Schweinefleisch aus besonderer Haltung

Tierliebe und Fleischproduktion - für diese Schweinezüchterin aus Oberkirch passt das zusammen

An den Schwarzwaldhängen bei Oberkirch hält Judith Wohlfahrt 130 Schweine. In Sachen Tierwohl ist die Haltung vorbildlich und sie hilft, die Kulturlandschaft zu erhalten.

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Von Autor/in Christine Veenstra

Das Gourmet-Portal Gault Millau hat sie 2023 zur "Produzentin des Jahres" gekürt. Diesen Sommer hat sie der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord als Naturpark-Partnerin ausgezeichnet: Im Hesselbachtal bei Oberkirch (Ortenaukreis) hält Judith Wohlfahrt etwa 130 Schweine auf Streuobstwiesen am Waldrand. Sie will zeigen, dass Fleischproduktion und artgerechte Haltung kein Widerspruch sein müssen.

Ihre roten, schwarzen und gefleckten Schweine sind vor allem Mischlinge der Rassen Berkshire und Tamworth. Das sind alte britische Rassen, die Judith Wohlfahrt für ihre Zucht ausgesucht hat, weil sie als besonders robust gelten und an den teils steilen Hängen des Schwarzwalds besser zurechtkommen als andere Rassen.

Bäume als Futter- und Schattenspender

Alle leben draußen und fressen neben Getreide das, was sie hier finden. Wenn die Tiere hier auf Nahrungssuche gehen, fressen und wühlen, helfen sie zugleich auch beim Erhalt der Kulturlandschaft.

"Hier auf dieser Weide haben wir außerdem verschiedene Obstbäume gepflanzt - Walnüsse, Äpfel, Birnen", sagt Judith Wohlfahrt. Die Bäume werfen Futter ab für die Schweine, spenden im Sommer aber auch Schatten. "Und was halt für die Schweine ganz wichtig ist, das ist, dass sie auch Suhlen haben."

Judith Wohlfahrt steht vo eine Wiese mit Schweinen. Die Tiere sind rostrot, schwarz oder gefleckt.
Judith Wohlfahrt hält bei Oberkirch im Schwarzwald Schweine der alten Rassen Berkshire und Tamworth.

Die jungen Eber sind laut Wohlfahrt etwa acht Monate alt und wiegen 70 bis 80 kg. Sie sind damit deutlich leichter als konventionelle Mastschweine. Mindestens 20 Kilo mehr würde ein gleichaltriges Tier in konventioneller Haltung auf die Waage bringen, sagt die Landwirtin. Trotzdem kommen ihre Eber demnächst zum Schlachter. Das ist praktischerweise Wohlfahrts Mann.

Geschlachtet wird direkt auf dem Hof

Bis es so weit ist, leben die Tiere ihr Schweineleben unter freiem Himmel, nah dran an ihren wilden Artgenossen, den Wildschweinen. Das Ende ist dann Metzgerhandwerk, wie bei konventionell gehaltenen Schweinen auch. Nur, dass diese Schweine theoretisch zu Fuß ins Schlachthaus gehen können.

Direkt auf dem Hof hat Judith Wohlfahrt dafür einen Schlachtraum eingerichtet. Die Schlachtung macht ihr Mann, der Metzger ist. Judith Wohlfahrt zeigt immer mal wieder interessierten Kundinnen und Kunden, wo geschlachtet wird und erklärt, wie alles abläuft.

Tierliebe und Fleischproduktion - ein Widerspruch?

"Es kommt immer nur ein Tier von draußen in den Schlachtraum", sagt Wohlfahrt. Und das ist auch schon der entscheidende Unterschied zur konventionellen Massenschlachtung. Der Rest läuft ganz ähnlich ab: Mit einer Elektrozange werden die Tiere betäubt. Dann werden sie an einem Fuß aufgehängt und "gestochen", damit das Blut aus den Körpern läuft. "Der Tod im Schlachthof, der tritt immer durch Blutverlust ein", erklärt Wohlfahrt.

Das Fleisch der am Hof geschlachteten Schwarzwaldschweine verkauft sich gut - auch wenn es deutlich teurer ist als herkömmliches Schweinefleisch. Das Modell ist wirtschaftlich tragfähig. Wohlfahrt kann von der Fleischproduktion gut leben. Geld ist für die studierte Agrarwissenschaftlerin bei alldem aber nicht das Einzige, was zählt.

Mehrere gefleckt, rostrote und schwarze Schweine laufen über eine aufgewühlte Grasfläche. Hinter ihnen beginnt der Wald.
Die alten britischen Schweinerassen auf dem Hofgut Silva kommen an den Hängen des Hesselbachtals gut zurecht.

Natürlicher Tod oder Verwertung

"Ich bin absolut tierlieb. Also ich mag Tiere, ja. Das hört sich jetzt vielleicht blöd an, weil wir die dann schlachten. Aber ich find' es einfach schön, wenn man da auf die Weide kommt und die Tiere kommen und man hat einen guten Draht zu denen."

Sie sei überzeugt, um Tiere gut und artgerecht zu halten, brauche man eine gewisse Empathie für die Tiere und müsse sie gern haben, so Wohlfahrt. Und jeder Züchter und jede Züchterin alter, robuster Rassen müsse sich die Frage stellen, was mit den Tieren, die sich vermehren, am Ende passieren solle.

Ich kann die Tiere gern haben, ich kann die gut halten, die können auch zahm sein und sie können auch Namen haben. Aber am Ende des Tages ist halt die Frage: Was mach' ich mit dem Tier?

"Ich kann die Tiere so lange leben lassen, bis sie irgendwann tot umfallen. Fraglich ist aber, ob die dann immer ganz gesund sind bis zum Schluss oder ob ich sie dann noch mit Schmerzmitteln behandeln muss oder so?“, sagt Judith Wohlfahrt. Dann, so meint sie, sei es doch besser, noch etwas aus dem Tier zu machen.

Wohlfahrt will ihren Kundinnen und Kunden, aber auch anderen Landwirten und Landwirtinnen eine Alternative zur konventionellen Schweinehaltung aufzeigen. Und sie will dem schlechten Ruf von Schweinefleisch etwas entgegensetzen.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Christine Veenstra
Bild von SWR-Redakteurin Christine Veenstra

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