Kosten für Kinderbetreuung

Kita-Gebühren zu hoch: Wenn sich Arbeiten für Eltern nicht mehr lohnt

In der Region Freiburg gibt es Ärger über stark steigende Kita-Gebühren. Betroffene Eltern stehen vor der Entscheidung: arbeiten gehen oder zu Hause bleiben? So auch Isabell Sacharek.

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Von Autor/in Charlotte Schönberger

In March im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald sehen sich Eltern mit stark steigenden Kita-Gebühren konfrontiert, so auch die zweifache Mutter Isabell Sacharek. Eigentlich wollte sie nach einem Jahr Kinderbetreuung wieder in ihren Beruf zurückkehren. Doch die Gemeinde March hat nun beschlossen, die Kita-Gebühren vom 1. September 2025 an jedes Jahr so stark zu erhöhen, dass Isabell Sacharek umplanen muss - es lohnt sich für sie schlichtweg nicht mehr, in Teilzeit arbeiten zu gehen.

Kita-Gebühren ab 2026 über 1.000 Euro für zwei Kinder

Der Beschluss des Marcher Gemeinderats von Ende Juli sieht unter anderem vor, dass Familien mit einem Kind in der Kita (unter drei Jahren, U3) und einem im Kindergarten (über drei Jahre, Ü3) statt 506 Euro vom 1. September an nun 627 Euro zahlen. Im kommenden Jahr sollen die Kosten auf 734 Euro steigen, 2030 zahlen Familien dann 906 Euro. Familien mit zwei Kleinkindern in U3-Betreuung trifft es noch härter: Schon im kommenden Jahr müssen sie monatlich rund 1.000 Euro aufbringen, 2030 sogar 1.240 Euro.

Egal wie wir es rechnen, es lohnt sich einfach nicht - wenn ich arbeiten gehe, kann ich das Geld in den Kindergarten stecken.

Für Isabell Sacharek ist das deprimierend. Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter hatte sie sich darauf gefreut, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Sie arbeitet gerne, mag das Gefühl dort gebraucht zu werden. Und sie wird gebraucht - sie gehört zu den Fachkräften, an denen es offiziell mangelt: Als Krankenschwester und studierte Sozialarbeiterin arbeitet sie am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen.

Ein Ehepaar sitzt am Tisch vor dem Computer
Isabell Sacharek und ihr Mann Benjamin müssen jetzt rechnen. Die hohen Gebühren für die Betreuung ihrer beiden Töchter sind für sie nicht zu stemmen.

Gemeinde March ist hoch verschuldet

Doch die Gemeinde sieht keinen Handlungsspielraum, denn sie ist massiv verschuldet. Selbst die Kommunalaufsicht genehmigt keine neuen Kredite mehr – die Pro-Kopf-Verschuldung sei zu hoch. Deswegen sieht der Marcher Bürgermeister Helmut Mursa keine andere Möglichkeit, als auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen. Die Schulsozialarbeit, die Bibliothek, das Jugendzentrum, all das solle erhalten bleiben. Er sei selbst Vater von fünf Kindern und verstehe den Unmut der Eltern, so der Bürgermeister. Doch für viele der Aufgaben, die die Kommune übernehmen soll, fehle schlicht das Geld.

Eine Sozialstaffelung lehnt die Gemeinde ab

Eine Staffelung nach Gehalt lehnt der Bürgermeister ab. Wer sehr wenig verdiene, müsse ohnehin keine Beiträge zahlen, das übernehmen Jobcenter oder Sozialamt, sagt Mursa. Für die anderen Familien lohne sich der bürokratische Aufwand nicht. Die Gemeinde komme den Familien schon mit der Geschwisterstaffelung entgegen. Familien mit mehr Kindern zahlen weniger. Doch selbst diese Entlastung soll bis 2029 schrittweise reduziert werden. Das ärgert Isabell Sacharek und andere Eltern.

Mir ist schon klar, dass die Finanzlage katastrophal ist, und wir haben auch mit Erhöhungen gerechnet. Die Frage ist nur, muss das so drastisch auf dem Rücken von Eltern gemacht werden.

Sandkasten mit Förmchen
Hohe Kita-Gebühren entlasten Gemeinden und belasten Eltern.

Bürgermeister rät Betroffenen, trotzdem arbeiten zu gehen

Helmut Mursa rät betroffenen Eltern, wie Isabell Sacharek, trotz des Nullsummenspiels arbeiten zu gehen. Es sei wichtig, dass Frauen nicht zu lange ihrem Beruf fernbleiben, auch für die Rentenpunkte sei das von Bedeutung. Das kommt für die 35-Jährige allerdings nicht infrage. Der Stress, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, sei sowieso schon enorm, sagt Isabell Sacharek.

Dann muss ich jeden Morgen zwei kleine Kindern pünktlich irgendwo stehen haben, fahre den ganzen Tag rum, dass ich davon nichts habe.

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"Kindergarten hat natürlich auch eine soziale Komponente", sagt Isabell Sacharek. Dass die Kinder die Chance bekämen, im Ort anzukommen und andere Kinder kennenzulernen, mit denen sie später in die Schule gehen." Auch die Folgen für Kinder dürfe die Politik bei der Diskussion um hohe Kita-Gebühren nicht vergessen.

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Autor/in
Charlotte Schönberger
Charlotte Schönberger, Redakteurin und Reporterin beim SWR

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