Die Brauerei Schimpf in Remmingsheim (Kreis Tübingen) zeigt, wie man Kälte früher, ohne moderne Technik, das ganze Jahr über gespeichert hat: mit einem sogenannten Eisgalgen.
Beim Anblick der langen, glitzernden Eiszapfen am Holzgerüst vor der Brauerei erkennt man schnell, woher der Name stammt. Mit dem eigentlichen Wortsinn hat der Eisgalgen aber nichts zu tun: Hier werden meterlange Eiszapfen produziert. Mit dem Eisgalgen hat man früher Brauereikeller in Kühlschränke verwandelt. Die Brauerei Schimpf kühlt ihr Bier zwar mittlerweile mit Strom, will aber daran erinnern, wie mühsam Bierkühlung früher war.
Viele Menschen wissen gar nicht, wie gut sie es heute haben.
Historische Bierkühlung mit dem Eisgalgen in Remmingsheim
Über eine Sprenkelanlage wird der Eisgalgen bei Temperaturen unter minus drei Grad Celsius mit Wasser besprüht. Nach und nach gefriert das Wasser und es bilden sich große Eiszapfen. Wenn sie groß und dick gewachsen sind, können sie geerntet werden. Mit einem Hammer werden sie abgeschlagen und in einer Schubkarre in den Gewölbekeller gebracht. Dort halten sie eine ganze Weile, bis zu mehreren Monaten kalt.
In etwa zehn Tagen kann Schimpf seine Eiszapfen ernten. Er wird mit dem selbst gezüchteten Eis seine Wassertanks kühlen. So spart er ein bisschen Strom.
Kühles Bier im Sommer: früher nur durch Eiszapfen möglich
Fest steht: Bevor es Kühlanlagen gab, war ein kühles Bier im Sommer alles andere als selbstverständlich. Die Brauer mussten entweder auf den Eisgalgen zurückgreifen oder im Winter Eisblöcke aus dem nächstgelegenen See holen. Das war ein großer Aufwand, erklärt der Brauerei-Geschäftsführer Martin Schimpf. Der schnelle Griff zum kalten Bier aus dem Kühlschrank war damals ein Luxus, der hart erarbeitet werden musste.