Schon vor tausenden von Jahren lebten dort Menschen

Das Geheimnis auf dem Lochenstein - Archäologen graben bei Balingen

Es ist ein Rätsel, das die Archäologie schon seit über 100 Jahren beschäftigt. Was genau haben die Menschen vor tausenden von Jahren auf dem Lochenstein bei Balingen gemacht?

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Von Autor/in Friederike Dauser

Unmengen an Tierknochen, Keramikscherben und etliche Gewandspangen aus Bronze: Das haben Archäologen bei Grabungen auf dem Lochenstein gefunden. Gab es dort eine Opferstätte?

Bei den Ausgrabungen der Universität Tübingen und des Landesamtes für Denkmalschutz, die zur Zeit auf dem Lochenstein stattfinden, sind zahlreiche Fibeln und Gewandspangen sowie Unmengen Tierknochen gefunden worden. Die Forscher fragen sich nun, ob es dort oben im ersten bis zweiten Jahrtausend vor Christus ein kultisches Heiligtum gegeben hat.

Grabungstechniker Michael Lingnau vom Landesamt für Denkmalpflege begutachtet zusammen mit einem Studenten die Grabungsfunde.
Schon vor 100 Jahren wurde auf dem Lochenstein bei Balingen gegraben. Nun sind die Universität Tübingen und das Landesamt für Denkmalpflege wieder auf der markanten Hochfläche. Ihr Ziel: Die Besiedlungsgeschichte des Berges mit modernen Methoden zu untersuchen.

Täglich eimerweise Tierknochen auf dem Lochenstein gefunden

Schon vor 100 Jahren wurde auf dem Lochenstein nach archäologischen Funden und Spuren gegraben. Seit 2021 sind die Archäologen wieder dort, in fast tausend Meter Höhe. Mehrere quadratische Gruben haben die Archäologen dort schon ausgehoben. Darin haben sie einiges gefunden. Zum Beispiel fast eine Tonne Tierknochen von Schafen, Ziegen und Schweinen.

Hier könnte ein Ort sein, an dem man Tiere geschlachtet hat oder Vorgänge hat laufen lassen, die dazu dienten, sakrale Aktivitäten zu machen.

Das Messer und der Keil aus Eisen hat vor tausenden Jahren dazu gedient, Tiere wie etwa Schafe und Ziegen zu schlachten. Ihre Knochen hat man in großen Mengen auf dem Lochenstein gefunden.
Bei Grabungen auf dem Lochenstein haben die Archäologen und Grabungstechniker auch ein Messer und einen Keil aus Eisen gefunden. Damit wurden, so vermuten die Forscher, Schafe und Ziegen geschlachtet.

Können die Archäologen das Geheimnis um den Lochenstein lösen?

Was genau auf dem Lochenstein von 1.500 v.Christus bis etwa 500 v. Christus passiert ist? Da bleibt Grabungsleiter Bartelheim vage. "Es kann auch einen ganz profanen Grund für die vielen Knochen geben", meint er schmunzelnd. Ob das Geheimnis um den Lochenstein irgendwann gelöst wird, weiß er nicht. Was man weiß: Der Lochenstein bei Balingen war lange Zeit besiedelt. Ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus bis in die Römerzeit hinein lebten hier Menschen.

Bei den Grabungen ist auch ein Fund gemacht worden, der aussieht wie ein Altar aus Stein. Ob es sich um eine Opferstätte gehandelt hat, darüber rätseln die Wissenschaftler noch.
Mehrere rechteckige Gräben haben die Wissenschaftler der Uni Tübingen und des Landesamtes für Denkmalschutz auf dem Lochenstein ausgehoben. Darin wurden Tierknochen, Fibeln aus Bronze und Keramikscherben gefunden.

Ein Altar aus Stein bei Balingen?

In einer ausgegrabenen Grube sieht man zwischen Schichten dunkler Erde einige hellgraue Steine, die so zusammengesetzt sind, dass sie aussehen wie ein Tisch oder ein Altar aus Stein. Ob es sich wirklich um eine Art Altar oder Opferstätte handelt, muss noch erforscht werden. "Es gibt aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse. Man muss alles aus Sachzeugnissen rekonstruieren", so Bartelheim. Aber die vielen Funde auf dem Lochenstein sind Indizien dafür, dass es sich doch um einen Opferplatz handeln könnte.

Neben den Tierknochen hat das Ausgrabungsteam auch fast 30 Fibeln und Gewandspangen aus Bronze gefunden. Alle in sehr gutem Zustand. Daneben viele Keramikscherben. "Wenn sie über die Fläche schauen, dann kann man manchmal sogar Keramikscherben auf Maulwurfshügeln finden", meint Grabungstechniker Michael Lingnau.

Man könnte hier locker noch hundert Jahre graben.

Überall in den Ausgbarungsgruben findet man Tierknochen. Sie stammen meist von Schafen, Schweinen und Ziegen. Eimerweise werden sie vom Ausgrabungsteam täglich aus der Erde geholt.
Bei den Grabungen auf dem Lochenstein sind eimerweise Tierknochen gefunden worden. Sie stammen von Schafen, Schweinen und Ziegen. Die Wissenschaftler vermuten, dass es auf dem Lochenstein 1.500 v. Christus bereits eine Opferstätte gegeben hat.

Spangen und Knochen der Ausgrabungen werden jetzt gewaschen

Die Funde stammen vor allem aus der Bronze und Eisenzeit. Die frühsten Funde sind 3.500 Jahre alt. Die meisten Stücke sind außergewöhnlich gut erhalten. Das ist auch ein Indiz dafür, dass die Gewandspangen und Fibeln nicht auf dem Lochenstein einfach entsorgt worden sind, sondern bewusst von den Menschen damals dorthin gebracht wurden.

Noch ein paar Wochen werden die Archäologen auf dem Lochenstein weiter graben. Dann müssen die Keramikscherben, Knochen und Fibeln gewaschen und beschriftet werden. " Wir planen hier auch noch weiter zu machen", so Bartelheim, "wir wollen einfach diesen Fundplatz verstehen. Er hofft, irgendwann in der Zukunft rekonstruieren zu könne, was genau die Menschen vor tausenden von Jahren hier oben wirklich gemacht haben.

Eine Fibel aus Bronze, gefunden auf dem Lochenstein bei Ausgrabungen der Universität Tübingen und des Landesamtes für Denkmalpflege. Fast 30 solcher Fibeln und Gewandspangen sind bislang gefunden worden.
Bei Grabungen auf dem Lochenstein sind über 30 Fibeln und Gewandspangen gefunden worden. Diese Bronzefibel stammt aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Mit ihr wurden Stoffgewänder zusammengehalten.
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Autor/in
Friederike Dauser
Friederike Dauser ist Reporterin und Redakteurin für Hörfunk und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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