Tierärzte händeringend gesucht

Nach Schlachthof-Skandalen: Immer noch wenig Kontrollen bei tierhaltenden Betrieben

Obwohl es mehr Stellen für Amtstierärzte gibt, finden in Baden-Württemberg immer noch wenige Kontrollen auf tierhaltenden Betrieben wie Schlachthöfen statt. Die SPD spricht von einem "Armutszeugnis".

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Von Autor/in Knut Bauer

Skandale wie in den Schlachthöfen Backnang (Rems-Murr-Kreis), Biberach oder Gärtringen (Kreis Böblingen) haben vor einigen Jahren bundesweit für Entsetzen gesorgt. Tiere waren dort vor der Schlachtung nicht oder fehlerhaft betäubt worden. Nicht zuletzt als Konsequenz aus diesen Vorfällen hat die grün-schwarze Landesregierung die Zahl der Veterinärstellen in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren erhöht.

Während es 2017 noch 257,5 Stellen für Amtstierärzte gab, wurde die Zahl bis 2022 auf 322,5 erhöht. Auf dem Papier. Tatsächlich arbeiten dort aktuell aber nur 271 Veterinäre. 51 Amtstierarzt-Stellen sind derzeit nicht besetzt. Dies geht aus der Antwort der Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervor, die dem SWR vorliegt. 

SPD: Armutszeugnis bei Kontrollen

Dies wirkt sich unmittelbar auf die Zahl der Kontrollen aus: So hat sich die Kontrolldichte bei tierhaltenden Betrieben in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren kaum verändert. Schweinehaltende Betriebe werden im Schnitt nur alle drei Jahre kontrolliert, Betriebe mit Legehennen im Durchschnitt nur alle 28 Jahre.

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Damit bleibe der Stellenzuwachs wirkungslos, kritisiert der tierschutzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jonas Weber: "Die wenigsten Tiere im Land bekommt ein Kontrolleur zu Gesicht. Wenn in Schweine haltenden Betrieben im Land nur alle circa 30 bis 50 Durchgänge von Tieren eine Kontrolle stattfindet und bei Legehennen nur alle Jubeljahre, ist dies ein Armutszeugnis. Prävention und Tierschutz stehen weiter auf extrem dünnen Eis." 

Im November hat der SWR Kontrollen in tierhaltenden Betrieben begleitet:

Ministerium: Fachkräftemangel und EU-Vorgaben

Das Landwirtschaftsministerium verweist auf den Fachkräftemangel, der auch die Veterinärverwaltung treffe. Vor allem in den Randbezirken im äußersten Südwesten und Nordosten des Landes sei es schwierig, Bewerber zu finden.

"Hinzu kommen weitere Faktoren wie Fluktuation, Mutterschutz oder Elternzeit, Reduzierung der Arbeitszeit auf Teilzeit sowie laufende Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren. Zudem hat sich das Umfeld in den letzten Jahren verändert. Die steigende Erwartungshaltung der Gesellschaft an die Kontrollbehörden insbesondere in den Konfliktfeldern Tierhaltung, Schlachtung, Transport und Verarbeitung senkt die Attraktivität des Aufgabengebietes", teilt das Ministerium auf SWR-Anfrage mit.

Und noch einen Grund führt das Haus von CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk an: Immer mehr EU-Vorgaben für Qualität und Umfang der Kontrollen wirkten sich auch auf die Kontrollzahlen aus.

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Autor/in
Knut Bauer
SWR-Reporter und -Redakteur Knut Bauer
Onlinefassung
Dennis Just
SWR Aktuell-Redakteur Dennis Just

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