Um den Schlachthof in Rottenburg (Kreis Tübingen) steht es nicht gut. Das denkmalgeschützte Gebäude ist teils marode und müsste für viel Geld saniert werden. Eine Bürgerinitiative hatte 2022 mit einem Bürgerentscheid den Schlachthof vor der Schließung bewahrt. Die derzeitige Einigung mit der Stadt läuft aber schleppend, sagt Landwirt Markus Maier aus Neustetten-Remmingsheim. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative und der zukünftigen Betreibergesellschaft. Man versuche gerade auszuloten, ob das Geld für eine Sanierung doch noch aufgebracht oder ein neuer Standort gefunden werden kann. Sollte es in Zukunft keinen Schlachthof mehr in Rottenburg geben, hat das für Maier und viele andere Landwirte in der Umgebung gravierende Folgen.
Lange Anfahrt zum Schlachthof: Strapazen für die Tiere
Nur zehn Minuten fährt Landwirt Maier mit seinen Tieren jeden Montag zum Schlachthof in Rottenburg. Sollte er schließen, müsste Maier weiter entfernte Schlachthöfe anfahren. Das Problem: Auch der große Schlachthof in Gärtringen (Kreis Böblingen), der zirka 30 km von Rottenburg entfernt ist, ist seit fünf Jahren zu. Wann er saniert ist und wieder geöffnet werden kann, ist derzeit unklar.
Landwirte: Qualität des Fleisches könnte schlechter werden
Alternativen wären Mengen, Göppingen oder sogar Ulm mit über einer Stunde Fahrtzeit. Das bedeutet aber vor allem Stress für die Tiere. In der unbekannten Umgebung stoßen die Tiere mehr Adrenalin aus, was letztendlich zu einer schlechteren Fleischqualität führe. Durch den zeitlichen Mehraufwand würden dann wohl auch die Preise steigen, so Maier.
Schafe zur Schlachtung nach Übersee?
Daniel Fritz hat eine Schäferei in Tübingen und hat fünf Schafherden. Bei jedem Tier ist er von der Geburt bis zur Schlachtung mit dabei, erzählt er dem SWR. Er selbst arbeitet im Rottenburger Schlachthof. Er könne sich daher sicher sein, dass seine Tiere auf ihrem letzten Weg angemessen behandelt werden. Sollte der Schlachthof in Rottenburg schließen, müsste er seine Schafe an Transporthändler übergeben. Damit würde er die Verantwortung für seine Schafe abgeben und könne deren Wohl nicht mehr gewährleisten. Schlimmstenfalls würden seine Tiere zur Schlachtung nach Übersee verschifft, bangt Fritz. Dann würden aus ein paar Minuten Transport schnell mehrere Tage.
Fritz wünscht sich mehrere kleine Schlachthöfe in der Region. Viele kleine Landwirte hätten dann die Chance, ihr hochwertiges Fleisch kostengünstig und lokal zu schlachten. Das hätte Vorteile für Tier, Landwirte und letztendlich auch preislich für die Kunden, so Fritz.