Das Bundesverteidigungsministerium will fast 200 ehemalige Bundeswehrliegenschaften behalten und doch nicht für die zivile Nutzung umwandeln. Auch Kasernen und Gelände in der Neckar-Alb-Region sind darunter. In den betroffenen Gemeinden sind die Reaktionen unterschiedlich: Die einen freuen sich, dass die Bundeswehr zurückkommen könnte, anderswo wird mit dem Kopf geschüttelt.
Große Freude in Sigmaringen
Wäre Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm diese Woche im Dienst gewesen, hätten im Rathaus womöglich die Sektkorken geknallt. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen schon lange, dass die Bundeswehr zurück in die dortige Graf-Stauffenberg-Kaserne kommt. Seit Monaten laufen deshalb Gespräche. Aktuell ist noch eine Landeserstaufnahmestelle auf dem Gelände untergebracht.
Sigmaringen: "Zusammenleben mit Militär gehört zum Alltag"
"Sigmaringen war über 50 Jahre lang Garnisonsstadt und daher gehörte der Anblick und das Zusammenleben mit dem Militär immer schon zum Alltag", teilte Ehm dem SWR zur aktuellen Entscheidung mit. Es rufe nur positive Erinnerungen hervor. Bürgermeister und Gemeinderat würden im Sinne der Bürgerschaft die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen durch die Bundeswehr sehr begrüßen.
Gewerbepark und Bundeswehrkaserne schließen sich nicht aus
Vor zehn Jahren wurde die Sigmaringer Kaserne geschlossen. Mittlerweile haben die Stadt und acht umliegende Gemeinden daneben gemeinsam einen Gewerbe- und Industriepark gegründet. Das sieht man in Sigmaringen aber nicht als Problem. Im Gegenteil: Ein Teil der Fläche des ehemaligen Standortübungsplatzes sollte laut Bürgermeister Ehm zwar perspektivisch für eine Erweiterung des Zweckverbandsgebiets eingeplant werden. Jedoch sei zwischenzeitlich klar, dass "aufgrund der sehr hohen ökologischen und artenschutzrechtlichen Anforderungen eine Bebauung dieser Flächen nur unverhältnismäßig teuer möglich wäre".
Engstingen: Bunker seit 30 Jahren nicht gewartet
Eine Rückkehr der Bundeswehr? In Engstingen (Kreis Reutlingen) hält man das für ausgeschlossen. Der ehemalige Standortübungsplatz der Gemeinde steht ebenfalls auf der Liste der Liegenschaften, die das Verteidigungsministerium erstmal für die Bundeswehr behalten möchte. "Der Umwandlungsstopp kommt für uns überraschend", sagte Engstingens Bürgermeister Mario Storz dem SWR. Grundsätzlich begrüße er die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Landes und halte es für nachvollziehbar, dass dafür mehr militärische Flächen gebraucht werden. Allerdings: Die ehemalige Eberhard-Finckh-Kaserne in Engstingen gibt es nicht mehr. Vor 30 Jahren wurde sie schon geschlossen. Auf dem ehemaligen Gelände ist längst ein Gewerbepark. Das Gelände gehöre nicht mehr dem Bund.
Keine militärische Infrastruktur mehr
"Es gibt somit für die Bundeswehr vor Ort keinerlei militärische Infrastruktur, die für Übungszwecke oder andere militärische Zwecke nutzbar wäre", so Engstingens Bürgermeister. Zwar gebe es noch alte Bunkeranlagen, die auch noch dem Bund gehören würden, allerdings habe sich in den vergangenen Jahrzehnten niemand um sie gekümmert.
Auch Kaserne in Horb ist längst Geschichte
Ähnlich ist die Situation in Horb. Auch das dortige ehemalige Kasernengelände wird mittlerweile zivil genutzt. Feuerwehr, Stadtwerke und mehrere Unternehmen sind dort untergekommen. Die ehemaligen Wohnquartiere, das Sportgelände und die Sporthalle sind laut Stadt in die Hände von Immobilienentwicklern gegangen. Teilweise stehen schon neue Wohnungen auf dem Gelände, andere werden noch gebaut. Bis zu 500 Menschen können auf dem ehemaligen Kasernengelände laut Stadt ein Zuhause finden.
Stadt will Pläne "positiv begleiten"
Der ehemalige Truppenübungsplatz gehört allerdings noch dem Bund. "Sollte der Bund im Interesse der Wehrfähigkeit unseres Landes eine Reaktivierung dieses Geländes in Betracht ziehen, werden wir dies in Anerkennung der Notwendigkeit positiv begleiten", heißt es von der Stadt. Die ehemalige Kaserne könne allerdings nicht mehr in Betrieb genommen werden.
Tausende Tonnen Steine liegen auf ehemaligem Munitionslager
Der Chef des Natursteinparks im Tübinger Schindhau, Manuel Rongen, geht nicht davon aus, dass die Bundeswehr das ehemalige Munitionslager dort tatsächlich wieder nutzen wird. Das Gelände an der Bundesstraße vor Tübingen steht ebenfalls auf der Liste des Verteidigungsministeriums. Er habe erstmal laut über die Pläne des Bundes gelacht, erzählt er im Gespräch mit dem SWR. Auf dem Gelände liegen Tausende Natur- und Mauersteine. Und das wohl auch noch länger: Rongen habe erst vor kurzem seinen Mietvertrag mit dem Bund für das Gelände verlängert. "10.000 Tonnen Steine können sich nicht so einfach in Luft auflösen", sagt er.
Allerdings sei das Areal um seinen Natursteinpark groß. Grundsätzlich gebe es genug Platz, auch noch für die Bundeswehr. Dass der Bund das Gelände erstmal behalten will, kann Rongen grundsätzlich nachvollziehen. Er findet es jedoch gleichzeitig "kurios", dass es möglicherweise für militärische Zwecke genutzt werden soll.