Starke Regenfälle können in kürzester Zeit Straßen unter Wasser setzen und Keller fluten. Damit die Einwohnerinnen und Einwohner Freiburgs sich besser auf die Folgen einrichten können und entsprechende Vorkehrungen treffen, veröffentlicht die Stadt Freiburg eine Gefahrenkarte. Sie soll zeigen, wo Starkregen besonders problematisch sein könnte. Und wo schon kleine Baumaßnahmen mehr Sicherheit schaffen. Ab Mittwoch soll die Karte beispielsweise sichtbar machen, wo sich im Falle eines Starkregens Wasser staut und in welche Richtung es abfließt.
Stadt Freiburg: Kaum Vorwarnzeit für Starkregen
Extreme Regenfälle kommen oft nur in begrenzten Gebieten vor. "Das sind in der Regel relativ kleine Gewitterzellen", erklärt Leonie Knoll vom Sachgebiet Siedlungs- und Wasserwirtschaft der Stadt Freiburg. "Das heißt, es gibt auch kaum Vorwarnzeit." In der Praxis bedeutet das, dass ein Stadtteil komplett trocken sein kann, während sich an anderen Stellen der Stadt schon das Regenwasser aufstaut.
Starkregen kann jeden treffen und überall auftreten.
Umso wichtiger sei es, auf extremes Wetter vorbereitet zu sein. Die Starkregengefahrenkarte soll dafür nötige Informationen liefern. Rund ein Jahr lang haben Fachleute an der Karte gearbeitet. Dafür habe man ganz Freiburg in einem engen Raster vermessen, beschreibt Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamtes. Ausgangspunkt für das Projekt war ein Leitfaden des Landes Baden-Württemberg.
Nächster Schritt: Risikoanalyse
Ab Mittwoch soll die Starkregenkarte auf der Webseite der Stadt Freiburg abrufbar sein. Dann sind Bürgerinnen und Bürger gefragt, nachzusehen: Welche Risiken gibt es womöglich für mich? Auch Versicherungen und Behörden können und sollen die Daten nutzen. So soll ab sofort auch überprüft werden, wo beispielsweise höhere Bordsteine nötig sind oder Gebäude nachgebessert werden müssen. Für interessierte Bürgerinnen und Bürger organisiert das Garten- und Tiefbauamt ab Ende Juni auch Informationsabende.
Kanäle sind für Starkregen zu klein
Im Normalfall läuft bei Regen das Wasser über das Kanalsystem ab. Rund 24.000 Gullis gibt es dafür in Freiburg. Für die Gefahrenkarte sind diese aber nicht mit einbezogen worden. Denn: Die Kanäle sind auf fünfjährige Regenereignisse ausgelegt. Soll heißen, auf Regenmengen, die statistisch nur alle fünf Jahre auftreten. Die Starkregen-Szenarien beziehen sich aber auf deutlich seltenere Vorfälle - zum Beispiel einmal alle 30 oder 100 Jahre. In solchen Fällen sind die Kanäle schnell überlastet.
Die Stadt Freiburg und umliegende Kommunen haben in den vergangenen Jahren auch Rückhaltebecken gebaut. Diese würden bei Starkregen aber nur bedingt helfen, so Uekermann: "Wir hatten vor zwei Jahren den Fall, dass ein neu gebautes Becken vollgelaufen ist, das auf ein 100-jähriges Ereignis ausgelegt war. Das hat dann den Bereich geschützt. Dann kann es aber sein, dass das 100 Meter weiter nichts mehr hilft, weil dort lokal zu viel Wasser runterkommt."
Ab Mittwoch soll die Gefahrenkarte nach aktuelle Plänen der Stadt online gehen. In einigen anderen Kommunen in Baden-Württemberg gibt es solche Karten bereits, beispielsweise in der Gemeinde Hohberg (Ortenaukreis).