Jedes Wochenende stundenlang auf Sportplätzen stehen und den Kindern zuschauen - das kann anstrengend sein. Wenn allerdings Eltern und Kinder dieselbe Sportart lieben, wird jeder Spieltag zum Familien-Event. Genau so ist das bei den Kerns aus Gundelfingen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald). Denn die sechsköpfige Familie ist verrückt nach American Football. Bei den Freiburg Sacristans stehen alle gemeinsam auf dem Platz.
Die Kinder wachsen im Football-Verein auf
Der Rasenplatz der Freiburger Turnerschaft (FT) an der Dreisam ist quasi das zweite Wohnzimmer der Kerns. Hier spielen und trainieren die Teams der Freiburg Sacristans. Phoebe (9) und Quentin (11) spielen Flag-Football - die kontaktlose Variante - im Nachwuchsteam der Sacristans. Percy (6) ist auch schon auf dem Sprung, und die kleine Millie (2) ist als Maskottchen immer dabei.
"Die Kinder sind damit aufgewachsen", sagt Jochen Kern. So wie Millie waren auch ihre Geschwister beinahe von Geburt an mit auf dem Platz. Jochen und seine Frau Jessica standen damals noch beide als Trainer am Spielfeldrand. Derjenige, der gerade nicht coachte, musste den Kinderwagen schieben. So wurden die Kids automatisch fester Teil des Vereinslebens. Und American Football Teil der Familie.
Im Football ist Platz für viele Spielertypen
"Football is family", erklärt folgerichtig Quentin, der älteste Kern-Spross. Er liebt den Sport vor allem, "weil alle ein Team sind und nicht ganz viele Egos". In seiner Klasse ist er mit diesem Sport ein Exot. Wer bei Football nur an harte Jungs mit breiten Schultern denkt, liegt ziemlich daneben. In der Jugendmannschaft der Sacristans spielen Mädchen und Jungen, große und eher schmächtige Kinder zusammen.
"Das macht's für mich aus: Du kannst einfach ungelernt in jeder Altersklasse einsteigen", sagt Mutter Jessica, "für jeden gibt’s eine Position beim Football". Bei ihrem ersten Training, erzählt sie schmunzelnd, sei sie zwar kurz für eine Cheerleaderin gehalten worden. Aber dann wurde sie umstandslos ins Team aufgenommen. Jenes Team, in dem auch ihr künftiger Mann spielte.
Auch Kinder mit etwas mehr Gewicht willkommen
"Football ist ein Sport für alle", sagt auch Jochen Kern. Im Gegensatz zu anderen Sportarten seien auch Jugendliche mit etwas mehr Körpergewicht gerne gesehen. "Da gibt es immer wieder tolle Geschichten von Jungs, die mit wenig Selbstvertrauen zu uns kommen, und dann drei, vier Jahre später nur so strotzen."
Umgekehrt haben auch kleine, drahtige Spielerinnen wie Phoebe ihren Platz im Team. Und ab und zu wuselt sie sich bis nach vorne durch bis zum Touchdown. "Das erfüllt einen schon mit gewissem Stolz, wenn die Kinder die Sportart machen, die man auch selber betrieben hat", sagt Jochen Kern. Ganz nebenbei ist Phoebe kürzlich auch noch Europameisterin mit den "Nuggets", den Cheerleadern der FT, geworden.
Aus dem Vereinsleben der Sacristans nicht wegzudenken
Und so verbringen die Kerns ganze Wochenenden auf dem Sportplatz. Während die Kinder Bälle werfen und Flags der Gegner erbeuten, kümmern sich Jessica und Jochen um den Hot-Dog-Stand. Oder um die Betreuung der Schiedsrichter. Sie haben die FT-Football-Abteilung jahrelang geführt und sind heute Dreh- und Angelpunkt der Nachwuchsarbeit. Jochen coacht das U17-Team der Sacristans und ist außerdem im Trainerstab der U19-Nationalmannschaft aktiv.
Die Football-Begeisterung der Kerns ist auch in ihrem Haus in Gundelfingen nicht zu übersehen: Wände und Regale sind voller Fotos, Medaillen und Pokale. Und wenn ein Spiel der New England Patriots im Livestream läuft, wird das Wohnzimmer zur blau-weißen Fankurve.