Engagement für den Artenschutz

"Batman" aus dem Ortenaukreis: Dieser Pensionär kümmert sich um bis zu 400 Fledermäuse

Edmund Hensle ist 80 Jahre alt - und "Fledermaus-Vater". Regelmäßig sieht er nach den Tieren, die in einem alten Heizkeller hausen. Dafür hat er das Bundesverdienstkreuz bekommen.

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Von Autor/in Ulf Seefeldt

Seit 40 Jahren kümmert sich der pensionierte Gymnasiallehrer Edmund Hensle um das Große Mausohr und andere Fledermausarten. Er beobachtet sie, betreut sie, verfolgt alles, was die Tiere so machen. Im Mittelpunkt steht dabei die sogenannte "Wochenstube" in Ettenheim (Ortenaukreis). Das ist der alte Heizkeller eines früheren Unternehmens, das es schon lange nicht mehr gibt. Nur der Heizkeller ist geblieben.

Dort leben von Frühjahr bis Herbst tagsüber 300 bis 400 Fledermäuse. Nachts, wenn die Dunkelheit einbricht, schwärmen sie aus und gehen auf die Jagd nach Insekten. Stundenlang kann der "Fledermaus-Vater" von den Tieren erzählen. Er selbst bezeichnet sich als Nachteule.

Fledermaus-"Wochenstube": Stockdunkel, heiß und es stinkt

Es ist mehr als 30 Grad Celsius warm, es stinkt und es ist stockdunkel. Im Gang zur "Wochenstube" kann sich Edmund Hensle nur gebückt fortbewegen - er ist nur ungefähr 1,20 Meter hoch. In seiner Hand hält er eine Taschenlampe mit rotem Licht, denn das können die Tiere nicht erkennen. Sie sehen nur schwarz und weiß. Trotzdem werden sie aufgeschreckt durch den Besuch des "Fledermaus-Vaters". Einige fliegen umher, streifen den Kopf und Oberkörper von Hensle.

Ein Blick in die dunkle "Wochenstube" für die Fledermäuse in einem alten Heizkeller in Ettenheim.
Ein Blick in die dunkle "Wochenstube" für die Fledermäuse in einem alten Heizkeller in Ettenheim.

Für den "Batman" aus Baden-Württemberg ein Beitrag zum Artenschutz

Die meisten der Fledermäuse der Art Großes Mausohr hängen allerdings in kleinen Pulks an der Decke. Es sind alles Weibchen. Der 80-Jährige ist in seinem Element. Das große Mausohr ist mit gut 40 Zentimetern Flügelspannweite die größte Fledermaus der rund 25 Arten in Deutschland. Doch die Tiere sind bedroht, denn ihre Lebensräume und Nahrungsquellen schrumpfen.

Die "Wochenstube" ist Edmund Hensles Beitrag zum Artenschutz. Er erzählt, wie die Tiere sich paaren, und dass die Jungen Ende Juli Anfang August zum ersten Mal mit ausfliegen. "Im September oder Oktober ist dann die Balz. Dann hängen die Männchen irgendwo herum und schreien laut und locken die Weibchen an", so der 80-Jährige. Die Weibchen holten sich dann den männlichen Samen und flögen in ihre Winterquartiere. Die können auch mal 100 bis 150 Kilometer entfernt sein, zum Beispiel im Schwarzwald.

Fledermäuse fliegen bis an den Kaiserstuhl oder ins Elsass

Hensle ist fasziniert von den Tieren. Er hat viel gelesen über die Fledermäuse, vor allem hat er sie aber viel beobachtet. In der Vergangenheit wurden die Tiere in Ettenheim schon einmal mit Sendern ausgestattet, um zu sehen, wie weit sie nachts fliegen. Das Ergebnis war erstaunlich. "Viele Fledermäuse sind zu einem Klärwerk bei Forchheim am Kaiserstuhl geflogen", berichtet Hensle. Andere waren sogar im Elsass unterwegs.

Damit die Tiere im Morgengrauen wieder zurückfinden in die Ettenheimer "Wochenstube", hat Edmund Hensle Lichtschranken installiert, die den Weg weisen. Akkus und Batterien dazu liegen in einer Holzhütte nebenan. Ans Aufhören denkt der 80-Jährige noch lange nicht. Er ist fit und will weiterhin für die Tiere da sein. Vergangenes Jahr hat er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Tagsüber hängen die Fledermäuse in kleinen Pulks an der Decke in der Ettenheimer "Wochenstube":

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