Die 34-jährige Wirtschaftsingenieurin Vanessa Schmidt hat im ersten Wahlgang 48,97 Prozent der Stimmen geholt und damit die sofortige Wahl zur Bürgermeisterin von Alpirsbach (Kreis Freudenstadt) eigentlich verpasst. Knapp 43 Prozent der Stimmen gingen an Norbert Beck, den bisherigen Amtsverwalter des seit Monaten unbesetzten Bürgermeisterpostens. Er hatte gar nicht kandidiert. Sollte er doch das Bürgermeisteramt anstreben, wird eine Stichwahl notwendig. Die Verwaltungswirtin Tanja Ewert kam auf gut sechs Prozent. Der dritte Bewerber, Robert Vogler, erhielt knapp zwei Prozent. Das ist das vorläufige Endergebnis nach Angaben der Stadtverwaltung. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 53 Prozent.
Kopf-an-Kopf-Rennen um das Bürgermeisteramt
Nachdem sechs von neun Wahlbezirken ausgezählt waren, hat sich ein außergewöhnliches Bild gezeigt. Vanessa Schmidt lag mit knapp 52 Prozent in Führung. Tanja Ewert war mit gut sechs Prozent abgeschlagen. Aber gut 40 Prozent der Wählenden hatten einen zusätzlichen Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Also Namen von Personen, die überhaupt nicht kandidiert haben. Welche Namen dort platziert wurden, war allerdings lange unklar. Je mehr Stimmen ausgezählt waren, desto höher stieg deren Prozentzahl.
Rätsel um den Amtsverwalter von Alpirsbach
Weil die letzte Bürgermeisterwahl nicht gültig war, hat Alpirsbach einen Ersatz-Bürgermeister auf Zeit gebraucht. Diesen Job hat ein erfahrener Kommunalpolitiker übernommen: Norbert Beck. Der war lange Zeit Bürgermeister in Baiersbronn und so manche Alpirsbacher waren wohl der Meinung, Beck habe seinen Vertretungsjob gut gemacht. Nun bietet das Wahlrecht die Möglichkeit, bei einer Bürgermeisterwahl nicht nur hinter den vorgegebenen Namen auf dem Stimmzettel ein Kreuzchen zu machen.
Denn es gibt ja die freie Zeile. Dort kann jeder Wahlberechtigte einfach einen Namen reinschreiben und dieser Person seine Stimme geben - obwohl die gar nicht kandidiert hat. Drum wurde im Vorfeld gerätselt: Wie viele Wahlberechtigte nutzen diese Möglichkeit? Zum Bürgermeisteramt gezwungen kann trotzdem niemand werden, erklärt Wahlleiter Marc Bader. Sollte solch eine Zusatzperson gewählt werden, kann sie hinterher das Amt einfach ablehnen.
Am Ende wurde klar: Beck bekam tatsächlich 43 Prozent. Laut Stadtverwaltung hat er jetzt drei Tage Zeit, um zu entscheiden, ob er regulär bei einer Stichwahl antreten möchte. Diese würde am 13. Juli stattfinden.
Ein Kandidat wollte gar nicht mehr gewählt werden
Für eine weitere Besonderheit dieser Wahl hat der Kandidat Robert Vogler gesorgt. Er hatte sich offiziell beworben, wurde auch zugelassen. Dann wollte er aber aus persönlichen Gründen nicht mehr antreten. Doch diese Entscheidung kam zu spät. Ein Verzicht auf die Kandidatur, so erklärte Wahlleiter Marc Bader, war da aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Deshalb stand Robert Vogler noch auf dem Wahlzettel, obwohl er gar nicht mehr gewinnen wollte.
Wäre er trotzdem gewählt worden, hätte er die Wahl aber nicht annehmen müssen - also nach der Wahl einen Rückzieher machen dürfen, so Bader. Dann wären erneut Neuwahlen fällig gewesen. Besonders skurril: Auch bei einem zweiten Wahlgang, einer Stichwahl, hätte Vogler nochmal antreten müssen, falls er beim ersten Urnengang Platz eins oder zwei erreicht hätte.
Bei letzter Wahl wurden die Alpirsbacher getäuscht
Im April 2024 hatten die Alpirsbacher und Alpirsbacherinnen bereits einen Bürgermeister gewählt. Den Polizisten Sven Christmann. Doch gegen den wurde zu dieser Zeit schon ermittelt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Deshalb war er im Beruf als Polizist gesperrt und hatte - anders als im Wahlkampf angegeben - nicht aktiv als solcher gearbeitet. Deshalb hat das Landratsamt Freudenstadt seine Wahl für ungültig erklärt. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat die Entscheidung dann bestätigt. Deshalb brauchte Alpirsbach über viele Monate einen Ersatz-Bürgermeister. Diese Aufgabe hat Norbert Beck übernommen.