Sonnenbrand und Co

Gesunde Haut – das Wichtigste zu Sonnenschutz, Hautveränderungen und Wunden

Ob Verletzungen oder Sonnenbrand: Im Sommer ist die Haut besonders belastet. Kann man eine Hautkrebsvorstufe selbst erkennen? Kleine Wunden richtig versorgen – Tipps von Experten.

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Von Autor/in Valeria D'Alessio

Mehr Bewegung und Sport draußen - im Sommer setzen wir uns viel mehr der Sonne aus und haben ein höheres Verletzungsrisiko. Jeder Sonnenbrand lässt das Hautkrebsrisiko massiv ansteigen.

Wie erkennt man, ob und wie stark die Haut bereits geschädigt ist? Was ist zu beachten bei der Versorgung kleiner Wunden? Neuartige Pflaster versprechen eine effektivere Heilung. SWR-Gesundheitsexperte und Arzt Dr. Lothar Zimmermann beantwortet die wichtigsten Fragen. 

Sonnenschutz-Produkte wirken heute besser als früher 

Die Sonnenschutzmittel der 1970er und 1980er Jahre waren weniger ausgereift, hatten einen niedrigeren Lichtschutzfaktor (LSF) als heute und der Schutz war weniger zuverlässig. Sie schützten vor allem nur vor UVB-Strahlen, die für Sonnenbrand verantwortlich sind.  

Der Schutz vor UVA-Strahlen, die tiefere Hautschichten schädigen und langfristig Hautalterung und Hautkrebs fördern können, steht erst seit den 1990er Jahren zur Verfügung. Außerdem verbesserte sich die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe und deren Stabilität bei Sonnenbestrahlung deutlich. 

Dazu kam in den 1980er und 90er Jahren noch die geschwächte Ozonschicht. Das Ergebnis sehen wir heute: Die Diagnose Hautkrebs trifft 372.000 Patienten pro Jahr, alle Hautkrebsarten zusammen. 

Der richtige Sonnenschutz: Tipps vom Experten 

Den Sonnenschutz für die Haut zu vernachlässigen ist keine gute Idee. Der Stuttgarter Dermatologe Dr. Jens Tesmann erklärt, dass Studien über die Verwendung von Sonnenschutz auf der Haut 30 bis 40 Prozent verminderte Hautkrebsraten zeigten.  

Der Experte empfiehlt als zeitliche Leitlinie für den Sonnenschutz auf der Haut „von Ostern bis Oktober“. Dabei sollte ein Lichtschutzfaktor nicht unter 50 verwendet werden. „Alles darunter halten wir nicht mehr für relevant.“  

Es gibt bereits auch Lichtschutzfaktor 100. Den empfiehlt der Hautarzt zum Beispiel fürs Gebirge. 

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Der März zeigt sich von seiner sonnigen Seite. Die Haut braucht aber auch im Frühjahr schon Schutz vor der UV-Strahlung. Dabei helfen Wetterdienste und die richtige Sonnencreme.

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Reicht es für den Sonnenschutz, sich im Schatten aufzuhalten?  

Davon rät der SWR-Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann ab. „Unterm Strich ist eincremen besser - auch allen manchmal kritisch betrachteten Inhaltsstoffen von Sonnencremes zum Trotz. Der Nutzen durch den Schutz der Sonnencreme überwiegt allen möglichen Schaden durch irgendwelche Inhaltstoffe.“ 

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Für den Schutz der Haut gegen Sonne ist nicht nur üppig eincremen wichtig, auch regelmäßig nachcremen. Sonnencreme, Hauttyp, Lichtschutzfaktor - wir klären auf.

Sonnenschutz für Gesicht und Mund: Tipps fürs Make-Up 

Dr. Zimmermann empfiehlt für Gesichtshaut und Lippen spezielle Sonnenschutzprodukte, die extra für diese empfindlichen Bereiche entwickelt wurden. „Diese Cremes sind oft leichter, gut verträglich und schützen die dünne Haut besser. Vor allem Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor verhindert Austrocknung und Sonnenbrand.“  

Viele Make-up-Produkte enthalten zwar einen Lichtschutzfaktor, aber dieser ist oft zu niedrig. Daher besser zuerst eine Sonnencreme mit mindestens LSF 50 auftragen und gut einziehen lassen. Das ist wichtig, damit der Schutz richtig wirkt – und erst danach das Make-up auftragen.   

Hilfe im Notfall gegen Sonnenbrand 

Und wenn es einen doch erwischt, und die Haut zeigt einen Sonnenbrand? Für den Notfall empfiehlt Hautarzt Dr. Tesmann: „Dann sofort aus der Sonne raus. Kühlen ist sehr gut.“

Also zum Beispiel ein feuchtes Handtuch auflegen, eine After-Sun-Lotion auftragen und wenn es stark ist, mit Schmerzen, ein Cortisonpräparat anwenden. 

Auffällige Hautveränderungen selbst erkennen 

Hautstellen mit Veränderungen kann man selbst entdecken. Dermatologe Dr. Tesmann unterscheidet schwarzen und weißen Hautkrebs. 

Beim weißen Hautkrebs treten anfangs Rötungen auf oder derbe, neue Knoten in der Haut, die auch leicht verletzlich sind. „Dann ist es immer sinnvoll, sich beim Hautarzt vorzustellen.“ 

Bei schwarzem Hautkrebs sind zunächst Leberflecken zu sehen, „die etwas bizarr aussehen oder jucken oder bluten“. Auch ein Zeichen, um den Hausarzt aufzusuchen.  

Die Früherkennung für Hautkrebs bezahlt die Krankenkasse in der Regel für Versicherte ab 35 Jahre alle zwei Jahre.  

Die ABCDE-Regel zur Erkennung von schwarzem Hautkrebs 

Der schwarze Hautkrebs - das maligne Melanom - bildet schneller Metastasen und ist daher gefährlicher. Früh erkannt, kann aber auch er gut behandelt werden. 

Dr. Lothar Zimmermann erklärt, schwarzer Hautkrebs kann an bestehenden oder neuen Leberflecken entstehen. Erkennbar ist er zum Beispiel an einer asymmetrischen Form, unklaren Rändern oder Farbveränderungen.  

Hier gilt die sogenannte ABCDE-Regel: A steht für Asymmetrie – der Fleck ist nicht gleichmäßig geformt. B meint eine unscharfe, unregelmäßige Begrenzung. C steht für eine uneinheitliche Farbe (englisch: Colour), D für einen Durchmesser über fünf Millimeter und E für Veränderungen wie Juckreiz, Krusten oder Wachstum. 

Dr. Zimmermann betont: „Regelmäßige Selbstkontrolle und Vorsorgeuntersuchungen helfen, Hautkrebs früh zu erkennen.“ 

Wie wahrscheinlich ist es, Hautkrebs zu bekommen?  

Studien kommen zunehmend zum Ergebnis: Hautkrebs ist fast eine Frage der Zeit. Das Risiko steigt mit dem Alter. Dr. Zimmermann sagt: „Das liegt daran, dass unser biologisches System darauf ausgelegt ist, uns bis etwa 50 Jahre zu schützen. Mittlerweile werden wir aber oft deutlich älter.“  

Die UV-Strahlenbelastung sammelt sich im Laufe des Lebens an. Diese UV-Dosis führt langfristig zu DNA-Schäden in Hautzellen, die sich nicht immer vollständig reparieren lassen. Untersuchungen zeigen, bereits fünf schwere Sonnenbrände können das Risiko für Hautkrebs mehr als verdoppeln – insbesondere Sonnenbrände in der Kindheit.  

Kurz gesagt: Es ist nicht eine Frage des ob, sondern des wann. Je länger wir leben, desto wahrscheinlicher wird es, dass Hautkrebs entsteht. Daher sind regelmäßiger Schutz und Vorsorge entscheidend. 

Weißer Hautkrebs und seine Behandlung 

Die Folgen von zu viel Sonne für die Haut können Jahre später weiße Flecken am ganzen Körper sein – die Diagnose möglicherweise: weißer Hautkrebs. Hautkrebs muss schnell entfernt werden. 

Die photodynamische Therapie zum Beispiel hilft, den Großteil der Hautkrebsvorstufen abzubauen und verbessert zugleich das Hautbild. 

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Hautkrebsvorstufen: Wie die Photodynamische Therapie funktioniert 

Die photodynamische Therapie (PDT) gilt derzeit als besonders wirksame Methode, um großflächige Hautkrebsvorstufen zu behandeln. Dabei wird zunächst die Haut mit einem speziellen Laser vorbehandelt, der winzige Öffnungen erzeugt. Anschließend wird eine Creme aufgetragen, die sich gezielt in den veränderten Zellen anreichert. Sie haben einen höheren Stoffwechsel und nehmen den Wirkstoff, einen sogenannten Lichtsensibilisator, besonders gut auf.  

In einem zweiten Schritt wird die Haut mit einer speziellen Lichtquelle bestrahlt. Das Licht aktiviert den Wirkstoff in den kranken Zellen und löst dort gezielt eine phototoxische Reaktion aus. Die geschädigten Zellen sterben ab und werden nach wenigen Tagen vom Körper abgestoßen. Sichtbar wird das durch eine Art Sonnenbrandreaktion mit starker Krustenbildung. 

Je nach Ausdehnung der betroffenen Hautareale erfolgt die Behandlung in mehreren Etappen. Eine Wiederholung ist nach einigen Jahren möglich, wenn erneut viele Hautkrebsvorstufen auftreten und andere Therapieformen nicht ausreichen.  

Wichtig: Die PDT-Behandlung wird in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen und muss von den Patienten selbst bezahlt werden. Sie kostet meist mehrere Hundert Euro pro Areal und Sitzung. 

Dank neuer Behandlungen, die das Immunsystem gezielt stärken oder bestimmte Krebszellen direkt angreifen, haben Menschen mit fortgeschrittenem Hautkrebs heute viel bessere Überlebenschancen als früher. 

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Kleine Verletzungen: Wunden in der Haut richtig versorgen 

Nicht nur die Sonne kann die Haut verletzen, auch ein Sturz oder ein Schnitt mit dem Küchenmesser und eine dicke Schramme oder eine wunde Stelle soll versorgt werden. Vor allem im Sommer holt man sich draußen beim Sport oder im Garten schnell mal kleine Verletzungen.  

Was tun, wenn es blutet? Pflaster drauf? Luft dranlassen? Oder doch lieber eine Heilsalbe? Wundspray, Heilsalbe und verschiedene Arten von Pflaster sind die üblichen Produkte zur Wundbehandlung. 

Richtige Reihenfolge beim Versorgen einer Wunde - zuerst reinigen  

Ein alter Mythos, der sich immer noch hartnäckig hält: Die Wunde offenlassen, damit sie angeblich an der Luft schneller trocknet und heilt. Mit einem Pflaster oder Verband bleibt die Wunde aber feucht - und das hilft beim Heilungsprozess.  

Grundsätzlich gilt für alle Wunden: Erstmal ordentlich reinigen. Dermatologe Dr. Jens Tesmann empfiehlt: „Und zwar wirklich gerne mit Wasser, damit ich den Schmutz, den Staub, den Dreck -  manchmal auch kleine Steinchen, die man beim Bluten gar nicht so sieht - entfernt bekomme.“ 

Nach der Reinigung beginnt die Haut mit der Aufbauphase. Es bilden sich neue Blutgefäße - und sogenannte Fibroblasten produzieren frisches Gewebe sowie Kollagen für die Stabilität.  

Welches Pflaster für welche Verletzung?  

Um den Heilungsprozess optimal zu unterstützen, braucht es die richtige Wundauflage. Neben den herkömmlichen Pflastern gibt es auch Pflaster mit einer speziellen Beschichtung, die ein feuchtes Klima schaffen, das die Zellerneuerung unterstützen soll. 

Dermatologe Dr. Jens Tesmann empfiehlt Hydrokolloid- oder Hydrogel-Pflaster als Wundverschluss für eine feuchte Wundheilung. Es verklebt nicht mit dem Wundgrund, nimmt Feuchtigkeit auf. Diese Pflaster sind besonders geeignet zum Beispiel bei Blasen an den Füßen.  

Die klassischen Pflaster ermöglichen einen trockenen Wundverband, lassen viel Luft an die Wunde. Das ist günstig, um eine weniger sorgfältig desinfizierte Wunde gut zur Abheilung zu bringen. 

Wenn die Wunde größer ist - etwa, wenn man sie früher genäht hätte - kann man heute Stripes oder Wundnahtstreifen verwenden. Dadurch kommen die Ränder der Wunde näher zusammen. Das funktioniert allerdings nicht bei Stellen, die unter Dehnungsdruck stehen. 

Großflächigere Wunden: Wann ein Verband notwendig wird  

Nicht immer reichen Pflaster aus. Bei großflächigen Wunden könnte ein Verband die bessere Wahl sein. Damit er nicht mit der Wunde verklebt, empfiehlt Dr. Tesmann, beispielsweise eine Gaze aufzulegen, die Vaseline beinhaltet.  

Besonders an Gelenken, die viel bewegt werden, wie etwa am Knie oder Ellenbogen, mache es Sinn, mit einem Verband das Pflaster zusätzlich zu schützen. 

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Der richtige Zeitpunkt für Heilsalben 

In der akuten Wundheilungsphase sind Heilsalben fehl am Platz. Dermatologe Dr. Tesmann erklärt, die Salben verklebten die Wunde und führen häufig zur Ablösung der neu gebildeten Kruste.  

„Ich würde immer warten, bis die Kruste weg ist. Das ist der natürliche Wundverband.“ Erst die Rötung, die anschließend bleibt, sollte mit einer zum Beispiel Bepanthen-haltigen Creme nachbehandelt werden. 

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Bei kleinen Wunden ist also meist nicht viel nötig. Entscheidend für die Heilung ist zunächst vor allem Hygiene. Harmlose kleine Wunden können allerdings gefährlich werden in puncto Wundstarrkrampf, also Tetanus, oder auch Blutvergiftung, also Sepsis.  

Die Impfung gegen Tetanus ist absolut lebenswichtig und sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Für den eigenen Schutz sollte dafür der Impfpass kontrolliert werden.  

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Valeria D'Alessio
Interview mit
Dr. Lothar Zimmermann , SWR-Gesundheitsexperte
Onlinefassung
Heidi Keller