Viele Narrenzünfte in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind reine Männersache. Ins Häs zu schlüpfen, bleibt meist den Männern vorbehalten - und Frauen? Die dürfen oft nur zugucken. In Neuenburg am Rhein (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) haben die Frauen irgendwann beschlossen, den Spieß umzudrehen: Sie feiern ihre eigene Fasnacht - exklusiv unter Frauen. Und das kommt an. Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Neuenburger Frauenfasnacht eine feste Institution. Die Karten dafür sind schnell vergriffen - so auch in diesem Jahr.
Männer nicht erwünscht: "Zurück in die 80er" ist diesmal Motto der Frauenfasnacht
Knallpinke Leggings, blonde Dauerwellen-Mähnen, hautenge Gymnastik-Bodies - willkommen in den bunten 80ern, das Motto der diesjährigen Frauenfasnacht. Was dabei nicht fehlen darf? Eine kleine Aerobic-Einheit. Bevor die Party startet, geht es in den Ausfallschritt nach vorne und zur Seite: Die müden Knochen wollen gelockert werden. Mehrere Generationen von Frauen klatschen im Takt, angeführt von drei Freundinnen, die den Mädelsabend organisiert haben. Eine von ihnen ist Sybille Scheidt-Hollenweger. Sie sagt: "Die machen natürlich so gut mit, wie sie können - einfach mittendrin. Das macht Spaß."
Sportlich war auch die Organisation der großen Party. Erst vor sechs Wochen kam die Zusage für den Veranstaltungsort. Viel Zeit blieb also nicht. Die drei Freundinnen Petra Bromberger, Beate Berger und Sybille Scheidt-Hollenweger stemmten dennoch das komplette Programm.
Da trifft man sich zwei, drei Mal, dann hat man so viele tolle Mädels, wo einfach mordsviele Ideen haben und dann passt das.
Witze auf Kosten der männlichen Spezies: Gute Stimmung bei besonderer Party
Hinter der Frauenfasnacht in Neuenburg steckt der Verein "Frauen-Freizeit-Pur". Der Name scheint Programm zu sein. Die drei Organisatorinnen und ihre Helferinnen sorgen im Gasthaus "Krone" drei Stunden lang für ausgelassene Stimmung: mit Musik, Kabarett und vielen Outfitwechseln. Dabei bekommen Männer immer wieder ihr Fett weg.
Zum Beispiel, wenn Beate Berger in die Rolle von "Dr. Sommer" schlüpft, bekannt aus dem Jugendmagazin "Bravo", und augenzwinkernd Tipps rund ums Liebesleben verteilt. Im weißen Kittel, mit roter Perücke und rotem Stethoskop erzählt Berger: "Dann habe ich ihn geküsst. Dabei legte er mir seine Hand auf die Schenkel und fasste mir zwischen die Beine. Also griff auch ich zwischen die Beine und spürte dort einen flaschenähnlichen Gegenstand. Ist mein Freund Alkoholiker?" Lautes Lachen und Kichern im Saal. Und auch "Frau Dr. Sommer" freut sich: "Man sieht ja, es kommt an, das Publikum will das. Und einfach die Leute unterhalten auf dem Land, das macht unheimlich Spaß", sagt Berger.
Frauenfasnacht in Neuenburg seit 1968
Im Publikum amüsiert sich auch Emmi Orth. Sie trägt eine blaue Paillettenbluse - und ist mit ihren 99 Jahren eine lokale Berühmtheit. Ohne sie gäbe es die Frauenfasnacht in Neuenburg nicht. 1968 hat Orth die Feier ausschließlich für Frauen mit ins Leben gerufen. Der dazugehörige Verein segelte damals aber noch anderer Flagge.
Wir sind unter dem Namen 'Katholische Frauengemeinschaft' gestartet, aber mit der Zeit wollten die das nicht mehr und dann haben wir das umbenannt auf 'Frauen-Freizeit-Pur'.
Närrinnen einig: "Viel besser ohne Männer"
In diesem Jahr wird in Neuenburg zum 52. Mal Frauenfasnacht gefeiert. Die 116 Karten für den närrischen Mädelsabend waren innerhalb weniger Minuten vergriffen. Und das Publikum ist begeistert: "Viel besser ohne Männer", sagt eine Besucherin. Eine andere findet: "Es ist eine ganz andere Atmosphäre - viel lockerer."
Ganz ausgeschlossen sind die Männer dann doch nicht. Der Verein lädt auch zu einem gemischten Abend ein - ebenfalls ausverkauft. Sybille Scheidt-Hollenweger meint schmunzelnd: "Da ist die Stimmung nicht ganz so locker, will ich mal meinen. Aber die kriegen wir auch wieder flott". Wem sollte das besser gelingen als dem Verein "Frauen-Freizeit-Pur"?!