Nach 55 Jahren ist Schluss: Günter Bühler und seine Frau Sonya Mentzen-Bühler verkaufen dieses Jahr zum letzten Mal Weihnachtsbäume auf dem Bühlerhof in Schwörstadt (Kreis Lörrach). Sie wollen aus Altersgründen aufhören, einen Nachfolger für den Hof haben die beiden noch nicht gefunden. Damit sie das Gelände während der Rente trotzdem behalten können, haben die Bühlers eine kreative Lösung gefunden. Statt Weihnachtsbäumen stehen auf ihren Feldern bald jede Menge Solaranlagen.
Weihnachten ohne den Bühlerhof? Undenkbar!
Der Hof der Bühlers liegt eigentlich mitten im Nirgendwo. Von der Hauptstraße kommend muss man einige Minuten über Waldwege fahren, um zu dem Gelände zu kommen. Trotzdem kommen jedes Jahr Dutzende Menschen hierher. Viele verweilen, trinken Glühwein am Lagerfeuer oder essen etwas im schnuckelig-warmen Kaminzimmer. Die Bühlers scheinen fast jeden zu kennen, sie umarmen immer wieder Besucher. Klar scheint: Hier geht es um mehr als nur Weihnachtsbäume kaufen.
Vielen Besuchern werden die Weihnachtsbäume vom Bühlerhof fehlen. Einige von ihnen kommen seit Jahrzehnten zur Weihnachtszeit.
Solarpark statt Weihnachtsbaum-Feld
Ihren Ruhestand planen Günter Bühler und Sonya Mentzen-Bühler schon seit geraumer Zeit. Trotzdem haben sie noch keinen Nachfolger für ihren Hof gefunden. Nur von ihrer Rente oder ihrem Einkommen könnten sie den Hof auf Dauer nicht halten, sagen sie. Eine Lösung musste her.
Die fand Günter Bühler schließlich über seinen Hauptjob. Er arbeitet für das Unternehmen "naturenergie", das Ökostrom in Südbaden und der Schweiz produziert und vertreibt. Die Firma zeigte Interesse am Weihnachtsbaum-Feld des Bühlerhofs. "Wir sind hier exponiert, in einer etwas höhrern Lage, und die Sonne kann die Solaranlagen sehr gut erreichen. Auch die Flächengröße von vier Hektar ist attraktiv", sagt Lilian Yoo von der Unternehmenskommunikation.
Das Unternehmen entschied sich, die Fläche von den Bühlers zu pachten und darauf einen Solarpark zu bauen.
Ökologische Ausgleichsmaßnahmen geplant
Trotz der Bebauung solle das Feld seinen landwirtschaftlichen Nutzen nicht komplett verlieren, sagt Günter Bühler. Es sei geplant, dass Schafe die Wiese unter den Solarpanelen beweiden. Außerdem wolle man Ausgleichsmaßnahmen durchführen, um das Ökosystem durch den Solarpark nicht zu belasten. So soll es beispielsweise Sandbänke für Amphibien oder Obstbäume und Büsche für Vögel geben.
Solarpark lohnt sich mehr als landwirtschaftliche Nutzung
Das Geschäft mit den Solaranlagen lohnt sich für die Bühlers finanziell. Bei landwirtschaftlicher Nutzung würden die Felder circa 400 bis 600 Euro Pacht im Jahr einbringen, sagt Günter Bühler. Mit dem Solarpark seien es bis zu 4.000 Euro im Jahr. Die Anlage wird mehr als 2.000 Haushalte mit Strom versorgen können - mehr als die gesamte Gemeinde Schwörstadt.
Für die Bühlers ein Glücksfall: Sie können ihren Hof auch in der Rente behalten und in den nächsten Jahren vielleicht doch noch einen Nachfolger finden.