Die Geschichte, die Berthold Buschmann erzählt, ist haarsträubend. Selbst seine Freunde konnten sie erst nicht glauben, als er ihnen davon erzählte. Im November vergangenen Jahres erhielt der Rentner aus Freiburg einen Brief von seinem Energieversorger mit einer horrenden Stromrechnung: über 18.000 Euro Nachzahlung. Offenbar ist er Opfer einer Manipulation am Stromzähler geworden.
Kann ein einziger Haushalt überhaupt so viel Strom verbrauchen?
Seit 35 Jahren wohnt Berthold Buschmann mit seiner Familie in einem alten Mietshaus im Freiburger Viertel Stühlinger. Aber was die Familie im vergangenen November in ihrer Stromrechnung lesen musste, das war für sie ein Schock: 18.455 Euro sollten sie nachzahlen. "Da habe ich erstmal einen kleinen Schweißausbruch bekommen", erinnert sich Buschmann.
Aber er war schon vorgewarnt. Sein Stromversorger badenova selbst hatte schon bemerkt: Das könne nicht sein, dass jemand so viel Strom verbraucht, und ihn telefonisch gebeten den Zählerstand im Keller des Mehrfamilienhauses zu prüfen. Dort entdeckte der Rentner ein zusätzliches Kabel, das vom Heizungsraum bis zu seinem Zählerkasten gelegt worden war. Auf Videos und Fotos dokumentierte er den Weg des Kabels.
Ein Kabel verbindet den Zählerkasten mit einer mobilen Heizungsanlage
Buschmann erzählt, dass die zentrale Gasheizung monatelang kaputt gewesen sei. Die Hausverwaltungsfirma Tetik habe in dieser Zeit ein mobiles Notgerät in den Keller gestellt, das für warmes Wasser im Haus gesorgt habe. Und genau mit dieser mobilen Heizungsanlage sei sein Zählerkasten mit Kabeln verbunden gewesen, so Buschmann. Die Bilder und Videos, die er gemacht hat, sollen das belegen. Und auch, dass diese Kabel professionell angeschlossen wurden.
Der naheliegende Verdacht: Nur diese mobile Heizungsanlage fürs ganze Haus kann seinen Stromverbrauch erklären. Buschmann kontaktierte den Mieterschutzbund. Dieser wiederum die Firma Tetik. "Wir wollten wissen, was das Kabel da soll", erzählt Buschmann. Wenige Tage später sei das Kabel dann verschwunden gewesen.
Weder Hausverwaltung noch Stromversorger können die Manipulation erklären
Die Hausverwaltungsfirma Tetik aus Waldkirch (Kreis Emmendingen) kann sich die Manipulation nicht erklären. Sie sieht sich für den offensichtlich falsch abgerechneten Strom nicht in der Verantwortung. Genauso wenig tut das der Stromversorger badenova und teilt dem SWR in einer Stellungnahme mit: "Ob eine mögliche Manipulation vorlag, können wir anhand unseres Kenntnisstandes nicht beurteilen." Außerdem bestand die badenova auf die Bezahlung der Rechnung. Zwar erklärt der Energieversorger, dass ein einzelner Haushalt so viel Strom gar nicht verbrauchen könne. Doch der Zähler im Keller habe ordnungsgemäß funktioniert, deshalb musste die Familie Buschmann zahlen.
Berthold Buschmann will sich wehren
Aktuelle Bilder zeigen, dass das Starkstromkabel und der Anschluss an den privaten Zähler wieder entfernt wurden. Vom wem, auch das ist bislang unklar.
Ich finde, das ist kriminell. Das ist es, was mich sehr, sehr ärgert. Da muss man was gegen machen.
Aber es ist noch nicht das Ende der Geschichte. Der Mieterverein hat Berthold Buschmann geraten, eine Zivilklage einzureichen. Er sucht jetzt nach einem Rechtsanwalt. Denn er will sein Geld zurück: 18.455 Euro.