Szene wächst rasant

Neue Studie: Radikalisierte Teenager der "Terrorgram"-Szene "äußerst gewaltbereit"

Laut einer neuen Studie radikalisieren sich junge Männer in der rechtsextremistischen Szene im Netz rasant. Die "Terrorgram"-Szene ist laut Innenministerium "äußerst gewaltbereit".

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Sie werden immer jünger, immer radikaler und immer brutaler: Vor allem Rechtsextremisten verbreiten in einem losen Netzwerk aus Chatgruppen Anschlagsfantasien, Propaganda und Gewaltaufrufe. Einer neuen Studie des Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrums Baden-Württemberg (SAT BW) zufolge sind Hunderte junger Deutscher in dieser sogenannten "Terrorgram"-Szene online miteinander vernetzt, etwa über den Dienst Telegram.

"Es handelt sich um eine jugendlich geprägte, gewaltbereite neofaschistische und rechtsextremistische Szene", teilten das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg sowie die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München mit. Die gewaltverherrlichende Online-Struktur wachse außerdem seit Jahren dynamisch. Bei der nach eigenen Angaben weltweit ersten kriminologischen Studie zu diesem Thema wurden 37 Fälle aus den Jahren 2020 bis 2025 auch aus anderen Teilen Deutschlands ausgewertet.

Szene will Sturz der Gesellschaftsordnung

Ihr Ziel: Sie will mit Gewalt Chaos auslösen und die gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz bringen, heißt es in der Untersuchung. Die ausschließlich männliche und sehr junge Szene radikalisiere sich rasch und sei "äußerst gewalt- und terrorbereit". Fast alle hatten bereits Waffen beschafft oder konkrete Pläne für eine Tat entwickelt.

Mehr zum Thema im Podcast der ARD Rechtsredaktion Die Justizreporter*innen:

Die Anhänger seien im Schnitt knapp über 16, einige sogar unter 14 Jahre alt - eine Altersgruppe, die noch keine festen Wertvorstellungen habe und daher besonders anfällig für extremistische Propaganda sei. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach von "Blitzradikalisierungen", die in jedem zweiten Fall weniger als ein Jahr dauerten.

Fast alle Anhänger psychisch erkrankt

Fast alle untersuchten Anhänger der Szene haben laut Studie "diagnostizierte psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten". Daher komme dem sozialen Umfeld eine zentrale Funktion als Frühwarnsystem zu. "Die allermeisten Personen sind familiär vernachlässigt und sozial desintegriert", erklärten LKA und Generalstaatsanwaltschaften. Sie setzten darauf, dass niemand genauer hinschaue.

Die Zahl der nicht erfassten Mitglieder wird auf eine hohe dreistellige Zahl geschätzt. Strobl sprach von der weltweit ersten kriminologischen Untersuchung zur "Terrorgram"-Szene. Ein Ausdruck, der sich aus dem Namen des Messenger-Dienstes "Telegram" und "Terror" zusammensetzt.

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Lorenz Zeck
SWR-Redakteur Lorenz Zeck

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