Nach dem tödlichen Unfall in Esslingen vor knapp einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 55-Jährigen erhoben - unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur am Freitag mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Der mutmaßliche Unfallfahrer soll am 22. Oktober in Esslingen kurz vor einer Ampel wegen eines Fahrfehlers mit seinem Fahrzeug auf den Gehweg gefahren sein. Dabei erfasste er laut Staatsanwaltschaft eine 39-jährige Frau und ihre beiden Kinder, die dort zu Fuß unterwegs waren. Alle drei starben noch am Unfallort.
Oberbürgermeister: verstärkte Verkehrskontrollen und Tempo 30
"Das war ein tiefgreifendes Ereignis für die ganze Stadt Esslingen", erzählt Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) im SWR-Interview. Nach diesem "tragischen" und "traurigen" Unfall sei das Thema Verkehrssicherheit in dem Stadtteil an oberster Stelle bei den Menschen. "Ich war selbst entsetzt, dass wir bei unserer ersten Geschwindigkeitsmessung feststellen mussten, dass tausende von Autofahrern viel zu schnell unterwegs waren." Gleich am ersten Tag seien drei Führerscheine eingezogen worden, berichtet Klopfer.
Verstärkte Verkehrskontrollen sind nur eine der Maßnahmen, die nach dem tödlichen Unfall ergriffen wurden. Die Stadt hatte außerdem zusätzliche Brüstungen aufgebaut, um Radfahrer und Fußgänger zu schützen. Außerdem seien weitere Geh- und Radwege zur Erreichung des Sportparks in der Prüfung. Zudem wurde an der Unfallstelle Tempo 30 eingeführt. "Es gibt noch nicht ausreichend Bewusstsein dafür, dass Geschwindigkeit 50 deutlich höhere Bremswege zur Folge hat als Geschwindigkeit 30", so der OB.
Gutachten zur Unfallursache dauerte mehrere Wochen
Nachdem vor knapp einem Jahr das Fahrzeug des Angeschuldigten die Frau und ihre beiden Kinder erfasst hatte, kollidierte es mit einem Zaun. Der Fahrer eines anderen Fahrzeugs wurde zudem durch umherfliegende Teile leicht verletzt. Ein Gutachten, wie es zu dem Unfall kommen konnte, nahm mehrere Wochen in Anspruch. Es sollte geklärt werden, wie schnell das Unfallfahrzeug unterwegs gewesen war. Auch Spuren an dem Fahrzeug selbst sowie an Gegenständen, mit denen das Auto geprallt war, wurden untersucht.
Mutter und beide Kinder sterben bei Auto-Unfall: Große Anteilnahme in Esslingen
Eine Woche nach dem schweren Unfall nahmen Hunderte Menschen an einem Trauermarsch teil. Nach einem Gebet für die Unfallopfer in der Kirche St. Elisabeth in Esslingen zogen sie in Zweierreihen zum Unfallort. Dieser befindet sich vor einem Sportpark. Die Trauernden trugen Kerzen in der Hand. Der Zug glich einem Lichtermeer. Viele legten ihre Kerzen später an der Unglücksstelle ab.
Dort hatten Trauernde zuvor schon Blumen und Teddybären abgelegt. Eingeladen hatten die katholische Kirche Esslingen im Stadtteil Pliensauvorstadt und die italienische Gemeinde.
Gutachten: Unfallfahrer stand nicht unter Drogen oder Alkohol
Eine Beeinflussung durch Alkohol oder andere Rauschmittel habe bei dem mutmaßlichen Verursacher zum Unfallzeitpunkt nicht vorgelegen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Das ergab eine toxikologische Untersuchung der Blutprobe des mutmaßlichen Verursachers.