Glasscherbe im Fruchtsaft, Metallstift im Döner

Fremdkörper bis Schimmel: Das haben Sigmaringer Fachleute 2023 in Lebensmitteln gefunden

Sich an Essen und Trinken verletzen? Das ist möglich. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen hat bei Kontrollen Glas und Schimmel in Lebensmitteln entdeckt.

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Von Autor/in Anna Priese

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen (CVUA) hat 2023 über 8.000 Proben untersucht. Darunter waren Lebensmittel, Tabakwaren und Trinkwasser. Bei 1.500 Proben hat das Amt Auffälligkeiten festgestellt. So hatten Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise Fremdkörper in Lebensmitteln entdeckt. Untersuchungen des CVUA bestätigten den Fund.

Schimmel in Baumkuchen entdeckt

Eine weitere Verbraucherin reichte beim CVUA mehrere Baumkuchen-Proben ein. Sie hatte die Spezialität auf einem Weihnachtsmarkt gekauft und dunkle Flecken darauf festgestellt. Tatsächlich befand sich den Untersuchungen nach bei einem der vier eingereichten Kuchen unter dem dunklen Fleck auch Schimmel. Die anderen Verfärbungen seien unbedenklich gewesen, so das CVUA.

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen
Das ist mehr als nur eine Verfärbung: Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen hat 2023 diesen Baumkuchen untersucht. Ergebnis: Die Verfärbung ist Schimmel.

Fruchtsäfte im Blick: Scherbe 2023 gefunden

In einem Dönerbrot wurde ein Metallstift gefunden, in einem Fruchtsaft eine Glasscherbe. Beides könne laut dem Amt zu Verletzungen im Mund- und Rachenraum führen. Im Jahr zuvor hatte die Behörde bereits im Rahmen eines Bundesprojektes Fruchtsäfte und -nektare unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der 40 Saft- und 27 Nektar-Proben seien sehr erfreulich gewesen: Die Aluminiumgehalte lagen alle unter 8mg/l, die Gehalte anderer Elemente wie Blei, Cardmium, Arsen und Kupfer alle unterhalb der zulässigen bzw. vorgesehenen Höchstwerte.

Eine etwa ein Zentimeter große Glasscherbe wurde in einem Fruchtsaft von den Mitarbeitern des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Sigmaringen gefunden.
Achtung, Verletzungegefahr! Diese Glasscherbe haben Mitarbeitende des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Sigmaringen in einem Fruchtsaft gefunden.

Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen meldet Erfolg bei Speisemohn 

Einen Erfolg hat das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen beim Speisemohn festgestellt. In den vergangenen Jahren sei Speisemohn oft stark mit Opiumalkaloiden belastet gewesen. Der Verzehr könne gesundheitsschädlich sein. Zu den Opiumalkaloiden gehören zum Beispiel Morphin, das als starkes Schmerzmittel zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird, und Codein, ein Hustenmedikament. Als Nebenwirkungen sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Atemprobleme bekannt.

2023 seien bei 25 Speisemohn-Proben im Gegensatz zu den Jahren zuvor keine Grenzwerte im Bereich der Opiumalkaloide überschritten worden. Verbraucher bräuchten sich daher keine Sorgen mehr beim Verzehr von Speisemohn machen. Das CVUA führt die deutlich geringeren Vorkommen der Opiumalkaloide auch auf die eigene Arbeit zurück.

Speisemohn hat bei den Untersuchungen der Proben des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Sigmaringen 2023 erstaunlich gut abgeschnitten.
Das wertet das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen als Erfolg: Die Opiumalkaloide in den Speisemohn-Proben haben den Grenzwert 2023 nicht mehr überschritten.

Gefahr für die Gesundheit: E-Zigaretten mit HHC

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Sigmaringen hat 2023 außerdem E-Zigaretten getestet, die das Cannabinoid HHC beinhalten. HHC hat einen geringen THC-Gehalt. THC ist der berauschend wirkende Stoff der Cannabispflanze. Das Amt hat alle 24 Proben mit dem Stoff als "Gefahr für die menschliche Gesundheit" eingestuft. Der Grund: Man könne nicht davon ausgehen, dass die Produkte umfangreich auf mögliche, bedenkliche Nebenprodukte getestet worden seien. Es fehle an wissenschaftlichen Daten zu HHC und potentiellen Verunreinigungen.

Das Sigmaringer Amt ist für die Regionen rund um Balingen, Biberach, Friedrichshafen, Ravensburg, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Ulm zuständig. Die Proben sind entweder über zufällig gewählte Stichproben oder über Beschwerden von Kundinnen und Kunden ins Labor gekommen.

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Anna Priese
Anna Priese ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.