Mit viel Vorfreude sind Abor & Tynna, das Geschwister-Duo aus Wien, am Mittwochnachmittag mit dem Zug in Basel eingetroffen. Die beiden Musiker vertreten Deutschland beim Eurovision Song Contest 2025 und gaben nach der sechseinhalb Stunden langen Fahrt quer durch Deutschland gleich am Badischen Bahnhof in Basel ein Konzert.
"Man kann nicht ewig nur auf irgendetwas warten, warten und warten", sagte Abor noch im Zug. Denn das ganze Warten mache nervös. Jetzt seien die beiden aber ruhig. Denn die große Show in der St. Jakobshalle in Basel steht bald bevor.
Tynna sagte: "Ich werde sicher nervös sein, bevor ich auf die Bühne gehe, aber dadurch, dass ich das jetzt weiß, dass ich so oder so nervös sein werde, nutze ich die Zeit mal, um nicht nervös zu sein."
Liebeskummer verarbeiten - und "ballern"
Dann performten Attila und Tünde Bornemisza, so ihre bürgerlichen Namen, ihren Song "Baller" - mit dem sie bald auch die Herzen Europas erobern wollen - in der Bahnhofshalle. Tynna singt, Abor spielt Cello und steht am Mischpult. "Baller" verbindet Pop, Hip-Hop und elektronische Klänge.
Entstanden ist der deutschsprachige Track im vergangenen Jahr, nachdem sich Tynna von ihrem Freund getrennt hatte. Mit ihrem Bruder verarbeitete sie ihren Liebeskummer musikalisch - zunächst in Form mehrerer Balladen und dann wollte sie etwas, das "ballert". Für den ESC wurde "Baller" nochmals verfeinert.
Studium für ESC pausiert
Musik liegt den beiden im Blut: Ihr Vater ist Berufsmusiker bei den Wiener Philharmonikern und schon als Kinder musizierten sie gemeinsam, spielten klassische Musikinstrumente. Doch zuvor war Musik ein Nebenjob. Tynna studierte Psychologie, Abor Maschinenbau - bis zum ESC-Vorentscheid. Dann pausierten sie in der Uni und konzentrierten sich ganz auf die Musik.
Eine Kehlkopfentzündung im Frühling ließ Tynna zeitweise ausfallen und halb Deutschland um sie bangen. Aber sie selbst sagte, sie habe immer daran geglaubt, noch rechtzeitig gesund zu werden: "Ich bin immer zuversichtlich, weil Mindset spielt auch eine Rolle", sagte sie. "Wenn ich jetzt total verzweifelt hätte, dann ist es für den Körper auch schwieriger zu erholen."
Unterstützung von Stefan Raab
Die Geschwister aus Österreich setzten sich beim Vorentscheid für Deutschland durch - mit einem anderen Song. Den Song "Baller" wählten sie auf Vorschlag von Entertainer und ESC-Legende Stefan Raab, der im Zug mitfuhr und das Duo als Mentor begleitet. Raab schlug auch vor, dass sie beim Auftritt das Cello zerschlagen - eine Idee, die sie erst skeptisch gesehen, sich dann aber damit angefreundet haben.
Raab prägt seit den 1990er Jahren den deutschen ESC und hat Lena Meyer-Landrut zum Sieg geführt. Raab sagte, dass man nie wisse, wie es am entscheidenden Abend kommen werde. "Der größte Verhinderer von Erfolg ist immer die Niederlage," so Raab.
Auf jeden Fall im Finale
Deutschland ist als eines der "Big Five"-Länder automatisch für das ESC-Finale am Samstag kommender Woche qualifiziert. Neben Gastgeber Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien ist den großen Beitragszahlern der European Broadcasting Union ihre Teilnahme sicher.
Die Halbfinale finden am Dienstag und Donnerstag nächster Woche statt. Insgesamt treten 37 Länder an, die in der St. Jakobshalle in Basel auftreten werden. Moderiert wird der Wettbewerb von Hazel Brugger, Michelle Hunziker und Sandra Studer. Ob "Baller" am Ende die Jury und das Publikum überzeugt, bleibt abzuwarten. Die Eltern von Abor & Tynna fiebern auf jeden Fall in Basel mit.