Der Gemeinderat von Bad Urach (Kreis Reutlingen) hat sich am Dienstagabend festgelegt: Er hat die Hälfte eines bislang nicht genutzten Industriegebiets in Bad Urach-Hengen für ein Verteilzentrum von Amazon eingeplant. Nach dem Willen von Bürgermeister Elmar Rebmann (SPD) soll der Verkauf des Geländes an den Internet-Riesen noch vor den Sommerferien unter Dach und Fach sein.
Gemeinderat fordert Dachbegrünung
Für die Halle des Amazon-Verteilzentrums und einem Parkhaus daneben soll eine riesige Fläche versiegelt werden. Das hatten im Vorfeld der Gemeinderatsentscheidung einige kritisiert. Auf Antrag der Grünen hat das Gremium nun beschlossen, dass alle Firmen, die sich im neuen Industriegebiet Bad Urach-Hengen ansiedeln, zumindest ihre Dächer begrünen müssen, bestätigt die Stadtverwaltung am Mittwoch.
Bad Urachs Bürgermeister will Amazon
Der Standpunkt der Stadt Bad Urach in der Sache war schon lange klar: Sie will die Ansiedlung, so Bürgermeister Rebmann. Sein Hauptargument: Amazon bedeute Arbeitsplätze. 120 bis 200 könnten nach Angaben von Amazon entstehen.
Das hat in der SPD-Fraktion des Bad Uracher Gemeinderats nicht alle überzeugt. Sie kritisiert unter anderem, dass Amazon in der Regel schlechte Arbeitsbedingungen biete. Außerdem habe das Unternehmen eine Monopolstellung und ein fragwürdiges Geschäftsgebaren, sagte SPD-Stadtrat Martin Lorenz vor der Gemeinderatsentscheidung.
Drohbrief nach Gemeinderatsbeschluss
Am Abend nach der Zustimmung des Bad Uracher Gemeinderats zum Amazon-Bebauungsplan kam es zu einem Vorfall. An der Autoscheibe einer am Verfahren beteiligten Person wurde ein Zettel gefunden. Darauf stand: "Amazon weiß, wo Du wohnst... Wir auch. Gute Heimfahrt!“ Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann versteht das als Drohung. So etwas sei ihm in seiner 16-jährigen Amtszeit als Bürgermeister noch nicht untergekommen. Er und der Gemeinderat seien sehr schockiert. Es gebe in letzter Zeit immer wieder kritische Stimmen zu dem Amazon-Projekt, aber dieser Drohbrief verletze die Regeln des Anstands und den gegenseitigen Respekt, so Rebmann. Die Stadt Bad Urach hat inzwischen die Polizei eingeschaltet.
Stadt verhandelt schon lange mit Amazon
Hinter verschlossenen Türen hat die Stadt bereits seit über zwei Jahren mit Amazon wegen des Standorts verhandelt, so Bürgermeister Elmar Rebmann. Das Unternehmen habe sich die entsprechenden Flächen reserviert. Kritiker hatten der Stadtverwaltung wiederholt intransparentes Vorgehen vorgeworfen - etwa die Mitglieder des Bürgerforums Hengen.
Kritik wegen Verkehrsbelastung durch Amazon
Ein weiterer Kritikpunkt ist der zusätzliche Verkehr durch das Verteilzentrum. Der ist den Mitgliedern des Bürgerforums und auch der SPD-Fraktion im Bad Uracher Gemeinderat ein Dorn im Auge. Ein Gutachten, das dem Gemeinderat vorliegt, bestätigt, dass durch das Verteilzentrum von Amazon täglich fast 4.800 Fahrten entstehen:
Pkw, in denen die Beschäftigten kommen. Lkw, die Kartons voller Waren bringen. Und Vans, die diese Waren dann im Raum Stuttgart-Ulm-Schwarzwald verteilen. Die Gutachter kommen aber zu dem Schluss: Die zusätzliche Verkehrsbelastung sei vertretbar.