Erfolgreiches Pilotprojekt

Telemedizin im Seniorenheim Reutlingen: Ärzte auf Knopfdruck

Mit dem Umzug ins Pflegeheim verlieren alte Menschen oft ihren Hausarzt. Die Lösung: Sprechstunde am Bildschirm. Die Reutlinger Kreiskliniken zeigen, wie's geht.

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Von Autor/in Mia Zundel

Ein Projekt an den Reutlinger Kreiskliniken soll Patienten und Personal entlasten - nun gibt es auch Unterstützung vom Land.

So läuft die Sprechstunde am Bildschirm beispielsweise ab: Lisa Reuter, 98 Jahre alt und Bewohnerin des Seniorenheims Haus Georgenberg in Reutlingen, hat einen Termin zur virtuellen Ferndiagnose bei HeimDoc. Ihre Blutdruckwerte samt Körpertemperatur hat eine Pflegerin bereits auf einer Plattform der Ärztin online übermittelt. Nun steht die Tele-Sprechstunde an.

Die Patientin sitzt auf einem Sessel in ihrem Zimmer im Pflegeheim. Vor ihr steht der Medienturm, mit dem sie von der Ärztin telemedizinisch untersucht wird. Das Pilotprojekt HeimDoc ist ein Versuch der Reutlinger Kreiskliniken und der RAH, die hausärztliche Versorgung zu verbessern.
Die 98-jährige Lisa Reuter hat sich schnell an den "HeimDoc" gewöhnt und nimmt das Ganze mit Humor. Sie und die anderen Bewohner freuen sich, wenn "der Fernseharzt kommt".

Betreut und begleitet wird die Patientin von einer Medizinischen Fachangestellten der Reutlinger Kreiskliniken. Sie schiebt einen Medienturm in Lisa Reutters Zimmer. Einen Bildschirm hat die MFA im Blick, der andere ist auf die Patientin gerichtet. An dem Wagen sind eine Kamera, ein Stethoskop und eine Ultraschallsonde angebracht.

Ärztin in Reutlingen stellt Diagnose über Bildschirm

Auf den Bildschirmen taucht das Gesicht einer Ärztin auf. Sie sitzt in der Reutlinger Kreisklinik und hat sich für die Videosprechstunde mit Lisa Reuter zugeschaltet. So können Patientin, MFA und Ärztin miteinander sprechen. Die Ärztin gibt der MFA Anweisungen, wie sie die Patientin mit dem Stethoskop abhören soll. Den Herzschlag überprüft die Ärztin per Kopfhörer. Auch die Kamera kann sie über ihren Monitor lenken.

Im Kreisklinikum Reutlingen sitzt eine Ärztin vor dem Computer. Darauf sieht sie ein Ultraschall-Bild. Das Pilotprojekt HeimDoc soll die hausärztliche Versorgung von Menschen in Pflegeheimen verbessern.
Lunge und Herz abhören, einen Ultraschall machen und ins Ohr gucken. Die Ärzte der Reutlinger Kreiskliniken können das auch per telemedizinischer Fernbehandlung.

Bessere Versorgung und weniger Aufwand

Das Projekt HeimDoc läuft nun seit gut einem Jahr probeweise. Alle Beteiligten der Reutlinger Kreiskliniken und der Reutlinger Altenhilfe sind sich einig: Es gibt nur Vorteile. Die Patienten und Patientinnen werden schneller und zuverlässig versorgt, viele umständliche Transporte in die Klinik entfallen und das Warten im Wartezimmer oder in den meist überlasteten Notaufnahmen entfällt. Die Pflegekräfte haben weniger Stress, weil es für sie weniger zu organisieren gibt. Die Hausärzte der Kreiskliniken haben mehr Zeit, weil Fahrten zu den Einrichtungen entfallen.

Wir können ja nicht mehr zum Arzt gehen, wir können nicht eine Stunde da im Wartezimmer sitzen, und das geht übers Fernsehen wunderbar.

HeimDoc: Die medizinische Versorgung der Zukunft?

Trotzdem kommen die Ärzte von den Reutlinger Kreiskliniken noch regelmäßig persönlich vorbei. Durch das Telemedizin - Projekt können sie aber mehr Patienten betreuen, berichten sie. Im Laufe des Jahres wollen die Reutlinger Kreiskliniken noch neun weitere Pflegeheime der Reutlinger Altenhilfe und der BruderhausDiakonie in das Telemedizin - Projekt aufnehmen. Bisher sind die Kliniken in Vorleistung gegangen, jetzt unterstützt das Land das Projekt für ein Jahr. Wie HeimDoc in Zukunft finanziert wird, ist allerdings noch offen.

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