"Es hat mir immer weh getan, wenn ich weiterhetzen musste"

Warum Freudenstadts Landrat Rückert jetzt Seelsorger wird

Klaus Michael Rückert, Noch-Landrat von Freudenstadt, hat eine neue Berufung: Nach seinem Abschied aus dem Amt will er Diakon werden – und damit näher an den Menschen sein.

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Von Autor/in Peter Binder

Der Freudenstädter Landrat Klaus Michael Rückert will sich neuen Aufgaben zuwenden. Als Landrat hatte der 58-Jährige viel mit den Strukturen sozialer Einrichtungen zu tun. Künftig will er mit den Menschen dieser Einrichtungen zusammenarbeiten – als Diakon. Um Geld zu verdienen, will er außerdem als Jurist arbeiten. 

Am 29. September ist sein letzter Arbeitstag im Landratsamt. Bis dahin ist Rückert noch der Chef von 900 Beschäftigten und trägt damit viel Verantwortung. Auch für die rund 120.000 Menschen im Kreis Freudenstadt. 

Nur enge Freunde wussten Bescheid 

Seine Entscheidung hatte Rückert bereits im April verkündet. Es musste schließlich noch ein neuer Landrat gewählt werden. Die Pressemitteilung zu seinem Entschluss hat er in der Nacht vor der Veröffentlichung noch mehrmals umgeschrieben, erzählt er. Nur engen Freunden hatte er vorher von der Entscheidung erzählt. "Ich bin dann schon mit einer gewissen Aufregung ins Bett gegangen", so Rückert.

Aber dann hat er so gut wie lange nicht geschlafen. Tatsächlich strahlt er die Ruhe eines Menschen aus, der eine richtige und wichtige Lebensentscheidung getroffen hat.

Im Freudenstädter Landratsamt hängen Bilder von Landrat Rückert und seinem Vorgänger.
Bald kommt hier im Freudenstädter Landratsamt ein Bild von Rückerts Nachfoger dazu. Auf ihn folgt Andreas Junt als Landrat.

Rückert absolvierte heimlich ein Theologiestudium 

Abends hat er ein Theologiestudium an einer Fern-Universität absolviert. Gewusst hat davon niemand etwas, auch nicht seine Pressesprecherin Sabine Matt. Nur, dass Klaus Michael Rückert sich der katholischen Kirche sehr verbunden fühlt, das sei immer klar gewesen, sagt sie. Und: "Das ist ein Geschenk. Dass jemand aus einer 70-, 80-Stunden-Woche aussteigt und eine Aufgabe findet, eine Berufung für ihn."

Direkter Kontakt mit Menschen kam Rückert zu kurz

Auch Benjamin Geigel, Sozialdezernent im Kreis Freudenstadt, hat erstmal geschluckt, dann aber die Entscheidung des Landrats verstanden. Denn als Diakon sei er viel mehr im direkten Kontakt mit einzelnen Menschen und könne sich um sie kümmern. Dieser direkte Kontakt war als Landrat immer eher kurz, erzählt Rückert.

Ich bin als Landrat immer nur schlaglichtartig irgendwo gewesen. Ich hatte gute Gespräche. Aber es hat mir immer weh getan, wenn ich nach einer Stunde weiterhetzen musste.

Jetzt noch praktische Ausbildung zum Diakon

Den Wunsch, Diakon zu werden, hat Rückert schon lange. Als ein enger Freund von ihm mit 62 Jahren gestorben ist, sei ihm deutlich geworden: Die Lebenszeit ist begrenzt. Also hat er daran gearbeitet, seinen lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen.

Mit dem Theologiestudium hat er den theoretischen Teil der Ausbildung bereits absolviert. Ab Oktober beginnt dann seine praktische Ausbildung zum Diakon. Er wird weiterhin viel Verantwortung tragen, da ist sich Klaus Michael Rückert sicher. Aber eine andere Art der Verantwortung. Zwar betreut er dann weniger Menschen, die dafür aber intensiver. 

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Erstmals publiziert am
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Onlinefassung
Anna Priese
Anna Priese ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
Autor/in
Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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