Bundesweiter "Tag des Wolfes"

Wie läuft das Zusammenleben mit dem Wolf im Schwarzwald?

Der Wolf ist in Teilen Mitteleuropas inzwischen wieder heimisch, in Südbaden gibt es bisher nur wenige von ihnen. Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Mensch und Raubtier?

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Von Autor/in Henning Winter , Peter Steffe

Am Mittwoch ist bundesweit "Tag des Wolfes". In weiten Teilen Mitteleuropas ist das Raubtier, seitdem er nahezu ausgerottet war, inzwischen wieder heimisch geworden. Im Nord- und Südschwarzwald gibt es dagegen nach Angaben der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) und dem Landesumweltministerium derzeit nur drei Wölfe, die hier dauerhaft ihre Reviere haben. Die einen sind fasziniert und begeistert von dem Tier, andere fürchten es. Vor allem in der Landwirtschaft hält sich jedoch die Begeisterung für den Wolf bei vielen in Grenzen.

Richtlinie schützte Wolf vor dem Aussterben

Der Schutz der Wölfe über eine EU-Habitat-Richtlinie hat es möglich gemacht, dass sich die Art in den letzten Jahrzehnten vom fast vollständigen Aussterben erholen konnte. In einigen EU-Ländern wird inzwischen wieder eine große Anzahl Wölfe registriert. In Deutschland sind beispielsweise in Niedersachsen und Brandenburg wieder ganze Rudel heimisch geworden.

Noch bis April 2024 gab es im Bereich Schluchsee (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ein kleines Rudel, bestehend aus einem Wolfspaar mit ihrem Jungen. Die zu dem Zeitpunkt trächtige Fähe wurde jedoch beim Überqueren einer Straße in der Nähe von Lenzkirch (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) von einem Auto erfasst, ebenso das Jungtier in der Nähe des Schluchsees (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).

Erst Wolfsschutz, jetzt Schutz der Landwirtschaft

Nachdem es in den vergangenen Jahren Fälle von nachweislich durch Wölfe gerissene Schafe und andere Nutztiere gegeben hat, sind viele Landwirte in Südbaden besorgt. In einem Brandbrief an die Stuttgarter Landesregierung hatten 35 Bürgermeister unter anderem aus den Landkreisen Lörrach, Waldshut und Breisgau-Hochschwarzwald gefordert, dass Wölfe nach einem Angriff auf ein Nutztier zum Abschuss freigegeben werden sollen.

Mit zunehmenden Wolfsrissen fürchteten viele Landwirte auch um ihre Existenz, da der Schutz von Weidetieren teuer ist. Ausgeklügelte Schutzzäune, eventuell sogar Schutzhunde - zusätzliche Kostenfaktoren für landwirtschaftliche Betriebe, die von der Nutztierhaltung leben. Aus diesem Grund bietet das Land Baden-Württemberg eine Förderung für Herdenschutzmaßnahmen in ausgewiesenen Fördergebieten im Schwarzwald und im Odenwald an. Neben der Förderungen von Schutzzäunen für Weidetier wie Rinder, Ziegen oder Schafe erhalten die Landwirte in diesen Gebieten auch Ausgleichszahlungen für Nutztiere, Tierarztkosten und andere, durch einen Wolfsangriff entstandene Kosten.

Individueller Herdenschutz nötig

Rebecca Müller und Simon Zimmermann vom Herdenschutzprojekt Südschwarzwald beraten Nutztierhalter, deren Höfe im Gebiet des Naturparks Südschwarzwald liegen. Herdenschutz im Auftrag des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), des Naturparks und der Vereinigung Bioweiderinder. Der Hof, um den die beiden sich gerade kümmern, gehört Landwirt Valentin Sonner aus St. Ulrich im Münstertal (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).

Eine Blaupause im Herdenschutz gibt es nicht. Jeder Hof ist anders, da braucht es speziell zugeschnittene Herdenschutzmaßnahmen.

Schutz für Bioweiderinder - teuer und zeitintensiv

Sonner betreibt auf seinem Hof im Müstertal eine sogenannte Bioweiderinderhaltung. Sobald das Wetter gut und das Gras grün ist, müssen die Rinder auf die Weide. Sonners 150 Tiere stehen dann auf fünf verschiedenen Weiden, die sich in Steillagen befinden. Ein Teil der Weiden ist mit sogenannten wolfsabweisenden Zäunen gesichert, die unter Strom stehen. Damit der Stromfluss im untersten Draht des Zaunes nicht unterbrochen wird, muss das Gras ständig kontrolliert und eventuell nachgemäht werden. Bei fünf verschiedenen Weiden ein enormer Zeit- und Kostenaufwand.

Biorinder auf einer Weide im Münstertal, die sich in steileren Lagen befindet.
Landwirt Valentin Sonner aus St. Ulrich im Münstertal hat im Sommer seine Kühle teils auf Weiden stehen, die in Steillagen liegen.

Die Sonners betreiben auch die sogenannte Mutterkuhhaltung - eine Rinderhaltungsform, bei der die Kälber zwischen sechs und elf Monaten bei der Mutter bleiben. Für junge Kälber oder Kälber, die auf der Weide zur Welt kommen, stellt der Wolf eine ganz besondere Gefahr dar. Daher überlegt Sonner jetzt auch für sie einen wolfsabweisenden Zaun zu errichten, der unter Strom steht. Möglicherweise will er sich zusätzlich auch einen Herdenschutzhund anschaffen.

Landwirte befassen sich mit Herdenschutz

Grundsätzlich würden sich viele Nutztierhalter mittlerweile mit dem Thema Herdenschutz beschäftigen, so Müller und Zimmermann. Die anfängliche Aufregung hat sich ein wenig gelegt. Das liege auch daran, dass es seit gut einem Jahr keinen Riss mehr durch einen Wolf in Südbaden gegeben hat. Aber das könne sich auch schnell wieder ändern, so Zimmermann. Es brauche Zeit, damit sich die einzelnen Höfe mit ihren besonderen Gegebenheiten auf die mögliche Ankunft eines Wolfes einstellen könnten. 

Landwirt spricht sich gegen Ausrottung des Wolfes aus

Niemand wolle eine erneute Ausrottung des Wolfes, betont Landwirt Valentin Sonner. Die EU-Kommission hatte im März 2025 vorgeschlagen, den Schutzstatus des Wolfes abzusenken. Aber es brauche einen pragmatischeren Umgang mit dem Tier. Ein Abschuss müsse schneller möglich sein ohne große bürokratische Hürden, betont der Landwirt gegenüber dem SWR. Das Tier müsse lernen, das die Nähe des Menschen Gefahr bedeute. Außerdem dürfe die Anzahl an Wölfen in einem Gebiet nicht zu hoch sein. Dann könne es auch klappen mit dem Nebeneinander von Mensch und Wolf im Schwarzwald.  

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