Einen Tag nach der Explosion eines Hauses in Albstadt-Tailfingen (Zollernalbkreis) mit drei Toten ist die Hilfsbereitschaft groß. Nachbarn bieten Unterkünfte an, eine Spendenaktion wurde gestartet und Seelsorger kümmern sich um die Betroffenen. Laut Stadtverwaltung sind einige von ihnen traumatisiert.
Stadt: "Die Leute haben das Bedürfnis, Hilfe zu leisten"
Mehrere Menschen hätten sich bei der Stadt über eine Notfallnummer gemeldet und ihre Hilfe angeboten, berichtet die Referentin des Oberbürgermeisters, Mona Lehmann. "Die Leute haben das Bedürfnis, Hilfe zu leisten." Einige hätten für die zwischenzeitlich evakuierten Anwohnerinnen und Anwohner Unterkünfte angeboten. Manche wollten bei den Aufräumarbeiten vor Ort unterstützen oder auch für Verpflegung der Einsatzkräfte sorgen, ergänzt Bürgermeister Roland Tralmer.
Auch auf Facebook ist die Anteilnahme groß:
Die Stadt hat am Unglücksort ein Hilfszelt für Anwohnerinnen und Anwohner aufgestellt. Die Betroffenen können sich dort Hilfe von Feuerwehr und Polizei holen und auch Kontakte zu Handwerkern erhalten. Bei der Explosion am Donnerstag sind auch einige Nachbargebäude beschädigt worden, die Reparaturarbeiten dauern an. Trotzdem konnten fast alle Anwohner bereits in ihre Häuser zurückkehren.
Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft, von der Anteilnahme der Bürgerschaft.
Die Polizei hat in Zusammenarbeit mit kirchlichen Trägern und dem Roten Kreuz Seelsorger organisiert, um den Anwohnern und Anwohnerinnen beizustehen. Die Betreuung soll auch in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Rettungskräfte hatten gehofft, Überlebende zu finden
Die Einsatzkräfte, darunter über 70 Feuerwehrleute, haben das Unglücksgebäude in nur sieben Stunden von Hand abgetragen. Bis zuletzt hatten sie gehofft, Überlebende zu finden, wie Stadtbrandmeister Thomas Daus erzählt. "Keiner wollte weg vom Einsatzort. Wir hatten alle den Drang, dass wir einen Hohlraum finden, wo die Familie sein könnte", schildert er sichtlich gerührt. Trotz aller Bemühungen habe man sich der Realität stellen müssen: "Wir haben den Wettlauf mit der Zeit verloren", so Daus. Mittlerweile wurden die drei gefundenen Leichen als die in dem Haus wohnhafte Familie identifiziert - der Vater (33), die Mutter (30) und ihr Sohn (6).
Wir hatten alle den Drang, dass wir einen Hohlraum finden, wo die Familie sein könnte.
Hilfsbereitschaft in Albstadt: Spendenaktion für Hinterbliebene
Gaetano Furore ist ein enger Freund der beim Unglück verstorbenen Familie. In der Früh sei er von dem lauten Knall der Explosion aufgewacht, erzählt er dem SWR. Er sei zum Unglücksort geeilt und habe die Trümmer gesehen. "Ich habe gebetet und gehofft, dass doch jemand überlebt hat."
Dass sein Freund nun tot ist, kann Furore nicht fassen. "Er war wie ein Bruder für mich", sagt er. "Immer fleißig. Hat man Hilfe gebraucht, war er sofort da." Furore hat nun eine Spendenaktion gestartet. Dabei kamen innerhalb eines Tages als 60.000 Euro zusammen. Mit dem Geld wolle er die Familie bei der Beerdigung unterstützen, sagt Furore.
Grund für Explosion weiter unklar
Am Tag nach der Explosion sind Spezialisten vor Ort. Kriminaltechniker vom Landeskriminalamt aus Stuttgart und die Spurensicherung aus Tübingen untersuchen die Trümmer. Die Polizei versucht mit Bauplänen und einer Drohne den Unglücksort zu rekonstruieren. Beweismittel wurden sichergestellt und werden jetzt begutachtet. Bisher ist die Ursache für die Explosion noch immer unklar, so eine Polizeisprecherin gegenüber dem SWR.
SWR-Reporterin Sarah Beschorner war am Freitagvormittag nach dem Unglück in Albstadt-Tailfingen: