Das geplante Bildungszentrum des Zolls auf dem Gelände der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen steht vor dem Aus. Seit sieben Jahren laufen die Planungen, Millionenbeträge wurden investiert, doch das Bundesfinanzministerium hat das Projekt nun gestoppt.
Stadt plant und investiert seit Jahren in Zollschule
Verhalten, trifft es wohl am besten, wenn man die erste Reaktion von Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm auf die Hiobsbotschaft für seine Stadt beschreiben möchte - zumindest nach außen hin. "Natürlich waren wir zunächst sehr überrascht und sprachlos", so der Bürgermeister. Die neue Zollschule beschäftige die Stadt schließlich schon seit Jahren. Man habe mitgeplant, entschieden und auch schon erste Arbeiten umgesetzt.
Rund 75 Millionen Euro sind schon verplant worden
Laut dem CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß haben der Bund und andere Beteiligte schon rund 75 Millionen Euro in den Neubau auf dem Kasernenareal gesteckt, in Planung und Abrissarbeiten zum Beispiel. Viel vorangegangen ist in den vergangenen Monaten nicht auf der Brache im Nordosten der Graf-Stauffenberg-Kaserne. Und jetzt hat das Bundesfinanzministerium die Arbeiten komplett gestoppt. Der Zoll brauche den Bildungscampus nicht mehr, heißt es offiziell.
Was ist der Grund für den plötzlichen Stopp?
Allerdings: Nicht nur, dass die Ausbildung sich ändern könnte, ist wohl Grund für den radikalen Schritt. Aus gut informierten Kreisen heißt es, "es konnten keine Haushaltsmittel in entsprechender Höhe veranschlagt werden". Die Baukosten seien stark gestiegen. Wieviel genau ist nicht bekannt. Von "mehr als verdoppelt" ist die Rede. Anvisiert war das Bildungszentrum mit rund 250 Millionen Euro.
Bundeswehr könnte das Grundstück und die Kosten übernehmen
Was aber wird nun aus dem Baugrundstück? Seit vergangenem Herbst prüft das Verteidigungsministerium, ob die Bundeswehr zurück in die Sigmaringer Kaserne kommt. Damals hieß es zwar von mehreren Seiten: "Zollschule und Bundeswehr auf einem Gelände schließen sich nicht aus". Jetzt aber überlegt man laut Bundesfinanzministerium, ob die Bundeswehr nicht die Planungen für das Zollschulgebäude "nebst angefallener Kosten" mitübernehmen könnte. Man sei bei diesen Überlegungen "weit fortgeschritten".
Hätten wir uns nicht für die Wiederansiedlung der Bundeswehr eingesetzt, würden wir nun mit leeren Händen dastehen.
In Sigmaringen baut man fest darauf, bald wieder Garnisonsstadt zu sein - aus Prestige- und Wirtschaftsgründen. "Die Infrastruktur ist da", wird Marcus Ehm, der im Juni erneut zum Bürgermeister gewählt werden möchte, nicht müde immer wieder zu betonen. Unter anderem gibt es einen Schießplatz, Übungsplatz, Bahnanbindung, einen kleinen Flughafen in der Nähe. Wenn bald wieder Soldaten in die Kaserne ziehen würden, wäre der Verlust des Zollschul-Neubaus für die Stadt wohl verkraftbar. Hätte man sich nicht für die Wiederansiedlung stark gemacht, stünde man nun mit leeren Händen da, so Ehm.
Keine Bundeswehr und keine Zollschule - Sigmaringen könnte ganz leer ausgehen
Genau das könnte aber theoretisch noch passieren: Sollte sich der Bund gegen ein Comeback der Streitkräfte in Sigmaringen entscheiden, würde das Zoll-Baugrundstück wohl zum Millionengrab. Und langfristig könnte man auch den Zoll selbst in Sigmaringen verlieren. Die Gebäude am jetzigen Standort im Stadtteil Gorheim sind veraltet, deshalb wollte man ja bauen. Bis 2032 läuft die Genehmigung dort noch. Wird sie verlängert? Laut Bundesfinanzministerium wird auch das "geprüft".