Ein Leben für den Glauben

Württembergischer Altbischof Gerhard Maier gestorben

Er war vier Jahre lang Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: Am Karsamstag ist Gerhard Maier im Alter von 88 Jahren gestorben.

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Von Autor/in Catharina Straß

Der frühere württembergische Landesbischof Gerhard Maier ist tot. Wie die evangelische Landeskirche am Dienstag mitteilte, starb Maier am Karsamstag im Alter von 88 Jahren.

"Bischof für alle, nicht ein Bischof für alles"

Maier war zwischen 2001 und 2005 Landesbischof. Sein Leitgedanken war: "Bischof für alle, nicht ein Bischof für alles". In dieser Zeit gab er den Anstoß, einen Grundkonsens darüber zu suchen, was es heißt, evangelisch zu sein. "Bescheiden und freundlich in persönlichen Begegnungen" beschreibt ihn Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl. Maier habe dem deutschen Protestantismus in seiner Vielfalt Stimme und Profil geben wollen, so Gohl.

Seine Kindheit verbrachte der Altbischof in Ulm. In seiner Autobiographie "Streiflichter meines Lebens" berichtete Maier von Ulmer Bombennächten und dem Wunder, dass das Ulmer Münster im Krieg beinahe unbeschädigt blieb. In der Jugend habe er sich für den Marxismus begeistert.

Prediger veränderte Maiers Leben

Anfang der Sechziger Jahre erlebte Maier nach eigenen Angaben einen leidenschaftlichen, evangelischen Prediger. Diese Begegnung habe ihn und seine Frau dazu bewegt, ihr Leben dem Glauben zu widmen. Maier, der in Tübingen Jura studierte, entschied sich für ein zusätzliches Theologiestudium.

An der Fakultät eckte er mit seinem Buch "Das Ende der historisch-kritischen Methode" Zeit seines Lebens lehnte er die in der Theologie anerkannte historisch-kritische Methode der Bibelauslegung ab. Maier war ehrenamtlich Mitglied der Leitung des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes. Laut Landesbischof Gohl habe er als Theologe durch seine jahrzehntelange Auslegung der Heiligen Schrift den württembergischen Pietismus geprägt.

In Württemberg führte ihn der Weg als Pfarrer nach Baiersbronn im Schwarzwald (Kreis Freudenstadt). Anschließend wurde Maier Studienleiter und Rektor des theologisch-konservativen Albrecht-Bengel-Studienhauses in Tübingen, das Studenten mit einer konservativen Theologie akademisch begleitet.

Bis zum Schluss: Ein Leben für die evangelische Kirche

Die Ausbildungsstätte prägte er über viele Jahre hinweg und verfasste Kommentare zur Bibel. Auch engagierte er sich in der württembergischen Landessynode. Von 1995 bis 2001 wurde Maier Regionalbischof in der Heimatstadt Ulm, darauf folgten vier Jahre Bischofszeit.

Als Gastprofessor lehrte Maier in Belgien und in der Schweiz. 2004 erhielt er die Ehrenprofessorenwürde der Universität Galati (Rumänien) und 2005 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Protest gegen EKD-Kurs zur Homosexualität

Auch im Ruhestand meldete sich Maier zu Wort. So veröffentlichte er mit sieben weiteren Altbischöfen einen Protestbrief gegen das von der "Evangelischen Kirche in Deutschland" (EKD) beschlossene Pfarrdienstgesetz zum Umgang mit Homosexualität. Maier verbrachte den Ruhestand in Tübingen mit seiner Frau Gudrun, mit der er vier Söhne hatte.

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Catharina Straß
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