Unmengen an Tierknochen, Keramikscherben und etliche Gewandspangen aus Bronze: Das haben Archäologen bei Grabungen auf dem Lochenstein gefunden. Gab es dort eine Opferstätte?
Bei den Ausgrabungen der Universität Tübingen und des Landesamtes für Denkmalschutz, die zur Zeit auf dem Lochenstein stattfinden, sind zahlreiche Fibeln und Gewandspangen sowie Unmengen Tierknochen gefunden worden. Die Forscher fragen sich nun, ob es dort oben im ersten bis zweiten Jahrtausend vor Christus ein kultisches Heiligtum gegeben hat.
Täglich eimerweise Tierknochen auf dem Lochenstein gefunden
Schon vor 100 Jahren wurde auf dem Lochenstein nach archäologischen Funden und Spuren gegraben. Seit 2021 sind die Archäologen wieder dort, in fast tausend Meter Höhe. Mehrere quadratische Gruben haben die Archäologen dort schon ausgehoben. Darin haben sie einiges gefunden. Zum Beispiel fast eine Tonne Tierknochen von Schafen, Ziegen und Schweinen.
Hier könnte ein Ort sein, an dem man Tiere geschlachtet hat oder Vorgänge hat laufen lassen, die dazu dienten, sakrale Aktivitäten zu machen.
Können die Archäologen das Geheimnis um den Lochenstein lösen?
Was genau auf dem Lochenstein von 1.500 v.Christus bis etwa 500 v. Christus passiert ist? Da bleibt Grabungsleiter Bartelheim vage. "Es kann auch einen ganz profanen Grund für die vielen Knochen geben", meint er schmunzelnd. Ob das Geheimnis um den Lochenstein irgendwann gelöst wird, weiß er nicht. Was man weiß: Der Lochenstein bei Balingen war lange Zeit besiedelt. Ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus bis in die Römerzeit hinein lebten hier Menschen.
Ein Altar aus Stein bei Balingen?
In einer ausgegrabenen Grube sieht man zwischen Schichten dunkler Erde einige hellgraue Steine, die so zusammengesetzt sind, dass sie aussehen wie ein Tisch oder ein Altar aus Stein. Ob es sich wirklich um eine Art Altar oder Opferstätte handelt, muss noch erforscht werden. "Es gibt aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse. Man muss alles aus Sachzeugnissen rekonstruieren", so Bartelheim. Aber die vielen Funde auf dem Lochenstein sind Indizien dafür, dass es sich doch um einen Opferplatz handeln könnte.
Neben den Tierknochen hat das Ausgrabungsteam auch fast 30 Fibeln und Gewandspangen aus Bronze gefunden. Alle in sehr gutem Zustand. Daneben viele Keramikscherben. "Wenn sie über die Fläche schauen, dann kann man manchmal sogar Keramikscherben auf Maulwurfshügeln finden", meint Grabungstechniker Michael Lingnau.
Man könnte hier locker noch hundert Jahre graben.
Spangen und Knochen der Ausgrabungen werden jetzt gewaschen
Die Funde stammen vor allem aus der Bronze und Eisenzeit. Die frühsten Funde sind 3.500 Jahre alt. Die meisten Stücke sind außergewöhnlich gut erhalten. Das ist auch ein Indiz dafür, dass die Gewandspangen und Fibeln nicht auf dem Lochenstein einfach entsorgt worden sind, sondern bewusst von den Menschen damals dorthin gebracht wurden.
Noch ein paar Wochen werden die Archäologen auf dem Lochenstein weiter graben. Dann müssen die Keramikscherben, Knochen und Fibeln gewaschen und beschriftet werden. " Wir planen hier auch noch weiter zu machen", so Bartelheim, "wir wollen einfach diesen Fundplatz verstehen. Er hofft, irgendwann in der Zukunft rekonstruieren zu könne, was genau die Menschen vor tausenden von Jahren hier oben wirklich gemacht haben.