Die Deutsche Bahn baut immer mehr Bahnhöfe aus, um sie für alle Menschen bequem zugänglich zu machen. 2023 sollte der Bahnhof in Metzingen nach Plänen der DB schon barrierefrei sein. Doch es ist ein holpriger Weg bis dahin.
Rollstuhlfahrer kommt nicht auf direktem Weg nach Metzingen
Wenn David Scharla von Tübingen nach Metzingen mit dem Zug fahren will, ist das ganz schön aufwendig. In Metzingen käme er auf Gleis 2 an. Da gibt es aber keinen barrierefreien Weg für ihn runter vom Bahnsteig und in die Stadt, nur Treppen und den neuen Aufzug, der nicht fährt. Deswegen fährt Scharla mit dem Zug weiter bis nach Bempflingen. Dort fährt er mit dem Rollstuhl durch eine lange Unterführung und steigt dann in einen Zug, der wieder zurück nach Metzingen fährt, und dort an Gleis 1 ankommt.
David Scharla ist wütend. Schon wieder heißt es, er müsse noch länger warten, bis er mit dem Aufzug zu seinem Gleis fahren kann. Besonders für eine Stadt wie Metzingen, die immer mit ihrer Outletcity werbe, sei das ärgerlich. "Als Rollstuhlfahrer kommst du mit dem Zug nicht in die Ouletcity", sagt Scharla.
Es ist unglaublich. Mir fehlen manchmal die Worte für sowas.
So weit ist die DB bisher mit dem Ausbau in Metzingen
Der Bahnsteig an Gleis 1 wurde erhöht, damit Fahrgäste leichter in Züge einsteigen können. Zusätzlich sollen Stufenmarkierungen, Brailleschrift-Schilder und ein taktiles Bodenleitsystem den Bahnhof für alle leichter passierbar machen.
Zu den Gleisen 1 bis 4 sollen Aufzüge den barrierefreien Weg ermöglichen. Doch die lassen auf sich warten. Erst seien Lieferschwierigkeiten das Problem gewesen, dann kam auch noch Starkregen hinzu, der die Aufzüge beschädigt haben soll, hat die DB mitgeteilt. Seit 2023 verschiebt sich das Datum der Fertigstellung immer weiter nach hinten. Dabei warten Menschen im Rollstuhl schon so lange darauf, sagt David Scharla, Projektleiter des Landesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen.
Verkehrsplanung Barrierefreiheit schaffen – Mobilität für Menschen mit Behinderung
Die Behindertenrechtskonvention gibt allen Menschen das gleiche Recht auf Mobilität. Doch bei der Umsetzung hinkt Deutschland hinterher. Andere Länder zeigen, wie es besser geht.
Zwischenlösung von der DB
Die Deutsche Bahn bittet in einer Mitteilung um Verständnis. Für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, gebe es das Angebot, sich zwei Tage vor der geplanten Reise bei der DB-Mobilitäts-Zentrale zu melden. Dort könne man kostenlos einen Fahrservice buchen. Im April sollen die Aufzüge laut einem Pressesprecher der Bahn dann wirklich in Betrieb genommen werden.
13,7 Millionen Euro für Bahnhof-Ausbau
Die Anfrage des SWR für ein Interview war der Stadt Metzingen leider zu kurzfristig. Sie teilte aber schriftlich mit, dass die Freude groß sein werde, "wenn die Aufzüge bei uns in Metzingen in Betrieb gehen und der Bahnhof von allen hindernisfrei genutzt werden kann".
Der Ausbau des Metzinger Bahnhofs kostet die Deutsche Bahn, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Metzingen rund 13,7 Millionen Euro.