Eine 34-jährige Mutter ist am Donnerstag bei einem Unfall im Stuttgarter Stadtteil Botnang schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei habe die Frau über eine Kreuzung gehen wollen, als ihr Kind aus dem Kinderwagen fiel. Während sie es wieder in den Wagen setzen wollte, wurde sie von einem Autofahrer übersehen und angefahren. Dabei wurde die Frau unter dem Auto eingeklemmt. Kurz nach dem Unfall halfen Passanten dabei, das Auto anzuheben und die Frau zu befreien. Sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Einer der Helfer ist Ingenieur Ralf Sandvoß. Im Interview mit dem SWR erzählt er von der Rettungsaktion.
Kind war aus Kinderwagen gefallen Stuttgart: Mutter überfahren - Passanten heben Auto an
Eine 34-jährige Frau ist in Stuttgart angefahren worden, als sie ihr Kind in den Kinderwagen zurücksetzen wollte. Die Mutter wurde bei dem Unfall im Stadtteil Botnang schwer verletzt.
SWR Aktuell: Können Sie einmal die Situation beschreiben: Wo wollten Sie eigentlich hin und was haben Sie dann gesehen?
Ralf Sandvoß: Ich wollte meine Tochter vom Kindertreff abholen, fahre die Straße lang und sehe an der Kreuzung viele Leute ganz hektisch hin- und herlaufen. Ein Auto an der Verkehrsinsel stehen und Leute, die davor knien. Ich habe schnell gesehen, dass eine Person unter dem Auto lag. Ich habe dann mein Fahrzeug gestoppt, die Warnblinkanlage angemacht und bin schnell hingeeilt, weil die Leute, die am Auto standen, schon versucht haben, das Auto zu bewegen. Ich habe dann gefragt, was los ist und dann schon die Frau unter dem Auto liegen sehen. Und die Leute, die schon vor Ort waren, haben gerufen: "Lass uns das Auto anheben!".
Dann habe ich mit versucht, das Auto anzuheben, was mit den wenigen, die wir am Anfang waren, nicht geklappt hat. Erst als immer mehr Leute dazukamen und herangerufen worden sind, waren wir, ich schätze mal, 15 Leute, die dann an den Radkästen versucht haben, das Auto hochzuheben, um die Frau vorne rauszuziehen. Was auch nach einer gewissen Zeit gelungen ist. Dann kam aber auch die Polizei und kurz danach der Notarzt, die sich dann um die Frau gekümmert haben.
SWR Aktuell: Was war das für ein Gefühl, als Sie die Frau unter dem Auto haben liegen sehen? Was haben Sie gedacht?
Ralf Sandvoß: Erstmal habe ich nur gedacht: "Um Gottes Willen, was ist da passiert? Die Frau muss da so schnell wie möglich raus". Natürlich immer auch unter dem Gesichtspunkt, sie nicht noch weiter zu verletzen. Kann man das Auto zurückschieben? Was man gleich sehen konnte, dass das nicht geht, weil sie da komplett unter dem Motorbereich eingeklemmt war. Also muss es angehoben werden. Wagenheber hatte keiner. Also dann mit geballter Kraft der anwesenden Männer und Frauen versuchen, das Auto vorne hochzuheben, um die Frau rauszuziehen.
Und gefühlt habe ich in dem ersten Moment einfach nur: Oh Mann, da muss man schnell mithelfen. Und auch die anderen Leute, die teilweise drumherum standen, zu animieren, die Kinder, die von der Schule gerade auf dem Heimweg waren, wegzuschicken. Damit sie das nicht unbedingt sehen. Und die, die mithelfen konnten, zu animieren, mit anzuheben.
Das ist das eine. Und das andere ist mir, als sie dann weggefahren sind, so wirklich bewusst geworden: Oh mein Gott, die arme Frau. Und auch ein großes Mitgefühl in der Hoffnung, dass sie nicht schwer verletzt ist.
SWR Aktuell: War das für Sie ganz automatisch, Ihr Auto abzustellen und zu helfen?
Ralf Sandvoß: Ja, da habe ich gar nicht lange nachgedacht. Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, wenn ich helfen kann, zu helfen. Definitiv.
Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, wenn ich helfen kann, zu helfen.
SWR Aktuell: Was ist das für ein Gefühl zu sehen, dass so viele Leute geholfen haben und nicht einfach vorbeigefahren sind?
Ralf Sandvoß: Das ist super gewesen, auch das Auto vor mir hat angehalten und gleich mitgeholfen. Das ist schon ein gutes Gefühl, dass es doch so viel Solidarität gibt und dass die Leute dann zusammenstehen und in so einer Situation den Betroffenen helfen.
SWR Aktuell: Wie geht es Ihnen jetzt, einen Tag später, mit dem, was Sie gesehen und erlebt haben?
Ralf Sandvoß: Mir geht es gut damit, ich habe auch schon mit der Polizei gesprochen, ich habe keine Nachwirkungen. Ich hoffe natürlich, dass die Frau schnell wieder gesund wird. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass sie wohl doch schwer verletzt ist. Das sah am Anfang nicht so aus. Aber der Notarzt war dann auch relativ schnell da, als wir sie raus hatten und hat die Frau dann auch gut versorgt. Aber es ist natürlich ein beklemmendes Gefühl, jemanden so unterm Auto klemmen zu sehen.