Hauptradroute 1 mit vielen Problemzonen

Stuttgart als Fahrradstadt? So gefährlich ist Radfahren in der Landeshauptstadt

Am Montag hat in Stuttgart das "Stadtradeln" begonnen. Durch die Aktion sollen Menschen mehr Rad fahren. Die Stadt will Stuttgart zur "Fahrradstadt" machen. Kann das klappen?

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Von Autor/in Loris Hoffmann

Bereits zum zehnten Mal nimmt die Stadt Stuttgart an der bundesweiten Umwelt Kampagne "Stadtradeln" teil, die am Montag begonnen hat. Mitmachen kann jeder, 21 Tage lang wird geradelt. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, aus Stuttgart eine "Fahrradstadt" zu machen, doch an vielen Stellen gibt es Probleme.

Stadt Stuttgart baut Hauptradroute 1 seit Jahren aus

"Gerade auf der Hauptradroute 1 münden Radwege in Gehwege, dadurch behindern sich Fußgänger und Fahrradfahrer, das ist eines der größten Probleme", sagt Christine Lehmann. Die 68-Jährige betreibt den Blog "Radfahren in Stuttgart" und setzt sich seit Jahren für einen besseren Fahrradverkehr ein. Die Stadt würde viel in den Ausbau des Radnetzes investieren, doch an vielen Stellen müsse man wahnsinnig aufpassen, so Lehmann.

Christine Lehmann aus Stuttgart.
Chrstine Lehmann an einer Fahrradstraße in Stuttgart. Loris Hoffmann

Bereits seit 2010 investiert die Stadt Stuttgart in den Ausbau des Radnetzes. Seit einem Beschluss des Gemeinderats 2019 hat sie den Ausbau intensiviert. Seitdem werden neue Routen für den Radverkehr geschaffen und gleichzeitig bestehende Verbindungen ausgebaut, auch zulasten des Autoverkehrs. Auf vielen Straßen im Stadtgebiet gilt nur noch Tempo 30, zudem wurden mehrere Fahrradstraßen geschaffen, so wie in Bad Cannstatt. Das Ziel: Stuttgart soll eine Fahrradstadt werden und bis 2030 ein Radverkehrsanteil von 25 Prozent erreicht werden. Aktuell liegt dieser Wert laut Christine Lehmann bei rund 9 Prozent.

2018 wurde der Tallängsweg in Hauptradroute 1 umbenannt. Die Strecke ist rund 20 Kilometer lang und führt von Vaihingen über die Innenstadt nach Bad Cannstatt. Christine Lehmann fährt die Strecke regelmäßig und kennt dadurch auch die Schwachstellen. Vor allem rund um den Charlottenplatz, den Schlossgarten und am Bahnhof in Bad Cannstatt würden die Probleme der Route deutlich werden.

Rund 400 Unfälle mit Radfahrern in Stuttgart

"Am Charlottenplatz führt sie sehr eng an der Haltestelle und dadurch den Fußgängern vorbei, außerdem kommt kurz danach die Einfahrt in ein Parkhaus, da passieren ständig Unfälle, weil Autofahrer den Radverkehr überhaupt nicht wahrnehmen", so Lehmann. Ihre Lösung: Mehr Radwege direkt auf den Straßen.

Laut Verkehrsunfallstatistik gab es in Stuttgart letztes Jahr knapp 440 Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern, mit über 40 Schwerverletzten. Gefährlich sei es laut Lehmann für den Radverkehr auch im oberen Schlossgarten. Die Route führt am Eckensee vorbei und dann auf den Ferdinand-Leitner-Steg. Dort sei die Breite aber nicht ausreichend, zudem würden Poller den Radverkehr massiv beeinflussen.

Wir versuchen vieles zu ermöglichen, aber an Kreuzungen können wir nur langsam etwas bewegen.

Rund 100 Fahrer beim Auftakt des "Stadtradelns" dabei

Im letzten Jahr erzielte die Stadt einen Rekord bei der Aktion "Stadtradeln", auch in diesem Jahr waren allein bei dem Auftakt rund 100 Radfahrer dabei. Das Interesse an einem flüssigen und durchgehenden Fahrradnetz sei groß, sagt Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt. Die Stadt hat seit dem Beschluss 2019 nach eigenen Angaben über 500 Projekte zur Förderung des Radverkehrs angestoßen.

"Wir versuchen kurzfristig vieles zu ermöglichen, aber gerade an Kreuzungen können wir nur langsam etwas bewegen, weil dort alle Verkehre berücksichtigt werden müssen. Wir sind dran, vor allem an den Hauptradrouten den Verkehr sicher und flüssig zu gestalten", so Pätzold.

Stadt Stuttgart plant weiteren Ausbau

Durch die Zunahme an E-Bikes in den letzten Jahren sei das Interesse an dem Ausbau noch größer, immer mehr Menschen würden das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen. "Wir merken, dass der Radverkehr zunimmt. An unseren Zählstellen hatten wir letztes Jahr fünf Millionen Radfahrer und Radfahrerinnen", sagt Pätzold. Für den Stuttgarter Westen hat die Stadt in diesem Jahr eine weitere Maßnahme für den Ausbau angekündigt.

Dort soll bis Ende 2026 entlang der Forst-, Senefelder- und Breitscheidstraße eine neue Fahrradstraße entstehen. Auch auf der Theodor-Heuss-Straße zwischen dem Rotebühlplatz und dem Börsenplatz soll zukünftig in beiden Fahrtrichtungen der Radverkehr auf Radwege geführt werden. Die Baukosten belaufen sich auf rund 9 Millionen Euro - es ist eine weitere Investition, um aus der Autostadt Stuttgart zukünftig eine Fahrradstadt zu machen.

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Autor/in
Loris Hoffmann
Porträtfoto von Loris Hoffmann

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