JobRad will Stellen streichen. Das bestätigte das Unternehmen auf SWR-Anfrage, verriet aber nicht wie viele. Das Unternehmen bestätigte aber, dass es bereits Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen hat. Das könnte ein Hinweis sein, dass es um Dutzende Stellen geht. Unklar blieb auch, in welchen Bereichen Stellen wegfallen sollen. JobRad mit Sitz in Freiburg ist in Deutschland Marktführer im Dienstradleasing und beschäftigt zurzeit rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unternehmen ist Hauptsponsor des SC Freiburg.
JobRad reagiert auf Fahrrad-Krise
Die Fahrradbranche kämpft schon seit vergangenem Jahr mit Umsatzrückgängen. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sank der Gesamtumsatz aus Fahrrad- und E-Bike-Verkäufen 2024 um 10,3 Prozent auf 6,33 Milliarden Euro. Der Grund: nachlassende Nachfrage, Preisrückgänge und die Nachwehen überfüllter Lager.
Die Herausforderungen spürt nun auch JobRad. "Nach Jahren des Booms erlebt die Fahrradbranche derzeit eine Phase der Konsolidierung", erklärt Geschäftsführer Florian Baur dem SWR. Bis 2023 ging es bei JobRad mit Wachstumsraten von 20 Prozent und mehr stark aufwärts. "Mit einer Abschwächung haben wir 2024 gerechnet", so Baur. Seither stagniere das Wachstum allerdings anhaltend. Die Hoffnungen auf ein erneut wachstumsstarkes Jahr 2025 haben sich nicht erfüllt. Das mache es nun erforderlich, neben vielen anderen Maßnahmen auch Änderungen in der Personalstruktur umzusetzen. "Unser Geschäftsmodell ist robust und zukunftsfähig, aber wir müssen Prozesse stärker automatisieren, Abläufe überprüfen und uns fokussierter ausrichten", so Baur weiter.
Betriebsrat will Kündigungen verhindern
Der Betriebsrat teilte am Mittwoch mit, dass ihm noch keine Einzelheiten zum geplanten Personalabbau vorliegen. Man werde mit dem Arbeitgeber die Umstrukturierung ausarbeiten. Dabei betonte die Betriebsratsvorsitzende Helena Heitzer, dass der Betriebsrat Kündigungen möglichst verhindern will.
Dienstradleasing bleibt stabil - trotz Herausforderungen
Das Dienstradleasing hat vom Fahrradboom enorm profitiert. Die Umsätze stiegen um mehr als das Vierfache von 0,7 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2024. Nach einer Studie von Deloitte haben Dienstradleasing-Anbieter im vergangenen Jahr ihre Beschäftigtenzahl um 16 Prozent erhöht. Obwohl das Segment damit die Fahrradwirtschaft relativ stabil gehalten hat, ist auch hier der Gesamtumsatz der Dienstradleasing-Branche 2024 um zwei Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gesunken.
Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigt sich JobRad zuversichtlich. "Ich bin überzeugt, dass wir JobRad durch diese Zeit führen und zugleich die nächste Phase nachhaltigen Wachstums einleiten können", so Florian Baur. Demnächst soll das zweimillionste über JobRad geleaste Fahrrad in Deutschland auf der Straße sein. Dem Handelsblatt sagte JobRad-Gründer Ulrich Prediger im Sommer, man plane auch die Expansion in Europa. Auch Übernahmen von Konkurrenten stünden im Raum, um den Wettbewerbsvorteil zu sichern.