Die Deutsche Bahn hat ihren Fahrplan für die Elektrifizierung der Hochrheinbahn vorgestellt. In eineinhalb Jahren soll die 75 Kilometer lange Strecke, die den Bodensee mit Basel verbindet, elektrifiziert sein. Bis dahin müssen Schüler, Pendler und Reisende viel Geduld und deutlich mehr Zeit mitbringen: Die Bahnstrecke wird voll gesperrt. 13 Monate lang müssen Bahnkunden auf Schienenersatzbusse umsteigen.
Was wird an der Hochrheinbahn gemacht?
Es geht um einen Lückenschluss: Die Deutsche Bahn wird im September mit dem Ausbau und der Elektrifizierung der Hochrheinbahn beginnen. Auf einer Länge von 75 Kilometern zwischen Rheinfelden (Kreis Lörrach) im Westen und Erzingen (Kreis Waldshut) im Osten werden Oberleitungen verlegt. Zudem werden alle 17 Haltepunkte barrierefrei ausgebaut. Damit längere und modernere Züge halten können, müssen 36 Bahnsteige verlängert werden. In Rheinfelden-Warmbach, Bad Säckingen-Wallbach und Waldshut-West werden neue Haltepunkte gebaut. In Tiengen und Lauchringen werden Kreuzungsbahnhöfe entstehen und der Bahnhof Waldshut wird komplett umgebaut.
Warum wird die Hochrheinbahn elektrifiziert?
Da die Hochrheinbahn nicht elektrifiziert ist, sind derzeit auf den Gleisen noch alte störanfällige Dieseltriebwagen unterwegs. Diese fallen wegen technischer Defekte häufig aus. Sie sind zudem deutlich lauter und weniger umweltfreundlich als moderne Züge. Zudem sind Türen, Toiletten, Heizung und Klimaanlagen häufiger defekt. Die Hochrheinbahn ist deshalb regelmäßig Schlusslicht beim landesweiten Qualitätsranking.
Wie wird das Großprojekt bewältigt?
Im September beginnen die Arbeiten. Ende 2027 will die Bahn mit dem Ausbau fertig sein. Dann werde Reisen mit der Bahn für die Menschen am Hochrhein schneller, zuverlässiger und umweltfreundlicher, sagt Projektleiter Christian Lösch von der Deutschen Bahn. Er ist seit Jahren mit der Planung befasst und froh, dass es nun losgeht. Um die Bauarbeiten so schnell wie möglich fertig zu stellen, wird die Strecke voll gesperrt. Und das für die Dauer von 13 Monaten.
Wir haben hier den tollen Fall, dass die Region das Projekt befürwortet und wir überall Unterstützung bekommen.
Anders als bei anderen Projekten und Bauvorhaben der Bahn, hat der Planer am Hochrhein die Erfahrung gemacht, dass die Zustimmung in der Region groß ist. Er habe in den Kommunen und bei den Menschen vor Ort viel Unterstützung bekommen, so Lösch.
Was bedeutet die Sperrung der Gleise am Hochrhein für die Betroffenen?
Schüler, Pendler und Reisende müssen während April 2026 und Mai 2027 auf Busse umsteigen. Pro Stunde soll es zwei Express-Busverbindungen zwischen Rheinfelden und Erzingen geben. Diese haben Fahrzeiten zwischen 60 und 90 Minuten. Damit wird sich die Fahrzeit im Vergleich zum Zug fast verdoppeln. Auch im Regionalverkehr verlängern sich die Fahrzeiten im Schienenersatzverkehr. Neue Haltestellen kommen dazu. Wenn morgens im Schülerverkehr bis zu vier Gelenkbusse gleichzeitig die improvisierten Haltestellen anfahren müssen, könne das schon mal eng werden, so Sven Frick von DB Regio.
Lieber einmal voll sperren und dann richtig als zehn Jahre lang dran rumbasteln.
Bei einer Infoveranstaltung der Bahn in Waldshut-Tiengen zeigte ein Großteil der Menschen Verständnis für die Vollsperrung. Es sei besser einmal in einer Aktion alles zu machen als über zehn Jahre oder mehr immer wieder Teilabschnitte zu sperren, so ein Pendler in der Umfrage des SWR. Ein zweiter Pendler meinte, dass es im Vergleich zum jetzigen Zustand ohnehin nur besser werden könne. Zweifel gibt es allerdings an dem Konzept der Schienenersatzbusse, weil die Bundesstraßen am Hochrhein schon jetzt verstopft sind und die Haltestellen in den Zentren für zusätzliche Busse nicht ausgelegt sind.
Was bringen Ausbau- und Elektrifizierung der Hochrheinbahn?
Die Hochrheinbahn verbindet das Rheinknie bei Basel (Schweiz) mit dem Rheinfall bei Schaffhausen (Schweiz) und geht dann weiter in Richtung Bodensee. Auch die Schweiz beteiligt sich mit 50 Millionen Euro an den Gesamtkosten in Höhe von 450 Millionen Euro. Die Schweizerischen Bundesbahnen werden die Hochrheinbahn in ihre S-Bahn-Netze von Basel und Zürich einbinden und schon fest geplant ist eine Hochrhein-Bodensee-Expresslinie von Basel über Singen und Konstanz nach St. Gallen.
Weitere Informationsveranstaltungen sind in Rheinfelden und Bad Säckingen geplant.