Zuckerschock im Kinderzimmer der Waschbärenbabys von Sandra Berger in Neckartenzlingen (Kreis Esslingen): Denn einen Wurf Waschbärenbabys so hautnah erleben zu dürfen, das ist schon etwas ganz Besonderes. Zwölf Wochen alt sind die quirligen Minibären mit der auffälligen Gesichtsmaske - und menschenähnlichen Händchen, die alles greifen wollen, was ihnen in die Quere kommt. Mittendrin Adoptivmama Sandra Berger. Die hat die Rasselbande von einem Jäger übernommen, als sie zarte zwei Wochen alt waren und von Hand mit der Flasche aufgezogen.
Waschbären gelten als invasive Art
Waschbären gelten als sogenannte invasive Art, die heimische Wildtiere gefährdet. Ursprünglich kommen die Tiere aus Nordamerika - man hatte sie für die Pelzindustrie nach Europa geholt - sie entkamen den Gehegen und breiten sich seither aus. Deswegen werden sie in Deutschland großflächig bejagt. Jährlich werden rund 250.000 Tiere von Jägern erschossen.
Doch der Jäger, der Sandra Berger die kleinen Pelzknäuel gebracht hat, hatte es nicht übers Herz gebracht, die Kleinen zu erschießen. Jetzt werden sie die nächsten 15 Jahre bei Sandra Berger bleiben. Denn so lang dauert ein Waschbärenleben im Schnitt.
Tätowiererin rettet Wildtiere
Dabei hat Sandra Berger gleich zwei große Leidenschaften: Tattoos - sie hat sogar mit ihrem Mann ein eigenes Studio in Stuttgart - und Tiere. Genauer gesagt, Tiere in Not. Ihr ganzes Leben lang hilft sie schon, wo sie kann, egal ob Haus, oder Wildtiere. In Neckartenzlingen, einem kleinen Dorf im Neckartal, hat sich die Tätowiererin einen Traum verwirklicht. Ein eigenes Holzhaus am Waldesrand, voller Leben - und Tieren, die wohl sonst kein Zuhause hätten.
Doch noch nie hat sie sich so intensiv, um Tiere in Not gekümmert, wie bei den Waschbären. Allein für die Haltung braucht es eine behördliche Genehmigung. Sonst gilt man als Wilderer. Und anfangs mussten die Waschbären alle zwei Stunden gefüttert werden - Tag und Nacht. Aber was tut man nicht so aus Liebe, erzählt sie. Denn die vier Waschbärenwelpen sind für sie vollwertige Familienmitglieder.
Waschbären sind pflegeintensive Haustiere
Doch auch wenn sie süß sind: Waschbären sind Haustiere mit Spezialeffekt. "Sind schon kleine Chaoten", sagt Sandra Berger. "Die reißen die Tapeten ab. Sie montieren die Bodenleisten weg - Fummeln ist ihr ganz großes Hobby!“ Gefüttert werden die heranwachsenden Allesfresser mit Brei. Aus Aufzuchtmilch und verschiedenen Getreiden. Plus Insekten, Obst, und Gemüse. Und das viermal am Tag. Eine ganz schöne Aufgabe für die 48-Jährige. Aber eine Herzensaufgabe.
"Ich war schon immer im Tierschutz tätig", erzählt Sandra Berger. Irgendwann habe sie gemerkt, dass die Wildtierstationen überladen seien. "Unseren Tieren geht es immer schlechter aufgrund der Flächenversiegelung. Wir bauen, die Lebensräume gehen zurück." Deswegen kümmere sie sich jetzt um die Waschbären.
Waschbären bekommen einen Auslauf im Garten
Während die Babys nach Waschbärenart futtern, zeigen uns die Mama und ihre zwei Helferinnen die Stelle im Garten, wo sie bald schon gemeinsam einen großen Auslauf für die Waschbären bauen wollen. Mit jeder Mange Platz zum Spielen und Toben und einem eigenen Baum in der Mitte. Kostenpunkt: Rund 10.000 Euro.
Zur Finanzierung, auch der laufenden Kosten, hat sie eigens eine gemeinnützige Gesellschaft angemeldet. Denn neben ihrem fellnasigem Nachwuchs, versorgt die 48-Jährige auch noch regelmäßig Katzen aus dem Tierschutz und Wildtiere in Not. Mit eigener Notrufnummer 24/7. Langweilig wird es bei Sandra Berger also nicht und die vier kleinen Waschbären haben ein liebevolles Zuhause gefunden.