Für Tatjana Scheda, Elodie Brauquier und Carine Schnabel geht ein Traum in Erfüllung: Die drei Frauen aus Hechingen (Zollernalbkreis) fahren zur Pole Dance-WM in Argentinien. Sie sind dieses Jahr deutsche Meisterinnen im Pole Dance geworden und dürfen sich nun im Oktober in Buenos Aires mit der Weltspitze messen. Die drei Frauen sind erfolgreich in einem Sport, der noch immer mit Vorurteilen kämpft und in dem es selbst für die WM keine Förderung gibt. Denn die Kosten für den Flug und die Unterkunft müssen sie aus eigener Tasche zahlen.
Pole Dance für Frauen aus Hechingen Ausgleich zum Beruf
Alle drei Frauen sind Mütter und berufstätig. Tatjana Scheda ist Beamtin und arbeitet halbtags im Landratsamt des Zollernalbkreises. Die 41-Jährige hat vor einigen Jahren Pole Dance für sich entdeckt und sich vieles selbst beigebracht. Irgendwann hat sie erste Kurse angeboten, inzwischen hat sie ein eigenes Tanzstudio in Hechingen. Dort trainieren auch die beiden Schwestern Elodie Brauquier und Carine Schnabel. Die beiden treten im "Double" an und trainieren mehrmals pro Woche.
Kraft, Balance, Beweglichkeit
Die Poledancerinnen scheinen an der Stange fast mühelos und elegant herumzuturnen: Kopfüber, im Spagat, mit Schwung an der Stange herunterrutschend, bis ihre Haut Qietschgeräusche macht.
Ihre eleganten Bewegungen sehen mühelos aus. Aber bei den Figuren brauchen die Frauen Körperspannung, Kraft und Beweglichkeit und Hornhaut. Denn um genügend Halt zu haben, berühren sie die Stange mit der nackten Haut. Hornhaut und Blaue Flecken seien da ganz normal, so die Tänzerinnen.
Und sie brauchen Kondition: Nach ein paar Minuten Choreographie sind sie aus der Puste. Die Bewegungen der beiden Schwestern Elodie und Carine müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, sie müssen sich blind vertrauen.
Es ist wichtig, dass wir synchron sind. Das ist ein ganz großer Punkt beim Double, dass wir miteinander harmonieren und die Bewegungen zueinander passen.
Für die 43-Jährige und ihre drei Jahre ältere Schwester Carine sind glücklich, dass sie bei der Pole Dance-WM in Argentinien dabei sind. Vergangenes Jahr erreichten sie bei der WM in Schweden den vierten Platz. "Sich Team Germany auf den Rücken schreiben zu dürfen, ist richtig cool", sagt Carine Schnabel. "Unser Ziel ist, dass wir von der Bühne gehen und es hat alles geklappt, wir strahlen, wir sind brotfertig und haben unser Bestes gegeben", fügt ihre Schwester hinzu.
Vorurteile: Ist Pole Dance anstößig?
Inzwischen gehört die Sportart Pole Dance nicht mehr in verruchte Stripclubs, so die Tänzerinnen. Der Tanz an der Stange habe sich weiterentwickelt und ist längst zum Fitnesstrend und Wettkampfsport geworden. Für manche der Kollegen von Tatjana Scheda war Pole Dance anfangs etwas ganz Neues.
Ich denke, dass manche schon ihre Vorurteile haben, aber als dann die Bilder von der Deutschen Meisterschaft kamen, da habe ich voll viele Glückwünsche von den Kollegen erhalten. Da waren ziemlich viele beeindruckt.
Auch Elodie Brauquier und Carine Schnabel haben anfangs niemandem davon erzählt, dass sie Pole Dance machen. Heute sehen sie das ganz anders. "Man sollte sich da eigentlich nicht verstecken, weil es gibt keinen Grund", sagt Schnabel. "Selbst wenn man ,Exotic' machen würde mit High Heels, das ist auch eine sinnliche Bewegung und keine die hier trainiert macht das, um im Stripclub Geld zu verdienen. Und wenn schon, dann wäre es auch in Ordnung."
Auch wenn die Aufmerksamkeit und die Akzeptanz für den Sport zunimmt - finanzielle Unterstützung für die WM in Buenos Aires Mitte Oktober gibt es nicht. Weil die Sportlerinnen Flug, Unterkunft,und Outfit selbst bezahlen müssen, sind sie auf der Suche nach Sponsoren.
Bis zur WM muss die Choreographie sitzen und möglichst wenig Anstrengung kosten. Bis dahin stehen für die drei Frauen noch einige Trainingsstunden im Hechinger Tanzstudio bevor.