- 70-Stunden-Öffnung und Jubiläumsprogramm
- Vorbild für Türme weltweit
- Besuch von Queen Elizabeth II
- Dunkle Jahre: Fernsehturm wird geschlossen
- Turm mit Auszeichnungen, aber ohne TV-Programm
Fernsehturm fast drei Tage nonstop geöffnet
Der Fernsehturm ist im Moment so lange geöffnet wie nie zuvor. Am Donnerstag um 0 Uhr ging es mit einem Sektempfang im Panoramacafé los. Besucherinnen und Besucher kamen, sangen "Happy Birthday" und stießen auf das Stuttgarter Wahrzeichen an. Der Turm sei "Ästhetik pur", sagte einer der mitternächtlichen Gratulanten. Andere Gäste sprachen von einem "tollen Bauwerk", dass "jedes Mal schön anzuschauen" sei und sagten: "Wenn man den Fernsehturm sieht, dann denkt man, da gehöre ich dazu."
Der Fernsehturm ist bis Samstagabend 22 Uhr geöffnet - passend zum 70-jährigen Jubiläum 70 Stunden am Stück. Besucherinnen und Besucher erwartet dabei nicht nur der Blick in die Weite, es gibt auch ein abwechslungsreiches Programm. Informationen finden sich hier. Geplant sind unter anderem ein Sektempfang um Mitternacht, ein Frühstück zum Sonnenaufgang und eine "70 Jahre"-Oldie-Party.
Nachts, tagsüber, im Sonnenschein, unter Gewitterwolken, im Nebel, mit Regenbogen und sogar während einer partiellen Sonnenfinsternis - SWR1-Redakteur Jörg Witzsch ist großer Fan des Stuttgarter Fernsehturms und fotografiert ihn immer wieder gerne.
5. Februar 1956 wurde der Stuttgarter Fernsehturm eröffnet. Menschen, die gleich alt wie das Stuttgarter Wahrzeichen sind, profitieren in diesem Jahr besonders. Besucherinnen und Besucher mit Geburtsjahr 1956 haben laut SWR Media Services das ganze Jubiläumsjahr über kostenfreien Eintritt bis hoch zur zweigeschossigen Aussichtsplattform in 150 Metern Höhe.
Fernsehturm in Stuttgart wird zum Vorbild weltweit
Ursprünglich wollte der Süddeutsche Rundfunk (SDR) nur einen funktionalen Stahlgittermast aufstellen. Doch der Stuttgarter Bauingenieur und Statiker Fritz Leonhardt schlug einen Turm aus Stahlbeton vor. Sein Ziel: Er wollte ein öffentliches Gebäude schaffen mit Aussicht, Restaurant und architektonischem Charme. "Die größte Herausforderung war, dass es kein Vorbild gab", sagt Patrick Schnauffer, Teamleiter Fernsehturm. "Es gab auch keine Computertechnik, keine künstliche Intelligenz." Das Bauprojekt stieß auch auf Ablehnung. Manche Zeitgenossen unkten, der Bau würde nicht fertiggestellt oder gar umfallen.
Doch Bauingenieur Fritz Leonhardt ließ sich nicht abschrecken. Sein Vorbild war die Natur, zum Beispiel der Bambusstab, erklärt Turmkenner Schnauffer: "Die Röhre ist hohl. Sie wird von innen stabilisiert. Das wurde von der Natur abgeschaut." Auch das Fundament des Fernsehturms, das nur acht Meter in die Tiefe reicht, könne man vergleichen mit dem Wurzelgeflecht eines Baums. Das ermöglicht auch, dass der Turm selbst starkem Wind trotzt. Dabei schwankt er bis zu 30 Zentimeter in Höhe der Aussichtsplattform.
Als nach 20 Monaten Bauzeit der Stuttgarter Fernsehturm eröffnet wurde, war der damalige SDR-Intendant und Bauherr Fritz Eberhardt begeistert: "Ich eröffne mit Stolz das zehnthöchste Bauwerk der Erde in Stuttgart." Der Stuttgarter Fernsehturm machte Schule. Ob in Frankfurt oder Dortmund, im chinesischen Wuhan oder im südafrikanischen Johannesburg, im australischen Sydney oder im kanadischen Toronto - der Stuttgarter Fernsehturm hat eine "weltweite Turmbauwelle ausgelöst", sagt Patrick Schnauffer.
Besuchermagnet: Auch die Queen war schon oben
Mit seinen gut 217 Metern Höhe spielt der SWR Fernsehturm Stuttgart schon lange nicht mehr in der Liga der höchsten Gebäude mit. In Toronto misst der Fernsehturm 553 Meter, in Tokio sogar 634 Meter. Trotzdem fasziniert der Stuttgarter Fernsehturm nach wie vor die Menschen. Rund 300.000 Besucherinnen und Besucher kommen jedes Jahr, sagt Patrick Schnauffer.
Auch Staatschefs und Promis zieht der Turm an. So zum Beispiel Queen Elizabeth II. Ihren Besuch im Jahr 1965 nutzte die Stadt, um sich von der besten Seite zu zeigen. Das Gartenbauamt soll extra den welken Rasen vor dem Turm grün angestrichen haben, die Bäume braun.
Dunkle Jahre: Turm drei Jahre lang geschlossen
Am 28. März 2013 lässt Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) den Turm mit Verweis auf Brandschutzmängel schließen. "Es war eine schwarze Zeit", berichtet Patrick Schnauffer vom Fernsehturm-Team. Es ging ein "Aufschrei durch die Bevölkerung". Die Menschen fragten sich, warum sollte der Turm plötzlich nicht mehr sicher sein solle. 27 Millionen Menschen hatten die Aussicht bis dahin unfallfrei genießen können, heißt es bei der SWR Media Services, der Betreibergesellschaft des SWR Fernsehturms. Fast drei Jahre dauerte die Sanierung. Am 30. Januar 2016 öffnete der Turm wieder.
Überprüfung der Bausubstanz Stuttgarter Fernsehturm: Kletterer prüfen in mehr als 100 Metern Höhe Risse im Beton
Drei Tage lang seilen sich Kletterer am SWR Fernsehturm hoch über Stuttgart ab, um die Bausubstanz für Instandhaltungsarbeiten zu prüfen. Klar ist: Es gibt kleine Risse im Beton.
Kein Fernsehprogramm mehr vom Fernsehturm
50 Jahre nach seiner Eröffnung verliert der Stuttgarter Fernsehturm seine ursprüngliche Bestimmung. Im Jahr 2006 werden die Fernsehantennen auf dem Turm stillgelegt. Das Fernsehprogramm der ARD wird über den benachbarten Fernmeldeturm der Telekom ausgestrahlt. Für Radioprogramme gilt das nicht. Sie werden weiter vom Fernsehturm ausgestrahlt - über UKW und DAB.
Seit 1986 steht der Stuttgarter Fernsehturm unter Denkmalschutz. 2009 wurde er als "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" ausgezeichnet. Auch steht er auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.