Die Zahl der Menschen, die an Hautkrebs erkranken, steigt in den Kreisen Reutlingen und Tübingen. Das hat die AOK Neckar-Alb mitgeteilt. Vor allem seien Männer davon betroffen. Im Landkreis Tübingen gebe es außerdem mehr Menschen mit Hautkrebs als im Landesdurchschnitt. Hautärztin Andrea Forschner vom Uniklinikum Tübingen beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen der Erkrankung und berichtet im SWR-Interview, wie man sich vor Hautkrebs schützen kann.
SWR Aktuell: Jetzt ist April, der Frühling ist da. Manchmal ist es ja noch so richtig kalt, aber die Sonne lässt sich schon häufig blicken. Frau Professor Forschner, wie ernst müssen wir denn die Frühlingssonne tatsächlich nehmen? Ist Sonnenschutz im April wirklich nötig?
Andrea Forschner: Ja, also das hängt natürlich sehr vom Wetter ab, aber wenn die Sonne kräftig scheint im April, ist durchaus Sonnenschutz nötig und auch ratsam. Ich würde jetzt aber auch noch mehr dazu raten, die Sonne zu meiden.
Nicht nur Sonnenschutz auftragen, sondern einfach auch den Schatten suchen, leichte, langärmlige Kleidung tragen, wenn man wenig Haare auf dem Kopf hat, einen Hut aufziehen. Es sollte ein Automatismus werden, dass man sich, wenn die Sonne insbesondere um die Mittagszeit scheint, gut schützt. Nicht nur mit Sonnenschutz, sondern vor allem eben auch mit Schatten und Kleidung.
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SWR Aktuell: Also dann unterscheidet sich der Sonnenschutz im April eigentlich gar nicht von dem Sonnenschutz im Sommer, oder?
Andrea Forschner: Ich würde sagen im April ist morgens um 10 Uhr noch nicht die Intensität, die wir im Juli um 10 Uhr am Morgen haben. Aber zum Beispiel Menschen mit ganz heller Haut, rötlichen Haaren und grünen Augen müssen sich auch in der Früh schon schützen, wenn im April die Sonne dann so kräftig scheint.
Dazu kommt der psychologische Aspekt, viele Menschen sind nach den Wintermonaten süchtig danach, mal wieder ein paar Sonnenstrahlen auf der Haut zu haben und übertreiben es dann auch gerne gleich. Man sieht es in den Cafés: Sobald die Sonne scheint, sitzen alle draußen und da sieht man einige rote Gesichter. Das ist für uns Hautärzte dann immer besonders schmerzlich.
SWR Aktuell: Und würden Sie sagen, dass man sich auch an bewölkten Tagen, die es ja im Frühling doch auch häufig gibt, eincremen soll, oder ist es dann nicht nötig?
Forschner: Also das würde ich jetzt nicht als dringlich sehen, dass man sich an bewölkten Tagen auch eincremt. Aber wie gesagt, der Hauttyp spielt eine Rolle. Es spielt auch die individuelle Konstitution eine Rolle. Es gibt Patienten, die sind immunsupprimiert, zum Beispiel nach einer Transplantation. Sie haben ein massiv hohes Risiko dafür, Hautkrebs zu entwickeln, und sie müssen sich tatsächlich immer und überall schützen. Das sind einfach so individuelle Faktoren, die da noch mit reinspielen. Aber der Durchschnittsbürger muss bei einem bewölkten Himmel keinen Sonnenschutz auftragen.
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SWR Aktuell: Welcher Lichtschutzfaktor ist für wen nützlich?
Forschner: Ich würde nicht so arg auf die Zahl gucken. Der Lichtschutzfaktor 30, der blockiert 97 Prozent der UVB-Strahlung, der Lichtschutzfaktor 50 blockiert 98 Prozent. Also haben wir genau ein Prozent Zugewinn von 30 auf 50. Ich finde es viel wichtiger, dass man eine Sonnencreme findet oder ein Fluid, das man selber als angenehm empfindet. Sonst verwendet man es nämlich auch nicht so konsequent, wie es erforderlich ist.
SWR Aktuell: Inwiefern lässt sich denn der Anstieg an Hautkrebs beobachten?
Forschner: Die Zahl der Patienten, die an Hautkrebs erkranken, steigt nach wie vor. In Australien zum Beispiel, wo ja schon sehr viel früher und sehr viel konsequenter die Aufklärungskampagnen gestartet haben, dass Sonne eben Hautkrebs verursachen kann – da geht schon die Inzidenz zurück bei den Jüngeren, also bei bis 40-Jährigen. Bei uns wird es noch ein bisschen dauern. Und wir müssen berücksichtigen, die Menschen werden ja auch immer älter. Weißer Hautkrebs tritt im Alter immer häufiger auf.
Sehr positiv ist, dass bei den Kindern und Jugendlichen schon ein Umdenken eingesetzt hat. Auch in den Kitas wird konsequent mit Sonnensegeln gearbeitet über den Sandkästen. Oder auch diese Hüte, die einen Nackenschutz hinten haben, das gab es ja früher alles gar nicht. Insofern wird das schon noch zurückgehen, aber noch ist es zu früh. Es gibt aber schon ein größeres Bewusstsein, dass man zur Hautkrebsvorsorge geht.
SWR Aktuell: Wie oft sollte man eigentlich zur Hautkrebsvorsorge gehen?
Forschner: Also es gibt gesetzlich das Hautkrebs-Screening alle zwei Jahre. Man beobachtet aber immer mehr, dass doch einige Probleme haben, einen Termin zu kriegen. Wenn man individuelle Risikofaktoren hat, dann in Absprache mit den Dermatologen durchaus auch häufiger als alle zwei Jahre. Wenn man schon mal eine Art Hautkrebs hatte, auch dann ist Vorsicht geboten. Wenn an einer Stelle ein weißer Hautkrebs aufgetreten ist, ist es ja sehr wahrscheinlich, dass daneben in der Nachbarregion nochmal was dazu kommt. Davon hängt es ab, wie häufig man zur Vorsorge gehen sollte. Aber alle zwei Jahre, das gilt auf jeden Fall als Minimum.